16.12.2025

Allgemein

Ausblick 2026: Impulse aus der Mitgliederumfrage 

Die deutsche Wirtschaft steckt in der Stagnation: Während der Staatskonsum seit 2015 wächst, treten das Bruttoinlandsprodukt und private Investitionen auf der Stelle – beides sind zentrale Motoren von Innovation und Wohlstand. Die aktuelle Konjunkturprognose des Ifo-Instituts für den Winter 2025 bestätigt den Ernst der Lage: Nur 0,1 Prozent Wachstum im aktuellen Jahr und ein erwartetes Mini-Wachstum von 0,8 Prozent für 2026. Die Gründe für die Wachstumskrise sind vielfältig.  

Besonders mittelständische Unternehmen leiden unter überbordender Bürokratie, hoher Steuerlast, maroder Infrastruktur und steigenden Sozialabgaben. Seit dem Krieg in der Ukraine ist mit den gestiegenen Energiepreisen eine weitere Belastung hinzugekommen.​​  

Die aktuelle DMB-Mitgliederumfrage, an der 770 mittelständischen Unternehmen teilgenommen haben, unterstreicht die Herausforderungen: Das dritte Jahr in Folge sinkt der Anteil der Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage mit „sehr gut“, „gut“ oder „befriedigend“ bewerten. Zwar liegt der Anteil noch immer bei 70 Prozent der Befragten, das entspricht aber einem Rückgang um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein klarer Negativtrend.  

Über 42 Prozent der DMB-Mitglieder erwarten Stagnation, Bürokratie wird als größtes Investitionshindernis genannt, gefolgt von steuerlicher Belastung und dem Fachkräftemangel. Unsere Befragung zeigt klar: Der Mittelstand steht unter Druck und braucht dringend sofortige Entlastung. Aus den Befragungsergebnissen haben wir sechs konkrete Forderungen abgeleitet: Für jeden Problemkomplex eine praxistaugliche Lösung – Entlastung und Wachstumsimpulse für den Mittelstand 2026 und darüber hinaus.  

1.

Steuern für Unternehmen vor 2028 senken & Soli abschaffen

Das Problem

Die Unternehmensbesteuerung in Deutschland liegt mit rund 30 Prozent deutlich über dem OECD- und EU-Durchschnitt und schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Hohe Steuer- und Abgabenlasten bremsen Investitionen und mindern die Bereitschaft der Unternehmen, Kapital in Wachstum und Innovation zu stecken. Während andere Industrienationen ihre Steuersysteme in den vergangenen Jahren gezielt wettbewerbsfähiger gemacht haben, verliert Deutschland weiter an Attraktivität als Investitionsstandort.

Das sagen die DMB-Mitglieder

Die DMB-Jahresumfrage bestätigt die Dringlichkeit: Für 35 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen ist die Verringerung der Steuerlast die wichtigste politische Maßnahme. Zwar hat die Bundesregierung eine Senkung der Körperschaftsteuer angekündigt, diese soll jedoch erst ab 2028 greifen. Aus Sicht des Mittelstands kommt diese Entlastung zu spät – Investitionsentscheidungen werden heute getroffen und aktuell leider zu häufig aufgeschoben.

Lösungsvorschlag

Der DMB fordert erstens eine vorgezogene, schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer ab 2026 auf zehn Prozent, um kurzfristig Investitionen zu ermöglichen und Planungssicherheit zu schaffen. Ergänzend ist zweitens die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags für Unternehmen notwendig, um Betriebe spürbar und unmittelbar zu entlasten.

2.

Energiepreise für den Mittelstand senken

Das Problem 

Hohe Energiekosten zählen zu den größten Investitionshemmnissen und Standortnachteilen. Studien von DIHK und BDI belegen, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich deutlich höhere Strompreise zahlen, was zu Abwanderung und Produktionskürzungen führt. Faktoren wie bürokratische Hürden oder langsamer Netzausbau verhindern zudem Investitionen in die eigene Erzeugung und variable Tarife.

Das sagen die DMB-Mitglieder 

Die DMB-Jahresumfrage bestätigt die Dringlichkeit: Ein Fünftel der Unternehmen nennt die Senkung der Energiepreise als wichtigste politische Maßnahme.  

Lösungsvorschlag 

Der DMB fordert erstens die dauerhafte Absenkung der Stromsteuer auf EU-Mindestmaß für alle Unternehmen sowie zweitens die staatliche Reduktion der Netzentgelte (ca. 2 Cent/kWh Entlastung) ab 2026. Drittens muss die Strompreiskompensation verlängert und auf produzierende KMU ausgeweitet werden.  

Ergänzende Maßnahmen: Bürokratieabbau im Energie-/Umweltrecht (z. B. Effizienzgesetz), schneller Netzausbau und Smart-Meter-Rollout für variable Tarife und unternehmenseigene Erzeugung.

3.

 Bundesweites Digitalisierungsprogramm mit Fokus auf KI einführen

Das Problem 

Investitionen in die digitale Transformation sind essenziell für die Zukunftsfähigkeit des Mittelstands. Jedoch besitzen besonders kleine und mittlere Unternehmen nur geringe monetäre und personelle Ressourcen, um diese strategisch zu tätigen. Ohne gezielte Unterstützung können weniger kleine Betriebe zu großen, produktiven Unternehmen aufsteigen, die im internationalen Wettbewerb bestehen.

Das sagen die DMB-Mitglieder 

Die DMB-Umfrage macht es klar: Technologie und Digitalisierung sind im Jahr 2026 die Top-Investitionspriorität für 45 Prozent der Mitgliedsunternehmen. Gleichzeitig bremsen Bürokratie, Fachkräftemangel und hohe Anschaffungskosten die Umsetzung bei den Befragten

Lösungsvorschlag 

Der DMB fordert ein unbürokratisches, bundesweites Förderprogramm für KMU, das strategische Investitionen in Hardware sowie Software (insbesondere KI-Anwendungen) bezuschusst. Kleine Unternehmen sollen priorisiert und höhere Fördersätze als große Betriebe erhalten. Flankierend muss das Programm Weiterbildungsunterstützung für Beschäftigte enthalten, um dem MINT-Fachkräftemangel betriebsintern entgegenzuwirken und die Belegschaft fit für die digitale Transformation zu machen.

4.

Bürokratie auf allen Ebenen entschlossen abbauen

Das Problem 

Überbordende Bürokratie bindet Ressourcen und hemmt das Wachstum des Mittelstands. Eine steigende Staatsquote führt zu immer mehr Regulierungen und ineffizienten Verfahren, während private Investitionen leiden. Genehmigungen dauern zu lange, Dokumentationspflichten explodieren – das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit.

Das sagen die DMB-Mitglieder 

Die DMB-Jahresumfrage ist eindeutig: 66 Prozent nennen Bürokratie als größtes Investitionshindernis – vor steuerlicher Belastung oder dem Fachkräftemangel.

Lösungsvorschlag 

Der DMB fordert erstens ein Belastungsmoratorium mit One-in-Two-out-Regel (zwei alte Vorschriften pro Neue streichen) und zweitens einen obligatorischen KMU-Check für Gesetze. Drittens müssen Genehmigungsverfahren durch Digitalisierung und Genehmigungsfiktionen (automatische Erteilung bei Fristversäumnis) beschleunigt werden.  

Weitere konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau finden Sie hier: buerokratie.mittelstandsbund.de

5.

Fachkräftemangel nachhaltig bekämpfen

Das Problem

Der Fachkräftemangel ist kein abstraktes Zukunftsrisiko, sondern ein akutes Investitionshindernis. Fehlende Arbeitskräfte zwingen mittelständische Unternehmen, Aufträge abzulehnen, Kapazitäten ungenutzt zu lassen und Innovationen zu verschieben. Der demografische Wandel verschärft dies weiter: Bis 2028 könnten laut Institut der deutschen Wirtschaft rund 770.000 Arbeitskräfte fehlen. Der Mangel an Arbeitskräften wirkt unmittelbar wachstums- und investitionshemmend.

Das sagen die DMB-Mitglieder

Rund 60 Prozent der DMB-Mitgliedsunternehmen haben bereits heute Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen – auch bei Auszubildenden. Knapp jedes vierte Unternehmen nennt den Fachkräftemangel bereits heute als größtes Investitionshindernis. 

Lösungsvorschlag 

Der DMB fordert erstens, inländische Potenziale zu mobilisieren, indem Arbeitsanreize für Langzeitarbeitslose, Frauen und Ältere gestärkt und Fehlanreize im Steuer- und Transfersystem abgebaut werden. Zweitens eine Offensive für Ausbildung und Weiterbildung: Es ist entscheidend, Jugendliche zu beraten, die duale Ausbildung attraktiver zu gestalten und mittelständische Qualifizierungsmaßnahmen steuerlich zu fördern. Drittens fordert der DMB eine beschleunigte Fachkräftezuwanderung über eine digitale Work-and-Stay-Agentur, die Beratung, Vermittlung und Verwaltung zentralisiert.

6.

Infrastruktur effizient ausbauen

Das Problem 

Marode Infrastruktur und Funklöcher sind 2025 für eine Industrienation inakzeptabel – sie bremsen Wirtschaftstätigkeit, Lieferketten und Standortattraktivität. Langsame Planungs- und Bauprozesse verhindern, dass öffentliche Milliarden wirksam werden und private Investitionen ausgelöst werden.

Das sagen die DMB-Mitglieder 

Die DMB-Umfrage bestätigt: Mängel bei Verkehrswegen, Internet und Mobilfunk sind zentrale Handlungsfelder. Schleppende Planungs- und Genehmigungsverfahren werden von den Befragten in Zusammenhang mit bürokratischer Belastung häufig genannt – Unternehmen fordern dringend Verbesserungen für reibungslose Abläufe.

Lösungsvorschlag 

Der DMB fordert erstens die Umsetzung eines Bund-Länder-Pakts mit Stichtagsregelungen, verbindlichen Fristen und standardisierten Verfahren für alle Infrastrukturprojekte. Zweitens die Priorisierung mittelstandsrelevanter Projekte wie Gewerbeerschließung, Brücken, Güterverkehrskorridore sowie Glasfaser- und 5G-Ausbau. Drittens die vollständige Digitalisierung von Planung, Beteiligung und Vergabe, damit Milliarden schneller wirken und private Investitionen anstoßen. 

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Zum Autor

Benjamin Schöfer

Referent Wirtschaft und Politik

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Benjamin Schöfer

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