02.08.2021

Allgemein

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Wie viel ist mein Unternehmen wert? Diese Frage stellen sich Unternehmer*innen spätestens dann, wenn die eigene Firma verkauft oder an die nachfolgende Generation übergeben werden soll. Die Unternehmensbewertung ist dabei eine zwingend notwendige Grundlage. So zum Beispiel für die Ermittlung des Geschäftsanteils in der Erbmasse oder für die Vorbereitung eines Verkaufs. Doch welche Faktoren beeinflussen den Wert und was können Inhaber*innen eigentlich tun, um ihn zu steigern?

Marcel Krieb weiß, was bei der Unternehmensbewertung zählt. Rund 90 Gutachten erstellt das DMB-Mitglied als neutraler Sachverständiger im Jahr. Seine in der Regel 60 bis 80 Seiten umfassenden Beurteilungen liefern mehr als ein paar nackte Zahlen: Auch eine detaillierte Herleitung und Begründung des ermittelten Wertes ist inkludiert.

Krieb sagt, dass zwar einige Unternehmer*innen den Wert der eigenen Firma recht passend einschätzen, es aber dennoch häufig zu einer deutlichen Diskrepanz zwischen dem erhofften und dem faktischen Wert kommt. Dies liegt mitunter an einer falschen Vorstellung davon, was bei einer Unternehmensbewertung tatsächlich zählt.

Sätze wie „Aber mein Geschäft lief doch so erfolgreich in den letzten Jahren …“, bekommt Krieb immer wieder zu hören. Der Sachverständige weiß, worauf es stattdessen ankommt: „Der Unternehmenswert ist ein Zukunftserfolgswert. Für die Bewertung ist nicht die Vergangenheit wichtig, sondern die Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells".

Unternehmenswert ist nicht gleich Verkaufspreis

Unternehmensbewertungen können sowohl auf Grundlage subjektiver als auch objektivierter Annahmen erstellt werden. Für die Vorgehensweise essentiell ist unter anderem der Bewertungszweck. Der Wert lässt sich dabei mithilfe von wissenschaftlichen Methoden ermitteln. Als maßgeblicher Standard gelten die Richtlinien des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). Das IDW hat mit dem „IDW S1“ einen verbindlichen Leitfaden zur Erstellung von Unternehmensbewertungen herausgegeben. Die gängigsten Verfahren zur Ermittlung des Zukunftserfolgswertes sind das Ertragswert- und das „Discounted Cash Flow“-Verfahren.

Daneben gibt es eine ganze Reihe an Faktoren, die Einfluss auf den Wert haben: so etwa die Branchenzugehörigkeit, die Kunden- oder Lieferantenstruktur, der Investitions- und Modernisierungsbedarf und bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) insbesondere die persönliche Abhängigkeit vom Inhaber oder der Inhaberin. Der ermittelte Unternehmenswert ist aber nicht zwingend einem Verkaufspreis gleichzusetzen. Der finale Preis bzw. Marktwert wird durch subjektive Wertetreiber auf Käufer- und Verkäuferseite beeinflusst. Die Unternehmensbewertung stellt jedoch eine nachvollziehbare und ideale Ausgangbasis für Verhandlungen dar.

Planung ist das A und O

Experte Krieb rät, „sich möglichst frühzeitig mit dem Thema Unternehmensbewertung auseinanderzusetzen, um nicht blind in einen Verkaufs- oder Nachfolgeprozess zu starten“. Wichtig ist dabei, sich frühestmöglich und intensiv mit der Frage zu beschäftigen, wie die Firma in Zukunft weitergeführt werden soll. Diese Ziele müssen dann mit einer konkreten Planung verbunden werden. Hier sieht Krieb vielerorts allerdings Nachholbedarf: „In vielen KMU liegt lediglich eine unzureichende Planung vor, die nicht die notwendigen Anforderungen erfüllt. Planung ist jedoch bei der Bewertung ein, wenn nicht sogar der entscheidende Faktor.