04.12.2025
„Gute Beratung erkennt man nicht an PowerPoint-Folien" – Gespräch mit Christian Moldenhauer
Komplexe Märkte, neue Technologien, Fachkräftemangel – Mittelständler müssen heute schneller entscheiden und klüger investieren als je zuvor. Doch Investitionen in Maschinen oder Software greifen nur, wenn die strategische Richtung stimmt. Genau hier setzt expertpowerhouse an: Das Beratungsnetzwerk bringt internationale Expertise und Kapazitäten gezielt in mittelständische Projekte ein. Wir sprechen mit Gründer und Geschäftsführer Christian Moldenhauer darüber, warum gute Beratung heute wichtiger denn je ist.

“Beratung kann sehr viel bewegen, aber sie entfaltet ihre Wirkung eben nur dann, wenn die Ziele klar definiert sind. Dazu gehört auch ein präzises Verständnis, ob man vor allem zusätzliche Kapazitäten oder Nischen-Expertise benötigt.”
Christian Moldenhauer, CEO, Expertpowerhouse
DMB: Viele Mittelständler zögern derzeit mit Investitionen. Warum lohnt es sich gerade jetzt, in gute Beratung zu investieren?
Christian Moldenhauer: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten zahlt sich professionelle Beratung besonders aus. Aus unseren Gesprächen mit Industriekunden und Beratungen sehen wir klar, dass Wachstum, Kostendisziplin und der gezielte Einsatz von Technologie quasi weltweit ganz oben auf der Agenda von Führungskräften stehen. Auch in Deutschland. Das bestätigen zudem aktuelle Studien wie die Oliver Wyman CEO Agenda 2025 und die Gartner CEO Priorities 2024–2025. Für die meisten CEOs bleibt Wachstum 2025 trotz aller Herausforderungen zentral, zugleich gewinnen Kostenmanagement und finanzielle Exzellenz stark an Bedeutung. Die Botschaft ist dabei eindeutig. Wer heute in Effizienz, Transformation und Technologie investiert, legt die Grundlage für nachhaltiges Wachstum.
Gute Beratung leistet genau das. Sie hilft, Chancen zu identifizieren, Prozesse zu verbessern und Projekte schneller sowie effizienter umzusetzen. Das ist kein Luxus, sondern ein echter Beschleuniger. Gerade dann, wenn Unternehmen komplexe Entscheidungen treffen müssen.
Was macht „gute Beratung“ eigentlich aus?
Gute Beratung erkennt man nicht an PowerPoint-Folien, sondern am nachhaltigen Nutzen. Sie liefert klare Ergebnisse, echte Umsetzungsstärke und eine messbare Wirkung.
Für mich bedeutet gute Beratung, dass strategisches Denken mit praktischer Erfahrung kombiniert wird. Die besten Beraterinnen und Berater haben selbst operative Verantwortung getragen, kennen die Unternehmensrealität und bringen das nötige Maß an Pragmatismus mit.
Bei expertpowerhouse arbeiten wir mit ausschließlich mit erfahrenen Freelance-Consultants, Interim Managern und Fachexperten. Menschen, die wirklich etwas bewegen. Gute Beratung ist heute flexibel, technologieaffin und konsequent auf Ergebnisse ausgerichtet.

Mittelständler empfinden Beratung oft als teuer oder ineffizient. Woher kommt dieses Image – und wie begegnet man solchen Argumenten?
Dieses Image hat historische Wurzeln. Viele Unternehmen denken bei Beratung noch an große Teams, lange Projektlaufzeiten und hohe Tagessätze. Das sind alte Modelle, die früher ganze Beratungspyramiden finanzieren mussten und entsprechend teuer waren.
Klassische Beratungsansätze basieren fast ausschließlich auf Vollzeit-Projekten. Heute funktioniert Beratung aber auch „fractional“, also zeitlich flexibel und bedarfsgerecht. Unternehmen können genau die Expertise einkaufen, die sie brauchen. Sei es ein fractional Project Management Office (PMO), Business Analysten oder spezialisierte Fachkräfte aus Einkauf, Finanzen, IT oder HR, um Engpässe zu überbrücken oder Spezialwissen punktgenau einzusetzen.
Viele Mittelständler kennen diese modernen Modelle noch nicht, dabei bieten sie erhebliche Effizienzvorteile: weniger Fixkosten, mehr Flexibilität und dennoch Top-Expertise. Unser Ansatz ist deshalb immer „on demand“, also individuell, transparent und mit eindeutigem Mehrwert.
Welche Beratungsfelder sind bei Ihnen aktuell besonders stark nachgefragt – und warum?
Besonders stark nachgefragt sind aktuell beispielsweise Themen rund um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Viele Unternehmen erkennen inzwischen konkret, welchen wirtschaftlichen Nutzen KI bringen kann, und suchen Unterstützung, um diese Potenziale praxisnah zu heben und echte Kosteneffekte zu erzielen. Gleichzeitig bleiben klassische Digitalisierungsprojekte wie ERP-Transformationen oder End-to-End-Prozessoptimierungen ein zentrales Feld.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich Kostentransformation und operativer Exzellenz. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten wollen viele Organisationen ihre Strukturen verschlanken und effizienter aufstellen, ohne die Innovationsfähigkeit zu verlieren. Gefragt sind hier sowohl spezialisierte Fachprofile als auch Projektmanagement-Kapazitäten, die Initiativen beschleunigen und sicher zum Erfolg führen.
Auch die finanzielle Steuerung gewinnt stark an Bedeutung. Themen wie Pricing, leistungsfähige KPI-Systeme oder Working-Capital-Optimierung stehen hoch im Kurs, weil sie unmittelbar auf Profitabilität und Steuerungsfähigkeit einzahlen.
Also kurz zusammengefasst, Wachstum ermöglichen, Kosten im Griff behalten und Technologie intelligent nutzen, darauf setzen gerade viele CEOs und das merken wir in der Beratung.
Was empfehlen Sie DMB-Mitgliedern, die über Beratung nachdenken?
Entscheidend ist, dass Unternehmen von Anfang an wissen, was sie erreichen wollen. Beratung kann sehr viel bewegen, aber sie entfaltet ihre Wirkung eben nur dann, wenn die Ziele klar definiert sind. Dazu gehört auch ein präzises Verständnis, ob man vor allem zusätzliche Kapazitäten oder Nischen-Expertise benötigt. Geht es um zusätzliche Kapazitäten für Projektmanagement oder gar ein PMO, das operative Arbeit auffängt? Oder ist spezialisierte Nischen-Expertise gefragt, zum Beispiel für Pricing-Fragen bei neuen Geschäftsmodellen oder für den Aufbau von KPI und Zielsystemen?
Wenn das geklärt ist, lässt sich gezielt die richtige Beraterin oder der passende Berater auswählen, statt eine große Organisation mit standardisierten Ansätzen zu beauftragen. Sinnvoll ist es, den Fokus sauber zu setzen und klein zu starten, Expertise sehr gezielt einzubinden und gleichzeitig sicherzustellen, dass intern genügend Kapazität für die aktive Projektsteuerung vorhanden ist. Nur so lassen sich externe Kompetenzen wirklich in der eigenen Organisation verankern.
Mein Rat ist, die Flexibilität moderner Beratungsmodelle bewusst zu nutzen. Die besten Projekte entwickeln sich organisch weiter und wachsen im Erfolgsfall gemeinsam mit dem Unternehmen.
Können Sie ein Beispiel nennen, wo sich eine Investition in Beratung konkret ausgezahlt hat?
Ein mittelständischer Industriekunde kam mit der Aufgabe zu uns, seine Preisstrategie zu modernisieren. Gemeinsam mit einem sehr erfahrenen Freelance-Consultant, der zuvor als Pricing Director in einem DAX-Unternehmen tätig war, entwickelten wir innerhalb von acht Wochen ein neues Pricing-Modell inklusive PowerBI-Umsetzung. Das Ergebnis war eindeutig: Die Marge stieg um mehr als zwölf Prozent. Das Projekt war zielgerichtet, effizient und schnell. Es gab kein großes Beraterteam, sondern ein Experte, der die Sprache des Kunden sprach und genau wusste, wie man Ergebnisse erzielt. Für mich zeigt dieses Beispiel sehr klar, wohin sich Beratung entwickelt.
Ein weiteres Projekt führte eine Einkaufsberaterin für sechs Wochen Vollzeit zu einem Lebensmittelhändler. Gemeinsam mit dem bestehenden Einkaufsteam analysierte sie sämtliche relevanten Lieferantenverträge und identifizierte Einsparpotenziale von über sechs Millionen Euro. Nach dieser intensiven Phase blieb sie für weitere zwölf Wochen mit einem Tag pro Woche als Sparringspartnerin an Bord, unterstützte bei der Umsetzung, bereitete Verhandlungen vor und verfolgte die Fortschritte strukturiert nach. Auch hier zeigt sich meines Erachtens gut, wie moderne Beratung funktioniert. Sie ist klar definiert, fokussiert, pragmatisch. Und Sie liefert messbare Ergebnisse, die schnell wirksam werden.
DMB: Wie hat sich die Nachfrage nach Beratung in den letzten Jahren verändert?
Wir beobachten eine deutliche Professionalisierung und Segmentierung. Unternehmen wissen heute wesentlich genauer, was sie wollen und was sie nicht brauchen. Klassische Themen wie Strategie oder Reorganisation gehören inzwischen zum Standard. Neu ist die stark gestiegene Nachfrage nach technologiegetriebenen und datenbasierten Lösungen, nach mehr Flexibilität und schnellen Umsetzungszyklen. Besonders projektbasierte, spezialisierte Beratungsmodelle gewinnen an Bedeutung, weil sie Wirkung und Wirtschaftlichkeit optimal verbinden.
Was raten Sie mittelständischen Unternehmen, die unsicher sind, ob sich Beratung für sie lohnt?
Beratung ist kein Selbstzweck, sondern ein Hebel. Wenn das richtige Thema mit einem klaren Ziel verknüpft ist, lohnt sich Beratung in den meisten Fällen. Wer zu lange abwartet, riskiert, dass Wettbewerber schneller lernen, schneller digitalisieren und ihre Kostenstrukturen eher optimieren. Gute Beratung schafft Sicherheit, spart Zeit und eröffnet neue Möglichkeiten. Zögern ist am Ende teurer als Beratung.
Vielen Dank für das Gespräch!

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