01.11.1990

Wenn sich Digitalisierung rechnet

Effizienzgewinne im Finanzwesen des Mittelstands

Ob E-Rechnung, Bezahlterminal oder Finanzsoftware – der Mittelstand steht an einem Wendepunkt. Digitale Finanzprozesse schaffen Effizienz, Transparenz und Freiräume für das Wesentliche. Die aktuelle Studie der Partnerschaft für Finanzdigitalisierung macht deutlich, wie sich diese Potenziale konkret auszahlen – und welche Hürden Unternehmen noch bremsen.

Finanzdigitalisierung im Mittelstand: Fortschritt mit Potenzial

Der deutsche Mittelstand steht aufgrund von steigenden Kundenansprüchen, Fachkräftemangel und neuen, digital basierten Geschäftsmodellen zwar unter wachsendem Digitalisierungsdruck, hat im Finanzbereich jedoch bereits beachtliche Fortschritte erzielt: Mit einem Digitalisierungsgrad von 82 Prozent sind viele KMU hier deutlich weiter als in anderen Unternehmensbereichen.

Digitalisierungsgrad von Unternehmensbereichen im deutschen Mittelstand

Balkendiagramm

Frage: “Welche Bereiche Ihres Unternehmens sind wie stark digitalisiert?”, n=201

Besonders verbreitet sind digitale Geschäftskonten (86 %) und Finanzverwaltungssoftware (73 %), während Bezahlterminals und E-Rechnungen noch deutlich hinterherhinken. Gerade diese Technologien bergen jedoch ein enormes Potenzial: Sie ermöglichen automatisierte Abläufe, schaffen die Basis für eine durchgängige digitale Verarbeitung von Finanzdaten und entlasten so die Mitarbeitenden spürbar. Im Rahmen der Studie „Wenn sich Digitalisierung rechnet – Potenziale der Digitalisierung von Finanzprozessen im deutschen Mittelstand“ der Partnerschaft der Finanzdigitalisierung, der auch der DMB angehört, wurden diese Potenziale durch eine Befragung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie einer Berechnung der Einsparpotenziale ausgearbeitet. 

Über die Partnerschaft für Finanzdigitalisierung

Die Partnerschaft für Finanzdigitalisierung wurde ins Leben gerufen, um die digitale Transformation im Finanzbereich des Mittelstands gezielt zu fördern und damit die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu stärken. Hinter der Initiative stehen Visa, der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB), SAP und die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Hürden der Finanzdigitalisierung zu identifizieren, praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln und so kleinen und mittleren Unternehmen den Weg in eine digital vernetzte Finanzwelt zu erleichtern. Die Partnerschaft initiiert Studien, Veranstaltungen und Praxisdialoge, um die Finanzdigitalisierung im Mittelstand messbar voranzubringen.
 

E-Rechnung: Milliardeneinsparpotenzial durch digitale Prozesse

Die Studie zeigt deutlich, welches Potenzial in der Einführung der E-Rechnung steckt: Würden alle Eingangsrechnungen im Mittelstand in einem direkt verarbeitbaren E-Rechnungsformat eingehen, könnten jährlich rund 3,4 Milliarden Euro an Lohnkosten eingespart und etwa 9,2 Millionen Arbeitsstunden pro Monat freigesetzt werden. 

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Einsparpotenzial Lohnkosten p. a.

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Einsparpotenzial Arbeitsstunden mtl.

Neben diesen Effizienzgewinnen bietet die E-Rechnung auch indirekte Vorteile, etwa durch eine bessere Einhaltung regulatorischer Vorgaben und eine höhere Qualitätssicherung – ein Argument, das rund 70 Prozent der befragten Unternehmen als zentralen Treiber ihrer Finanzdigitalisierung nennen. Auch die Zusammenarbeit mit Kunden, Lieferanten und Steuerberatern verbessert sich laut 61 Prozent der KMU spürbar. Trotz dieser klaren Vorteile steckt die E-Rechnung jedoch noch in den Anfängen: Zwar nutzen bereits etwa 60 Prozent der Unternehmen sie teilweise oder vollständig, doch Papier- und PDF-Rechnungen sind trotz der seit dem 1. Januar 2025 vorherrschenden Pflicht zur E-Rechnung weiterhin präsent – E-Rechnungen machen bislang nur rund 20 Prozent aller Eingangsrechnungen aus. Damit wird deutlich, dass gerade hier noch erhebliches Potenzial für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit im Mittelstand besteht. 

Digitale Bezahlterminals als Wettbewerbsfaktor

Neben der Rechnungsverarbeitung spielt auch der Zahlungsverkehr eine zentrale Rolle. Im Bereich der digitalen Zahlungseingänge zeigt sich der Mittelstand zunehmend offen für neue Lösungen. Der Anteil der Unternehmen, die Kartenzahlungen akzeptieren, ist zwischen 2021 und 2023 deutlich gestiegen – von 61 auf 81 Prozent. Dennoch wird über ein Drittel aller Zahlungen weiterhin bar abgewickelt, und mit einem Digitalisierungsgrad von rund 50 Prozent liegen Kundenzahlungen noch deutlich hinter anderen Finanzprozessen zurück.

Die größten Vorteile digitaler Bezahlterminals liegen weniger in der Zeitersparnis an der Kasse, sondern in den indirekten Effekten: weniger Aufwand beim Bargeldhandling, bis zu 40 Prozent Zeitersparnis beim Kassenabschluss, eine geringere Diebstahlgefahr und effizientere interne Abläufe. Zudem profitieren Unternehmen von einer höheren Kundenzufriedenheit – rund 60 Prozent der Verbraucher bevorzugen bargeldlose Zahlungen, und jeder fünfte Kunde bricht einen Kauf ab, wenn keine Kartenzahlung möglich ist.

Damit wird deutlich: Bezahlterminals sind längst ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Sie steigern Effizienz, Sicherheit und Kundenzufriedenheit zugleich und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des deutschen Mittelstands.

Hürden der Finanzdigitalisierung

Trotz erkennbarer Vorteile stoßen viele Mittelständler bei der weiteren Digitalisierung auf deutliche Hürden. Hohe Investitions- und Umstellungskosten werden von rund 40 Prozent der Unternehmen als größtes Hindernis genannt. Zwar mangelt es weder an Bewusstsein noch an Veränderungsbereitschaft, doch technische Kompatibilitätsprobleme, fehlendes Vertrauen in digitale Systeme und rechtliche Unsicherheiten bremsen den Fortschritt. Besonders kleinere Betriebe zweifeln am wirtschaftlichen Nutzen und sehen sich durch die Abhängigkeit von analogen Geschäftspartnern eingeschränkt. Damit wird deutlich: Die Herausforderungen liegen weniger im Wollen als im finanziellen und technischen Können.

Veranstaltung: Effizienzgewinne durch Finanzdigitalisierung im deutschen Mittelstand

Um die Ergebnisse der Studie vorzustellen und gemeinsam darüber zu diskutieren, wie die Finanzdigitalisierung im Mittelstand weiter vorangetrieben werden kann, lud die Partnerschaft für Finanzdigitalisierung am 4. November 2025 zur Abendveranstaltung „Effizienzgewinne durch Finanzdigitalisierung im deutschen Mittelstand“ ins Basecamp Berlin ein. Ab 18:30 Uhr erwartete die Gäste ein abwechslungsreiches Programm mit spannenden Einblicken aus Forschung, Wirtschaft und Praxis. Nach der Begrüßung und der Vorstellung der Partnerschaft präsentierte Dr. Henry Goecke (IW Consult) die zentralen Studienergebnisse. Im Anschluss boten Praxisberichte, unter anderem von Lukas Gottschick (Pliant), ein Interview von DMB-Referent Benjamin Schöfer mit DMB-Mitglied André von Bargen (CEO bei Wiko Technik ) sowie eine Paneldiskussion mit André Dehm (Visa), dem Leiter Public Affairs beim DMB Matthais Bianchi, Lukas Gottschick (Pliant), moderiert von Robert Delille (Visa), Raum für Austausch und Diskussion.

Beim anschließenden Get-Together mit Food & Drinks nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit zum Networking und vertieften den Dialog rund um die Chancen und Herausforderungen der Finanzdigitalisierung. Die Veranstaltung machte deutlich: Die Potenziale digitaler Finanzprozesse im Mittelstand sind groß – doch ihr Erfolg hängt von Zusammenarbeit, Austausch und gemeinsamer Gestaltung ab.

  • Zur Methodik der Studie

    Die Studie basiert auf einer repräsentativen CATI-Befragung von 201 kleinen und mittleren Unternehmen aus Industrie und Dienstleistung, durchgeführt im April und Mai 2025. Erfasst wurden der Digitalisierungsgrad, die Umsetzung von E-Rechnungen und Zahlungsprozessen sowie Beweggründe und Hürden der Finanzdigitalisierung. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden die Einsparpotenziale durch Zeitdifferenzen bei der Rechnungsbearbeitung berechnet und mithilfe durchschnittlicher Lohnkosten im Rechnungswesen auf den gesamten Mittelstand hochgerechnet.

    Die ausführliche Beschreibung der Methodik finden Sie im Bericht auf Seite 26.