03.12.2020Interview

Digitale Weiterbildung: Interview mit Aaron Overmeyer

Beitragsserie: Zukunftsfähig mit digitalen Technologien?

Teil VII:  Digitale Plattformen | Overmeyer: „Digitales Lernen hilft, die Theorie zu lernen, geht aber auch in die Praxis rein.“

Aaron Overmeyer, Mitgründer und Geschäftsführer der IND.ACADEMY, hat im Rahmen der DMB-Beitragsserie „Zukunftsfähigkeit durch digitale Technologien“ über digitale Weiterbildung im Mittelstand gesprochen. Dabei begründet er nicht nur die Relevanz des digitalen Lernens, sondern erklärt auch, warum ein Blended-Learning-Ansatz gerade in der Industrie und im produzierenden Gewerbe sinnvoll ist. Mit seiner Online-Plattform IND.ACADEMY leistet er einen wichtigen Beitrag, um den Mittelstand durch digitale Technologien zukunftsfähig zu machen.


DMB: Sehr geehrter Herr Overmeyer, Sie sind Mitgründer und Geschäftsführer der IND.ACADEMY. Stellen Sie sich doch einmal kurz vor und verraten Sie uns, was die IND.ACADAMY ist.

Overmeyer: Mein Name ist Aaron Overmeyer, ich bin einer der vier Gründer der IND.ACADEMY und darf seit April 2020 auch geschäftsführend tätig sein. Ursprünglich komme ich aus der Medienproduktion. Ich habe nach dem Studium selbst ein Unternehmen für Medienproduktion gegründet, aufgebaut und dann nach fünf Jahren abgegeben. Bereits damals waren wir im Industriekontext unterwegs.

Die IND.ACADAMEY ist eine Plattform für digitales Lernen mit einem Fokus auf den technischen Bereich. Unser Ziel ist es, Anbieter und Nachfrager von Lerninhalten auf einer Plattform zusammen zu bringen und enger zu vernetzen. Wir sind ein Joint-Venture zwischen dem Company Builder mantro aus München und dem Elektro-Champion Phoenix Contact und streben mit IND.ACADEMY eine Branchenlösung an. Das heißt, wir wollen eine Lösung schaffen, von der Industrie für die Industrie. Wir haben uns als Ziel gesetzt, eine neutrale Plattform für digitale Lerninhalte zu werden. Wir laden also jeden Beteiligten der Industrie herzlich ein, bei der Plattform oder der IND.ACADEMY mitzumachen und so letztendlich digitales Lernen für technische Bereiche nach vorne zu bringen und für mehr Unternehmen zugänglich zu machen.


Warum ist das Thema „digitale Weiterbildung“ für den Mittelstand überhaupt von Relevanz?

Wir glauben, und haben im letzten Jahr auch beobachtet, dass digitale Weiterbildung immer wichtiger wird. Und zwar in allen Unternehmen. Durch unsere Erfahrung mit der Industrie haben wir erkannt, dass es für digitale Weiterbildung gerade im technischen Bereich einen großen Bedarf gibt.  Die Weiterbildung in diesem Bereich ist noch sehr präsenz-lastig und das ist auch vollkommen in Ordnung.  Wir sind nicht gegen Präsenz, im Gegenteil, wir sind überzeugt, dass ein gesunder Mix sinnvoll ist. Aber vor allem sind wir überzeugt, dass – und das haben auch die letzten Monate gezeigt – viel mehr digital möglich ist als bisher.  Teams- Meetings, GoToWebinar et cetera, jeder kennt sich mittlerweile damit aus und weiß, wie es funktioniert.

Alles, was vor Corona noch sehr zäh war, hat jetzt noch einen Push bekommen. Ich glaube, digitales Lernen kann in sehr vielen Bereichen sehr hilfreich sein. Auch im Mittelstand, beispielsweise beim Onboarding, generell in der internen oder externen Wissensvermittlung oder beim Vertriebssupport. Von daher glauben wir, dass es auch für mittelständische Unternehmen absolut sinnvoll ist, dass nicht nur digitales Lernen, sondern vor allem auch On-Demand Lernen populärer wird.

Zudem leben Mitarbeiter mit digitalem Lernen die Digitalisierung. Digitalisierung ist auch immer eine “Mammutaufgabe”, viele Leute haben Angst davor. Wenn ich vom Laptop, vom Tablet oder vom Smartphone aus im Betrieb lerne, ist das ein Teil der Digitalisierung. Und wir glauben, dass gerade bei mittelständischen Unternehmen häufig die Strukturen so angelegt sind, dass eine hohe Flexibilität vorhanden ist, ebensolche neuen Wege zu gehen. Wenn der Wille da ist, kann das eine Riesenchance sein!


IND.ACADAMY richtet sich ganz spezifisch an Industrie und produzierendes Gewerbe, richtig?

Genau! Digitale Weiterbildungsangebote zu den sogenannten “Soft Skills” gibt es einfach schon sehr, sehr viele und da sind auch viele gute Angebote inzwischen dabei.  Deshalb richten wir uns im ersten Schritt vor allem an Industriebetriebe, an produzierende Betriebe. Es können aber auch Unternehmen sein, die nicht klassisch “die Industrie” sind. Ich denke da zum Beispiel an Werkstätten oder Tankstellen, wo Mitarbeiter letztendlich auch ähnliche Kompetenzen und Inhalte brauchen. Unser Anspruch ist, zu sagen: Wobei können wir helfen, um Unternehmen und Mitarbeiter bei technischer Weiterbildung voran zu bringen?


Weiterbildung in Industrie und im produzierenden Gewerbe ist meist sehr praxisorientiert, die Hands-on-Mentalität wird großgeschrieben. Welche Vorteile und welche Nachteile ergeben sich durch digitale Weiterbildungsmodelle für Ihre Zielgruppen?

Erstmal finde ich es super, dass Sie sowohl nach den Vor- als auch nach den Nachteilen fragen. Schließlich ist digitale Weiterbildung nicht der Heilige Gral, sondern ein gesunder Mix. Also der sogenannte Blended-Learning-Ansatz.

Zu Beginn haben wir uns nicht nur im Markt umgehört, sondern uns vor allem auch mit kleinen und mittelständischen Unternehmen unterhalten. Dabei haben wir gemerkt, wie verankert und wie wichtig Präsenz ist. Manchmal muss man einfach an die Maschine, manchmal muss man einfach was anfassen können. Da reicht reines digitales Lernen nicht. Wir sind aber überzeugt, dass digitales Lernen durchaus sehr hilfreich und unterstützend ist.

Digitales Lernen hilft beispielsweise dabei, die Theorie zu lernen, geht aber auch schon in die Praxis mit rein. Dank AugmentedReality gibt es zum Beispiel faszinierende Möglichkeiten, wie man die Theorie in die Praxis umsetzen kann.

Ein großer Vorteil des digitalen Lernens ist, das es zeit- und ortsunabhängig stattfindet. Das heißt, ich spare mir den Weg, ich muss weder Unterbringungs- noch Reisekosten zahlen und ich kann über das Jahr hinweg viel kontinuierlicher lernen. Ich verbringe nicht mehr ein oder zwei Wochen im Jahr auf Fortbildungen, sondern kann gezielt und regelmäßig über das Jahr verteilt lernen. Wir vergleichen das immer mit einem Fitnessstudio: Trainiere ich jeden Tag 20 Minuten statt zwei Mal im Jahr für je eine Woche, bin ich effektiver! 


Sind Ihre digitalen Weiterbildungsangebote zertifiziert? Sie kooperieren schließlich mit etablierten Anbietern für die Weiterbildung von Mitarbeitern in der Industrie und dem Handwerk.

Genau! Unser Ansatzpunkt ist folgender: Wir können Technologie gut, andere können Weiterbildung gut! Deswegen war von Anfang an unser Ziel, Weiterbildungsinstitute, aber auch Unternehmen, die selbst Weiterbildungsinitiativen haben, auf die Plattform zu holen. Wir wissen über jeden Inhalt Bescheid, der auf unserer Plattform ist und prüfen diesen anhand unseres Qualitätsmanagements.

Jeder Teilnehmer, der Inhalte erfolgreich abgeschlossen hat, erhält eine Teilnahmebestätigungen von der IND.ACADEMY. Handelt es sich um Partnerinhalte inklusive Zertifizierungen, wie sie beispielsweise der TÜV SÜD bei uns anbietet, erhalten Teilnehmer selbstverständlich auch diese Zertifizierung.


Unsere Beitragsserie läuft unter dem Begriff der Zukunftsfähigkeit. Welchen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit mittelständischer Unternehmen kann eine digitale Weiterbildungsplattform wie IND.ACADEMY leisten?

Das ist ein super Thema! Wir haben festgestellt, dass sich sowohl Jobanforderungen als auch Profile immer schneller verändern. Auf diese Änderungen kann digitales Lernen aus unserer Sicht gezielt einwirken, da es hochflexibel ist. Nehmen wir an, Sie müssen eine neue Fähigkeit erlernen, da ihr Jobprofil erweitert wird. An dieser Stelle kann digitales Lernen absolut zukunftsfähig unterstützen.

Aktuell erschließen wir mit der IND.ACADEMY das Vertical Elektrifizierung. Thema hier: Wie können Unternehmen in Zukunft klimaneutral produzieren? Zu diesem Bereich gehört beispielsweise auch die Elektromobilität. Unser Ziel ist, zukunftsorientierte Themen zu erschließen und zu beurteilen, was die Industrie für Inhalte auf diesem Gebiet benötigt, welche es schon gibt - und welche vielleicht noch nicht. So können wir uns schließlich entsprechende Partner suchen, mit denen wir gemeinsam die Themen auf IND.ACADEMY teilen können.


Sie hatten vorhin über die wegfallenden Unterbringungs- und Reisekosten gesprochen. Kommen wir einmal auf das Kostenthema zurück. Kann man pauschal sagen, dass digitale Weiterbildung kostengünstiger als klassische ist?

Wir haben folgende Beobachtung gemacht: Präsenzveranstaltungen finden derzeit durch Corona online statt, die Umsetzung erfolgt meist 1:1. Ein achtstündiger Kurs, der vorher als Präsenzveranstaltung stattfand, findet nun genauso lang online statt. Häufig auch zur gleichen Preisstruktur.

Beim On-Demand Training haben wir den Vorteil, dass es skalierbar ist, wenn ich es einmal produziert habe. Das heißt, ich kann es natürlich zu günstigeren Preisen anbieten, weil ich mehr Leute erreiche.

Die Preisstruktur auf unserer Seite variiert derzeit zwischen 20 und 150 Euro, wobei das auch immer auf das Thema ankommt und stark variieren kann. Generell haben wir uns bei IND.ACADEMY für einen Pay-Per-Use-Ansatz entschieden. Wir haben intensiv mit mittelständischen Unternehmen gesprochen und erfahren, dass sie ihr Weiterbildungsbudget häufig gar nicht so weit im Voraus festlegen. Das heißt, für sie wäre eine Lösung hilfreich, bei der sie wirklich nur für das bezahlen, was ihre Mitarbeiter am Ende auch lernen. 


Über welche Kanäle können sich unsere Mitglieder über die IND.ACADEMY am besten informieren? Und wie können sie Kontakt aufnehmen?

Am besten über unsere Website: www.ind.academy. Dort können Interessenten entweder über ein Kontaktformular oder über die angegebene Telefonnummer mit uns in Verbindung treten. Man kann sich auch kostenlos registrieren und auf der Website umschauen. Kosten entstehen erst beim Buchen von Inhalten. Wer möchte, kann uns auch gerne über LinkedIn kontaktieren.

Gerade als junges Unternehmen ist es für uns spannend, zu erfahren, was für Lösungen Unternehmen suchen. Wir freuen uns immer über Feedback und über jeden, der Kontakt zu uns aufnimmt!


Herr Overmeyer, vielen Dank für das Gespräch!

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