07.10.2019Fachbeitrag

Die Niederlande: Geographische und wirtschaftliche Grundlagen

Die räumliche Nähe zum Nachbarland macht Deutschland zum Hauptimporteur der Niederlande.

 

Das Königreich der Niederlande ist die fünftgrößte Exportnation der Welt und liegt mit einem jährlichen Exportvolumen von rund 613 Milliarden € im Jahr 2018[1] nur knapp hinter der viertplatzierten Nation Japan. Die geographische Lage und die traditionell engen Verbindungen zu internationalen Märkten machen das Land an der Nordsee zu einer Hauptader im globalen Warenverkehr.


Geographische Lage

Die geographische Lage der Niederlande mit Angrenzung im Osten an Deutschland, im Süden an Belgien und im Westen an die Nordsee erzeugt eine hohe Sogwirkung im internationalen Handel. Europas größter Hafen in Rotterdam ist das Einfallstor für viele angelieferte Waren, die in alle Richtungen des europäischen Kontinents weitertransportiert werden. Im Jahr 2018 betrug der Güterumschlag des Hafens 468.9 Millionen Tonnen[2] und fällt damit höher aus als an allen deutschen Seehäfen zusammen.

Insgesamt leben 17,2 Millionen Menschen in den Niederlanden (Stand: September 2018)[3]. Seit dem 1. Januar 1986 ist die Niederlande in zwölf Provinzen unterteilt und zusätzlich in Regionen übergeordnet zusammengefasst. Die Metropolregion Randstad umfasst das Gebiet zwischen den vier Großstädten Den Haag, Rotterdam, Utrecht und Amsterdam und wird als der Motor der niederländischen Wirtschaft bezeichnet. In der Randstad leben ungefähr 8 Millionen Menschen und damit über 40 Prozent der niederländischen Bevölkerung.[4]


Standortvorteile

Der Wirtschaftsstandort Niederlande kennzeichnet sich durch eine leistungsfähige Infrastruktur, unternehmerfreundlichen Genehmigungsverfahren und günstigen rechtlichen Rahmenbedingungen sowie durch eine aufgeschlossene Steuergesetzgebung gegenüber ausländischen Unternehmen. Darüber hinaus punkten die Niederlande mit einer guten Logistik, zum Teil kostengünstigen gewerblichen Immobilien und mehrsprachigen und flexiblen Arbeitskräften. In den Niederlanden fällt die Steuer- und Sozialabgabenlast für Arbeitnehmer laut OECD deutlich geringer aus als in Deutschland. So lag im Königreich zum Beispiel der Anteil von Steuern und Sozialabgaben an den Arbeitskosten für alleinstehende Durchschnittsverdiener 2018 bei 37,7 Prozent. In Deutschland lag dieser Wert im gleichen Jahr bei 49,5 Prozent.[5]


Wirtschaftssektoren

Die wichtigsten Wirtschaftszweige der Niederlande sind Landwirtschaft und Fischerei, verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe und Dienstleistungen. Der Dienstleistungssektor ist mit Abstand der wichtigste Zweig und beschäftigt mehr als zwei Drittel aller niederländischen Erwerbstätigen.[6] Großen Einfluss auf diese Zahl haben die Finanzdienstleistungsunternehmen in den Niederlanden, die beiden großen Häfen in Rotterdam und Amsterdam und der Flughafen Schiphol in Amsterdam.

Der Landwirtschafts- und Fischereisektor macht zwar nur rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, jedoch sind die Niederlande weltweit der zweitgrößte Agrarexporteur hinter den Vereinigten Staaten von Amerika.[7] Landwirtschaftliche Exporte haben einen Anteil von etwa 20 Prozent an den gesamten Ausfuhren. Da die Bevölkerungsdichte mit 411 Einwohnern pro Quadratkilometer (im Jahr 2017)[8] im internationalen Vergleich (in Deutschland im Jahr 2017 226 Einwohner /km2) auf einem kleinen Raum sehr hoch ist, ist das Land darauf angewiesen das Maximum aus der eigenen Fläche herauszuholen. Deswegen wird vermehrt in Innovationen und Forschung investiert, was die Niederlande schon jetzt zu einem der modernsten Länder in der Landwirtschaftstechnik macht.

Im verarbeitenden Gewerbe ist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie die größte Sparte. Ca. 70 Prozent der hier produzierten Waren werden exportiert. Weiterhin sind die Chemie- und Pharmaindustrie und Ölraffinerien wichtige Industriesektoren. Auch der Maschinenbau im Land ist stark exportabhängig und beinhaltet viele hochspezialisierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Mit einem Anteil von 1,5 Prozent am BIP ist die Branche eine wichtige Sparte der Industrie.[9]


Import und Export

Einem Wert von 613 Milliarden Euro Exportumsatz stehen rund 547 Milliarden Euro Umsatz im Importgeschäft zu Buche.[10] Das Hauptlieferland war im Jahr 2017 mit 18,5 Prozent der Gesamteinfuhr Deutschland. Die Niederlande importierten im Jahr 2018 Waren im Wert von 91 Mrd. Euro aus Deutschland. Hauptimporte aus dem Nachbarland waren Maschinenbauerzeugnisse, chemische Erzeugnisse und verschiedene Fertigwaren. Auch als Hauptabnehmerland führt Deutschland mit 21,9 Prozent die Statistik der wichtigsten Exportländer an.[11] Das Königreich lieferte Waren im Wert von rund 98 Mrd. Euro nach Deutschland. Die wichtigsten Exportgüter nach Deutschland waren chemische Erzeugnisse, mineralische Brennstoffe und Schmiermittel sowie Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge.  Beide Länder sind ohne Frage wirtschaftlich aber auch kulturell sehr eng miteinander verbunden. Im nächsten Beitrag dieser Serie werden die kulturellen Besonderheiten der Niederlande beschrieben und einige Tipps genannt, die Unternehmer beachten sollten, wenn geschäftliche Gespräche mit Niederländern bevorstehen.


Fazit

Die Niederlande und Deutschland sind wirtschaftlich bereits eng miteinander verwoben. Die räumliche Nähe macht es für deutsche Unternehmen besonders attraktiv in Geschäfte im Nachbarland zu investieren. Die kulturellen Gemeinsamkeiten beider Länder vereinfachen die Zusammenarbeit zusätzlich. Trotzdem existieren kulturelle aber auch viele rechtliche Besonderheiten im benachbarten Königreich, die bei geschäftlichen Tätigkeiten zu beachten sind. Im weiteren Verlauf der Beitragsserie werden die wichtigsten Merkmale für einen erfolgreichen Markteinstieg in den Niederlanden beleuchtet.
 

Quellen

[1]  https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsdaten-kompakt,t=wirtschaftsdaten-kompakt--niederlande,did=1584886.html

[2]  https://www.portofrotterdam.com/de/unser-hafen/fakten-und-zahlen/fakten-und-zahlen-zum-hafen/gueterumschlag

[3]  https://opendata.cbs.nl/statline/#/CBS/nl/dataset/37230NED/table?fromstatweb

[4]  https://www.lexas.de/europa/niederlande/randstad.aspx

[5]  https://www.oecd.org/berlin/presse/steuern-und-sozialabgaben-auf-arbeitseinkommen-sind-in-deutschland-leicht-gesunken-11042019.htm

[6]  https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/wirtschaftsstruktur-und-chancen,t=wirtschaftsstruktur--niederlande,did=1939258.html

[7]  Ebd.

[8]  https://www.indexmundi.com/map/?v=21000&r=eu&l=de

[9]  https://www.dnhk.org/newsroom/news/news-details/gute-geschaeftschancen-dank-positiver-wirtschaftsentwicklung/

[10]  https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsdaten-kompakt,t=wirtschaftsdaten-kompakt--niederlande,did=1584886.html

[11]  Ebd.

Beitragsserie "Markteinstieg in den Niederlanden"

  1. Die Niederlande: Geographische und wirtschaftliche Grundlagen

  2. Kulturelle Besonderheiten und Tipps für Geschäftsgespräche

  3. Export ins Nachbarland: Die Niederlande als interessanter Absatzmarkt

  4. Grenzüberschreitende Unternehmensnachfolge

  5. Vertragsgestaltung in den Niederlanden

  6. Interview mit dem Unternehmen Otolift über Besonderheiten des niederländischen Markts
    Folgt im November 2019

  7. Vollstreckung deutscher Urteile in den Niederlanden
    Folgt im Dezember 2019

  8. Fazit
    Folgt im Dezember 2019

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