23.02.2015Fachbeitrag

Internationaler Rechtskommentar:
Besondere Steueraspekte für ausländische Fachkräfte in Belgien

Rechtskommentar:

Ausländische Fachkräfte (Expats) werden in Belgien gegenüber den normalen belgischen Arbeitnehmern steuerlich begünstigt. Die ausländischen Fachkräfte können einen Teil ihrer Vergütung steuerfrei und frei von Sozialabgaben beziehen (11.250 Euro für gewöhnliche Fachkräfte und 29.750 Euro für Forscher und koordinierende Funktionäre). Zudem besteht zusätzlich die Möglichkeit, eine Freistellung für sogenannte "Reisevergütungen" zu erlangen. Diese Reisevergütungen sind der Teil des Einkommens, den die Fachkräfte während ihrer Arbeitszeit im Ausland verdienen.

A. Anwendungsvoraussetzungen "Besteuerungssystem für ausländische Fachkräfte"

1. Die belgische Steuerbehörde sieht einen besonderes Besteuerungssystem für ausländische Fachkräfte vor (Rundschreiben Nr. Ci. RH. 624/325.294 vom 08.08.1983).

Es geht dabei um Fachkräfte mit einer ausländischen Nationalität, die Funktionen ausüben, welche ein besonderes Wissen und Verantwortlichkeit erfordern (Führungspositionen – Comm. IB 227/6), und die sich aus folgenden Gründen in Belgien aufhalten:

  • Sie werden von einem ausländischen Unternehmen entsandt, um für einen bestimmten Zeitraum in einer oder mehreren Einrichtungen des Unternehmens in Belgien oder in einer oder mehrerer belgischer Gesellschaften, die der Kontrolle des Unternehmens unterliegen, zu arbeiten.
  • Sie werden von einem multinationalen ausländischen Unternehmen entsandt, um in einer oder mehreren belgischen Gesellschaften, die zur selben Unternehmensgruppe gehören, zu arbeiten.
  • Sie werden unmittelbar von der belgischen Tochtergesellschaft einer ausländischen Gesellschaft im Ausland oder durch ein belgisches Unternehmen, die Teil einer multinationalen Unternehmensgruppe ist, angeworben, um für begrenzte Zeit in der belgischen Gesellschaft zu arbeiten.

Auch ohne dem Status der Fachkraft zu unterliegen, können folgende Personengruppen ebenfalls von dem besonderen Besteuerungssystem profitieren:

  • Ausländische Vorstände in belgischen Einrichtungen oder Tochtergesellschaften multinationaler Unternehmen.
  • Spezialisiertes ausländisches Personal in belgischen Einrichtungen oder Tochtergesellschaftenmultinationaler Unternehmen, deren berufliche Spezialisierung in Belgien äußerst selten ist.
  • Ausländische Forscher, die unmittelbar im Ausland angeworben wurden oder vom Ausland entsandt wurden.


2. Die betreffende Beschäftigung muss von zeitlich begrenzter Dauer sein. Tatsächlich ist indes jedoch keine maximale Dauer des Beschäftigungszeitraums festgelegt.

Den zeitlich begrenzten Charakter der Anstellung in Belgien kann die Verwaltung im Prinzip durch einen einfachen Blick auf die persönlichen Umstände der Fachkraft erkennen.

3. Um in den Genuss der Steuererleichterungen zu gelangen, muss sowohl aus Sicht des Arbeitgebers als auch aus Sicht der ausländischen Fachkraft innerhalb der ersten 6 Monate ab dem ersten Tag des Monats, der auf den Monat des Arbeitsbeginns in Belgien folgt, ein Antrag gestellt werden.

Grundsätzlich wird der steuerrechtliche Sonderstatus, wenn er einmal anerkannt ist, stillschweigend jährlich verlängert. Ergibt sich indes aus neuen Tatsachen, dass die Voraussetzungen für die Gewährung des Status nicht mehr vorliegen bzw. dass sie nie vorgelegen haben, so verliert die ausländische Fachkraft ihren steuerrechtlichen Sonderstatus ab dem Datum der Verkündung der Beendigung dieses Status.

B. Besondere steuerliche Vorteile

4. Expats, die den besonderen Steuerregelungen für ausländische Fachkräfte unterfallen, genießen besondere steuerliche Vorteile und werden von den belgischen Steuerbehörden nicht wie Einwohner Belgiens behandelt.

4.1 Zunächst steht den ausländischen Fachkräften ein Recht auf steuerfreie Vergütung für die durch die Beschäftigung in Belgien entstehenden, tatsächlichen Mehrausgaben zu. Diese Kosten, welche zu Lasten des Arbeitgebers anfallen, gelten als sogenannte „Kosten des Arbeitgebers“ und stellen somit keinen zu versteuernden Lohn dar. Es handelt sich dabei sowohl um einmalige Kosten (u.a. Umzugskosten) als auch um laufende Kosten (zum Beispiel Mehrkosten für das Leben in Belgien, Schulkosten für die Kinder etc.). Eine der wichtigsten laufenden Kostenarten ist die "tax equalization" - der Arbeitgeber steht hierbei für die zusätzlichen Kosten ein, die durch die unterschiedlichen Steuerbelastungen in Belgien und dem Herkunftsland entstehen. Auch Kosten für eine internationale oder private Schule in Belgien können steuerfrei vom Arbeitgeber zurückbezahlt werden. Mit Ausnahme der Schulkosten und der einmaligen Kosten darf die dem Arbeitgeber zu Lasten fallende Vergütung den jährlichen Betrag von 11.250 Euro bei gewöhnlichen Fachkräften und 29.750 Euro für Forscher und koordinierende Funktionäre nicht überschreiten.

4.2. Der zweite wichtige Aspekt für ausländische Fachkräfte ist, dass der Lohn für im Ausland abgeleistete Arbeitstage in Belgien nicht versteuert werden muss (Freistellung der Reisevergütung).

C. Besondere soziale Vorteile

5. Das besondere Besteuerungssystem für ausländische Fachkräfte wirkt sich auch auf die Berechnung der in Belgien zu leistenden Sozialabgaben aus. Die steuerfrei gewährte Vergütung fließt nicht in die Berechnung der Höhe der Sozialversicherungsabgaben ein.

D. Schlussfolgerung

Im Rahmen internationaler Beschäftigungsverhältnisse ist es sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer unter Kostengesichtspunkten äußerst interessant zu prüfen, ob eine Anstellung unter den Voraussetzungen des besonderen Besteuerungssystems für ausländische Fachkräfte möglich ist. Die Vergünstigungen sind sowohl unter steuerlichen als auch unter sozialrechtlichen Gesichtspunkten besonders vorteilhaft. Für den Arbeitnehmer verringert sich der fiskalische Druck merklich. Ein Umstand, der sodann auch den Lohnkosten des Arbeitgebers zugute kommt.

Autor: Johan De Ridder | Advocaat | Master in Steuerrecht

Kocks & Partners, Brüssel/Belgien
www.kocks-partners.be

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