06.07.2018Medienpräsenz

Mediaplanet: Die Sehnsucht der Wirtschaft nach mehr Klarheit und Beständigkeit

Die deutsche Zuverlässigkeit und die Vertragstreue sind in der Welt über alles geschätzte Wettbewerbsvorteile. Dies führt dazu, dass ausländische Unternehmen beste Produkte in Deutschland kaufen und der Exportüberschuss immer größer wird, für den wir uns immer wieder rechtfertigen müssen. Ja es ist vielleicht nicht „gerecht verteilt“, aber sollen wir als Resultat weniger oder schlechtere Produkte herstellen? Nein, das kann wahrhaftig nicht die Lösung sein.

Das Erfolgssystem der deutschen Wirtschaft basiert auf Kompetenz, Vertrauen und auf klaren Regeln – in Inland, in Europa und auf dem Weltmarkt. Anhand dieser drei Merkmale lassen sich viele der derzeitigen Herausforderungen dingfest machen, mit denen sich erfolgreiche Unternehmen befassen müssen.

Die Kompetenzproblematik: der Fachkräftemangel ist und bleibt ein akutes Problem, das uns langfristig beschäftigen wird, da es nicht von jetzt auf gleich behoben werden kann. Die Wurzeln des Mangels liegen in den Schulen. Unternehmen ringen im Wettbewerb um die wenigen geeigneten Kandidaten, in vielen Zukunftsbranchen – Stichwort „MINT-Bereich“ – scheitern sie schon heute daran. In der Folge wird das bisherige Unternehmenswachstum ausgebremst, wenig neue innovative Lösungen werden entwickelt und wir verlieren unsere Spitzenposition im internationalen Wettbewerb.

Eine vernachlässigte, regional zerklüftete und sich im ständigen Wandel befindliche Bildungspolitik ist einer der Gründe dafür, dass wir jetzt wenige Fachkräfte haben. Unternehmen müssen das Thema Qualifizierung mehr denn je in die eigene Hand nehmen und dürfen sich nicht mehr auf den Staat als alleinigen Basis-Bildungsdienstleister verlassen. Ein nationaler Bildungsrat könnte eine politische Lösungsoption sein, eine koordinierte Fachkräftezuwanderung eine weitere.

Ohne Vertrauen geht gar nichts, weder im Privatleben, noch in der Politik oder Wirtschaft. Derzeitige weltpolitische Verwerfungen und immer mehr nationalistisch argumentierende Mitgliedsstaaten in der EU – ein begrifflicher Widerspruch schlechthin –  werden durch Staaten mit einer „Wir zuerst“ Strategie quasi zum Nachahmen motiviert. Ein Unheil, das erhebliche Auswirkungen auf deutsche Unternehmen mit ihren globalisierten Wertschöpfungsketten hat.

Das was gestern im Welthandel noch berechenbar war, erweist sich einen Tag später schon wieder als Überholt. Drohungen werden ausgesprochen und die noch Welt-Währung Dollar als schnell wirkendes Druckmittel missbraucht. Der Trump‘sche Unberechenbarkeitsfaktor zerstört politisches  und wirtschaftliches Vertrauen, Vertragstreue und Zuverlässigkeit.

Das eigene Wertesystem wird immer als die Herzkammer eines Unternehmens bezeichnet. Dieses System darf durch politische (Fehl-)Entscheidungen nicht verändert werden. Die Wirtschaft muss ihren Einfluss stärker ausüben, damit die Politik nicht weiter versucht, funktionierende Wertesysteme zu ändern.

Dem Weltwirtschaftssystem werden derzeit neue Spielregen aufgezwungen, die nicht mehr von einer Gemeinschaft, sondern von ausscherenden und vermeintlich starken Einzelspielern diktiert werden. Europa muss mit einer Stimme sprechen, um ein neues Gleichgewicht zu bilden. Ein Umdenken in den deutschen Unternehmen ist erforderlich, das partnerschaftliches Zusammenarbeiten innerhalb und außerhalb Europas umfasst und mehr denn je eine politische Risikobewertung beinhalten muss.

Die Wirtschaft muss sich politisch stärker einbringen – und damit meine ich nicht nur die DAX-Konzerne, sondern auch jedes kleine und mittelständische Unternehmen. Aktive Mitgestaltung und gelebte Selbstverantwortung zählen heute mehr denn je und helfen, positiv in die Zukunft zu blicken.


Quellen- und Autorenangaben

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Autor
Marc S. Tenbieg
Geschäftsführender Vorstand
Deutscher Mittelstands-Bund (DMB)

Quelle

Mediaplanet Mein Business
www.erfolg-und-business.de

Verlag
Mediaplanet Verlag Deutschland GmbH
www.mediaplanet.com/de/

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