Schwächen

Zu den Schwächen im deutschen Mittelstand zählen insbesondere der Mangel an unternehmerischer Initiative, fehlender Gründergeist, bürokratische Hürden und der weiterhin schleppende Breitbandausbau in Deutschland. Trotz der guten Stellung des deutschen Mittelstandes im europäischen Vergleich gibt es viele Bereiche in denen Nachholbedarf besteht und in denen man von seinen europäischen Nachbarn lernen kann.

Unternehmerische Initiative

Eine Gefahr für das zukünftige Fortbestehen des deutschen Mittelstandes ist der Mangel an unternehmerischer Initiative. Im SME performance report der Europäischen Kommission liegt der deutsche Mittelstand hier in acht von elf untersuchten Kategorien unter dem EU-Durchschnitt. Besonders schlecht schneidet Deutschland in den Bereichen "Unternehmerische Absichten" (angestrebte Gründung in den nächsten drei Jahren) und "Unternehmerische Aktivität im Frühstadium" ab. Auch in der Kategorie "Unternehmerische Aktivität als wünschenswerte Laufbahn." liegt Deutschland hinter seinen europäischen Nachbarn.

Fehlender Gründergeist

Laut einer internationalen Studie ist der Unternehmergeist in Deutschland besonders schwach ausgeprägt. In der Bundesrepublik können sich nur 27 Prozent der Befragten eine Unternehmensgründung vorstellen. Nur 63 Prozent haben eine positive Einstellung gegenüber dem Unternehmertum. Damit schafft es Deutschland nur auf Platz 40 von 45 und liegt deutlich unter den Durchschnittswerten der untersuchten Staaten von 77 Prozent (Einstellung gegenüber Unternehmertum) bzw. 43 Prozent (Pontetial einer Unternehmensgründug). Die europäischen Spitzenplätze belegen Dänemark, Schweden und Estland.

Die Gründerquote in Deutschland ist insgesamt innerhalb von 10 Jahren von 2,47 Prozent im Jahr 2005, um etwa 40 Prozent auf 1,50 Prozent im Jahr 2015 gesunken. Die Quote gibt den Anteil von Gründern an der Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren an. Zusätzlich zur geringen Anzahl der Gründungen verschärft der demografische Wandel das Problem der Nachfolge vieler mittelständischer Unternehmen. Um die Zukunft des deutschen Mittelstandes zu sichern, gilt es also unternehmerische Initiative zu fördern und möglichst günstigen Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen zu schaffen.

Bürokratie

Auch in Bezug auf die "Sensibilisierung der Behörden" liegt Deutschland im SME performance report unter dem EU-Durchschnitt. Dieser Indikator misst, inwieweit sich die öffentliche Verwaltung auf die Bedürfnisse von KMU einstellt, um den bürokratischen Aufwand möglichst gering zu halten. Besonders schlecht schneidet die Bundesrepublik in den Bereichen "Zeitaufwand der Geschäftsgründung“, "Einzuzahlendes Mindestkapital" und "Anzahl der Administrativen Prozesse vor der Unternehmensgründung" ab. Dies belegt, dass bei der Vereinfachung und Verkürzung von Verwaltungsverfahren noch Nachholbedarf für die Behörden besteht. Positiv werden hingegen die Stabilität und Berechenbarkeit Politik sowie die geringen Rechtsdurchsetzungskosten in Deutschland gesehen.

Breitbandausbau

Die Digitalisierung wird die Wirtschaft in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Wer diesen Wandel verpasst, hat im Zeitalter der "Industrie 4.0" schlechte Aussichten. Das gilt auch für den Mittelstand. Doch Grundvoraussetzung für die Digitalisierung ist die Verfügbarkeit von ausreichend schnellem Internet. Beim Breitbandausbau hinkt Deutschland im Vergleich mit seinen europäischen Nachbarn aber seit langem hinterher. 

In Deutschland surfen nur 33 Prozent der Internetnutzer mit mehr als 15 Megabit pro Sekunde. Beim EU-Spitzenreiter Schweden sind es 49 Prozent. Die vordersten Ränge im weltweiten Ranking belegen Südkorea mit 69 Prozent, gefolgt von der Schweiz (56 Prozent) und Norwegen (54 Prozent). Auch bei der durchschnittlichen Internetgeschwindigkeit liegt Deutschland mit 15,3 Megabit pro Sekunde nur im europäischen Mittelfeld. Die Spitzenreiter der EU sind Schweden (22,5 Mbit/Sek), Finnland (20,5 Mbit/Sek.) und Dänemark (20,1 Mbit/Sek.). Diese Werte sind für den hohen Anspruch Deutschlands deutlich zu niedrig, wenngleich sich ein positiver Trend feststellen lässt. Gegenüber dem Vorjahr konnte die Bundesrepublik die Anzahl der Internetnutzer mit mehr als 15 Megabit Surfgeschwindigkeit um 27 Prozent und die durchschnittliche Surfgeschwindigkeit um fast 10 Prozent steigern.

Trotzdem ist die Bundesregierung weiterhin gefragt, den Breitbandausbau möglichst schnell voranzutreiben. Denn gerade im ländlichen Raum, wo besonders viele Mittelständler beheimatet sind, scheitert die Digitalisierung in Deutschland oftmals schon an der Internetverbindung. Selbstgesetztes Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2018 die flächendeckende Versorgung mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu gewährleisten.