27.02.2026
Entgelttransparenz mit Augenmaß – Mittelstand darf nicht überfordert werden

Der Equal Pay Day unterstreicht die Bedeutung fairer Bezahlung. Damit dieses Ziel nachhaltig erreicht werden kann, braucht es jedoch Regeln, die Transparenz schaffen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu schwächen.
Kommentar von Luisa Lippert, Referentin für Arbeit & Bildung des Deutschen Mittelstands-Bunds (DMB) zum Equal Pay Day
Der Anspruch, gleiche und gleichwertige Bezahlung zu stärken, ist gesellschaftlich wie wirtschaftspolitisch richtig und wichtig. Trotz langjähriger Debatten besteht in Deutschland weiterhin eine Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern: Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt bei ca. 16 Prozent, der bereinigte bei etwa 6 Prozent. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verfolgt daher das Ziel, Vergütungsstrukturen nachvollziehbarer zu machen und strukturelle Ungleichheiten langfristig zu reduzieren.
Der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) begrüßt dieses Ziel grundsätzlich. Mehr Transparenz kann dazu beitragen, Vertrauen zu stärken, Diskriminierungsrisiken zu verringern und Unternehmen im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte zu unterstützen. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels können faire und nachvollziehbare Vergütungssysteme ein wichtiger Standortfaktor sein.
Gleichzeitig sieht der DMB erhebliche Herausforderungen bei der nationalen Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht. Bis Juni 2026 muss das bestehende Entgelttransparenzgesetz angepasst werden. Die bisherigen Diskussionen sowie die Ergebnisse der eingesetzten Expertenkommission lassen jedoch erwarten, dass mittelständische Unternehmen mit zusätzlichen bürokratischen Anforderungen und rechtlichen Unsicherheiten belastet werden.
Besonders kritisch ist die geplante Berichtspflicht ab 100 Beschäftigten, die gestaffelt bis 2031 eingeführt werden soll. Damit werden große Teile des Mittelstands erstmals unmittelbar reguliert. Gerade Betriebe ohne umfassende Personalabteilungen stehen dann vor großen organisatorischen Herausforderungen. Entgeltstrukturen müssen analysiert, Vergleichsprozesse dokumentiert und Auskunftsansprüche erfüllt werden. Hinzu kommt, dass zentrale Begriffe wie „gleichwertige Arbeit“ in der betrieblichen Praxis weiterhin auslegungsbedürftig bleiben.
Als DMB betonen wir daher, dass die politische Zielsetzung nicht zu übermäßiger Bürokratie führen darf. Für die nationale Umsetzung braucht es mittelstandsfreundliche Lösungen mit höheren Schwellenwerten und längeren Übergangsfristen für kleinere und mittlere Betriebe sowie klaren und rechtssicheren Definitionen.
Transparenz im Entgeltbereich ist ein wichtiges Ziel. Entscheidend bleibt jedoch, dass sie im betrieblichen Alltag funktioniert und die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen nicht beeinträchtigt.

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