16.07.2025

Arbeit & Bildung

Leadership beginnt bei dir - Selbstverantwortung als Schlüssel zur Führungsrolle (nicht nur) für Frauen

Um eine gute Führungskraft zu sein, braucht es Selbstverantwortung und das nötige Handwerkszeug

Nicht erst in den letzten krisenbewegten Jahren wünschen sich Unternehmen starke Führungskräfte, motivierte Teams und loyale Leistungsträger. Selbstständig denkende Mitarbeitende, die echte Verantwortung übernehmen, selbst wenn Chef:in nicht da ist: ein Wunschtraum?

Die Anforderungen an Führungskräfte sind hoch. Sie sollen Ergebnisse liefern und Gewinne steigern, Veränderungen managen, Digitalisierung treiben und gleichzeitig Sinn stiften für GenZ und Boomer.  Doch wann hat ihnen das alles jemand beigebracht? In Ausbildung und Studium taucht das Thema Leadership höchstens am Rande auf, im technischen Umfeld so gut wie gar nicht. Viel zu oft übernehmen Menschen Führungsaufgaben, weil sie fachlich die Besten sind. Viele Führungskräfte werden einfach ins kalte Wasser geworfen. Erhoffen wir uns dann Naturtalente oder vollkommene Autodidakten?

»An starken Führungskräften fehlt es an allen Enden, in Unternehmen aller Größen.

Gerade in KMU gibt es wenig Frauen in Führungspositionen

Der wachsende Engpassfaktor und die „stille Reserve“ Frauen

Frauen sind heute in fast allen Branchen präsent, gut ausgebildet und erfahren.

Zahlen bestätigen das: Über 70 % der Frauen in Deutschland sind erwerbstätig. Rund jede dritte Führungskraft in Deutschland ist weiblich, über alle Branchen hinweg.

Und dennoch sind Männer rund doppelt so häufig in Führungspositionen vertreten wie Frauen.

Jetzt wird es kritisch: In deutschen KMU ist nur etwa jede fünfte Führungsposition mit einer Frau besetzt. Der Anteil weiblicher Inhaberinnen liegt sogar nur bei rund 15 %, mit sinkender Tendenz.
Das ist nicht nur eine verpasste Chance, sondern eine gefährliche Entwicklung. Denn der Mittelstand braucht Nachwuchs. Nicht nur fachlich, sondern auch auf Führungsebene.

Es gibt viele Gründe für diese Schieflage: starre Strukturen, fehlende Vorbilder, Zeitmodelle, Vereinbarkeit. Doch ein Aspekt wird selten offen angesprochen: Viele Frauen warten. Auf Anerkennung. Auf das Angebot. Auf den perfekten Zeitpunkt. Sie übernehmen zwar Verantwortung, aber zu selten für sich selbst.

Man muss den Schritt über die Klippe einfach wagen

Führung beginnt innen: Was Selbstverantwortung bedeutet

Führung entsteht, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung nicht nur für Aufgaben, sondern für Richtung zu übernehmen. Das setzt Selbstverantwortung voraus.

Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen. Eigene Ziele zu formulieren, statt allen Erwartungen gerecht zu werden. Entscheidungen mutig zu treffen, anstatt auf den richtigen Zeitpunkt zu warten. Die Entscheidung nicht von anderen abhängig zu machen, sondern für sich zu klären: Ich will führen. Ich trau mir das zu. Und die innere Bereitschaft, es nicht perfekt machen zu müssen.

Was Frauen selbst in der Hand haben – ein Plädoyer für Klarheit und Entscheidung

Selbstverantwortung bedeutet nicht, alles alleine schaffen zu müssen, sondern zu erkennen, dass man selbst eine Entscheidung treffen darf, anstatt Verantwortung nach außen auszulagern. 

Viele Frauen verfügen längst über das Wissen, die Erfahrung und die Reife, um zu führen. Es braucht also zweierlei: ihre Entscheidung und das richtige Handwerkszeug.

»Führen ist kein Talent, sondern eine Methode, die man lernen kann.

Deshalb ist eine Schlüsselfrage für jede Frau in einer verantwortungsvollen Position: Will ich führen oder will ich es anderen überlassen?

Führungsrollen müssen von Unternehmen aktiv geschaffen werden

Was Unternehmen jetzt tun können: Strukturen schaffen, die Verantwortung ermöglichen

Selbstverantwortung ist entscheidend, doch sie entfaltet sich nicht im luftleeren Raum. Unternehmen tragen eine Mitverantwortung dafür, wie attraktiv, zugänglich und machbar eine Führungsrolle gestaltet ist.

Wer heute starke Führungsteams will, darf mehr tun als nur Titel zu vergeben. Es braucht Strukturen, die es Frauen wie Männern ermöglichen, Verantwortung zu übernehmen, ohne dafür Lebensqualität, Gesundheit oder Sinn opfern zu müssen.

Dazu gehören mutige Entscheider, die Potenziale erkennen, Unterstützer sein möchten und Entwicklung ermöglichen.

Denn nicht jede Führungsaufgabe beginnt mit einem vollen Team: Mentoring, Projektverantwortung, Co-Führung. Es gibt viele Wege, Führung wachsen zu lassen.

Unternehmen und Personalentscheider dürfen sich zukunftsweisenden Fragen stellen:

  • Wo gehen uns potenzielle Führungskräfte verloren? 
  • Wen übersehen wir möglicherweise?
  • Welchen Rahmen können wir schaffen, der das Lernen von Leadership ermöglicht?
     

»Gute Führung entsteht dort, wo Menschen mit Potenzial Verantwortung übernehmen dürfen und können.

Gute Führung braucht doppelte Verantwortung

Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen, für echte Menschen und echte Ergebnisse, damit sie zukunftsfähig werden und bleiben. Zudem sollten sie sich systematisch auf den Weg machen, Potenzialträger:innen aus den eigenen Reihen zu identifizieren. Denn erst sobald sie eine entsprechende Unternehmenskultur und zeitgemäße Entwicklungsprogramme etablieren, ermöglichen sie Wachstum.

Frauen (und Männer ebenfalls) dürfen Selbstverantwortung übernehmen, für den eigenen Weg, für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, für das Lernen von Führung. Was gut tut: eine realistische Sicht auf die eigenen Potenziale, statt Perfektionismus und Selbstzweifeln das letzte Wort zu überlassen.

»Unternehmen sind gut beraten, dieses Potenzial nicht länger zu übersehen und Frauen sind gut beraten, für sich selbst in Führung zu gehen.

Sie wollen noch mehr Orientierung für Ihren Führungsalltag?

Dann haben wir hier 7 praxiserprobte Tipps, die Ihnen helfen, typische Führungsfehler zu vermeiden und Ihr Team erfolgreicher zu machen. Kompakt, klar und direkt umsetzbar – besonders für Führungskräfte in kleinen und mittelständischen Unternehmen.

 Jetzt Leitfaden herunterladen

Zur Autorin

Caroline Koerber

Caroline Koerber ist Inhaberin und Gründerin des Ambitus Leadership Profiling Institut in Bremen. Als Coach für positive Leadership begleitet sie seit über 25 Jahren Führungskräfte und Young Professionals dabei, erfolgreich und souverän Teams zu führen - mit weniger Zeit- und Kraftaufwand und dafür mehr Lebensfreude. Die Diplomkauffrau und ehemalige Personalleiterin war lange Jahre als Karrierecoach an der International School of Management tätig und ist heute Mentorin und Business Coach bei MentorMe. Ihre Klienten profitieren von ihrer Führungserfahrung in Mittelstand und Konzernstrukturen und von ihrer sofort wirksamen Coaching-Methode: 100 % Praxis.