30.06.2025

Arbeit & Bildung

Mehr arbeiten an einem Tag, dafür früher Feierabend am nächsten?

Die Bundesregierung plant die Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit.

Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes der Bundesregierung soll genau das ermöglichen. Künftig soll nicht mehr die tägliche, sondern die wöchentliche Höchstarbeitszeit im Zentrum stehen. Ziel ist es, Arbeitszeiten flexibler und individueller zu gestalten.

Vor allem für Bürobeschäftigte kann das ein echter Gewinn sein. Die Arbeit ist hier häufig ohnehin weniger durch Schichtpläne oder Maschinenlaufzeiten, sondern durch Projekt- und Kommunikationsprozesse bestimmt. Rund 14,8 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in Bürojobs – viele von ihnen wünschen sich mehr Selbstbestimmung über ihre Arbeitszeit. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Die Mehrheit – rund 90 Prozent – ist mit ihrer Arbeit zufrieden, unabhängig davon, ob sie weniger oder mehr Stunden am Tag arbeitet.

Natürlich gibt es berechtigte Bedenken. Die Hans-Böckler-Stiftung warnt vor überlangen Wochenarbeitszeiten, gesundheitlichen Risiken und einer schlechteren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und ja, rechnerisch könnten Wochen mit über 70 Stunden entstehen, wenn der gesetzliche Ausgleichszeitraum maximal ausgereizt wird.

Entscheidend ist aber: Solche Arbeitszeiten dürfen nicht vom Arbeitgeber eingefordert werden – das wäre weder im Sinne der Reform noch im Sinne des Arbeitsschutzes. Vielmehr sollte es im Ermessen der Beschäftigten liegen, wie viel sie sich zutrauen. Das setzt einen verantwortungsbewussten Umgang voraus – auf beiden Seiten. Wer den Menschen grundsätzlich abspricht, damit umgehen zu können, stellt ihre Fähigkeit zur Selbstbestimmung infrage.

Entscheidend ist also, wie mit dieser neuen Flexibilität umgegangen wird. In Branchen, in denen Flexibilität möglich ist, kann sie ein Gewinn für alle sein – wenn sie mit Verantwortung und Augenmaß gestaltet wird. Dafür braucht es individuelle Lösungen, verlässliche Dokumentation, klare Ausgleichsregelungen – und vor allem eine Kultur des Vertrauens.

Arbeit muss neu gedacht werden – und dabei spielt die Arbeitszeit eine zentrale Rolle. Die Chance liegt nicht darin, mehr zu arbeiten. Sondern darin, besser zu arbeiten.

Zur Autorin

Luisa Lippert

Referentin Wirtschaft & Politik

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