29.09.2025

Arbeit & Bildung

Nachwuchs entwickeln heißt: die eigene Zukunft zu sichern

Talentförderung in der Lebenshilfe Dillenburg.

„Wir standen vor einem riesigen Generationswechsel. Da mussten wir handeln – und haben den Blick bewusst auf unsere internen Potenziale gerichtet“, beschreibt Oliver Schmitzer, Vorstand der Lebenshilfe Dillenburg, die Situation seiner Organisation vor ein paar Jahren. Gemeinsam mit zwei weiteren Einrichtungen setzte die Lebenshilfe auf ein kooperatives Talentprogramm, das Nachwuchs stärkt und Führungskräfte von morgen hervorbringt – und schuf damit, was allein nicht möglich gewesen wäre.

Demografischer Wandel, wachsende Unsicherheit und Fachkräftemangel machen die Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden für kleine und mittlere Unternehmen immer mehr zur Kernaufgabe. Gleichzeitig fehlen vielen Betrieben die Ressourcen, um eigene Programme für Nachwuchskräfte aufzubauen: Es mangelt an Zeit, Budget oder internem Fachwissen.

Weiterentwicklung lebt von gemeinsamen Austausch.

Wie kann Kooperation hier helfen?

Ein innovativer Lösungsansatz von DMB-Mitglied Sandra Schumann, Expertin für Nachwuchs- und Führungskräfte, von DIE TALENTENTWICKLER zeigt: Talententwicklung geht auch anders – nämlich gemeinsam. Das Programm wurde von ihr als externe Trainerin und Personalentwicklerin konzipiert und umgesetzt. Im Rahmen eines kooperativen Modells können sich Unternehmen zu einem modularen Talententwicklungsprogramm zusammenschließen. Ausgewählte Nachwuchskräfte haben so die Möglichkeit, individuell gefördert und weitergebildet zu werden. Gleichzeitig bringen sie frische Impulse ins Unternehmen.

Gemeinsam starten – gemeinsam vorankommen

2018 ging das gemeinsam entwickelte Programm erstmals an den Start – mit dabei: zwei Lebenshilfen aus Mittelhessen. Insgesamt zwölf Nachwuchskräfte durchliefen über ein Jahr lang das maßgeschneiderte Lernformat.

Für Oliver Schmitzer von der Lebenshilfe Dillenburg zeigt das Projekt eindrücklich, wie wirksam interne Entwicklung sein kann und dass sie der vielversprechendste Weg ist, um zukunftsfähig zu bleiben:

»Was könnte sinnvoller sein als Menschen aus den eigenen Reihen zu gewinnen und gezielt zu fördern und zu fordern?

- Oliver Schmitzer, Lebenshilfe Dillenburg

Die Auswahlphase entpuppte sich dabei als eigener Gewinn. „Viele haben die Hand gehoben und gesagt: Ich will mich entwickeln – nicht alle in Richtung Führung, manche auch in ganz anderen Bereichen. Dadurch sind Talente sichtbar geworden, die wir sonst nie entdeckt hätten“, berichtet Oliver Schmitzer. Ein Beispiel: Aus der ersten Runde entstand die Position eines Kulturreferenten, die es zuvor gar nicht gegeben hatte – inzwischen eine Rolle mit bundesweiter Strahlkraft.

Nach dem ersten Erfolg folgte 2020 direkt die nächste Runde – diesmal schloss sich eine weitere Lebenshilfe aus Mittelhessen der Kooperation an.

In Lerngruppen wurde sich viel ausgetauscht.

Vielfältige Lernformate und neue Einblicke

Auf dem Lehrplan standen Themen wie Konfliktmanagement, Selbststeuerung und Grundlagen guter Führung. Ergänzt wurde das Programm durch Webinare, Lerngruppen, persönliche Entwicklungsgespräche, Kaminabende sowie eine digitale Lernplattform zur Vor- und Nachbereitung der Inhalte.

Ein echtes Highlight: Die gegenseitigen Hospitationen in den jeweils anderen Einrichtungen. Sie gaben spannende Einblicke in andere Arbeitsweisen, boten neue Perspektiven und förderten den Austausch über Einrichtungsgrenzen hinweg.

Besonders wertvoll war auch die Einbindung der bestehenden Führungskräfte. „Natürlich gibt es manchmal Sorgen, dass junge Talente zurückkommen und plötzlich alles infrage stellen. Aber genau deshalb ist es wichtig, beide Seiten mitzunehmen. So lernen nicht nur die Nachwuchskräfte, sondern auch die etablierten Führungskräfte“, erklärt Oliver Schmitzer.

Ein voller Erfolg!

Die Kooperation hat sich für alle drei Lebenshilfen in mehrfacher Hinsicht gelohnt: Sie sparten Kosten, entwickelten gezielt ihre Nachwuchskräfte – und stärkten die Zukunftsfähigkeit ihrer Organisationen. Die Erfolge sind sichtbar und wirken nachhaltig: Einige der Teilnehmenden übernahmen Führungsfunktionen, andere wurden gezielt für kommende Aufgaben vorbereitet.

Ein Programm mit mehrfachem Nutzen

Gleichzeitig stärkte das Programm die Bindung der Teilnehmenden an ihre Organisationen und förderte den Austausch zwischen den Einrichtungen. Der Lerneffekt blieb aber nicht auf die Teilnehmenden beschränkt: „Die Führungskräfte haben berichtetet, dass sie heimlich mitgelernt haben – ein sehr wertvoller Nebeneffekt“, berichtet Sandra Schumann von DIE TALENTENTWICKLER. So brachte das Programm auch wertvolle Impulse nach innen für die Weiterentwicklung der jeweiligen Organisationen. Oliver Schmitzer, Vorstand der Lebenshilfe Dillenburg resümiert: „Wir haben nicht nur Talente identifiziert, sondern Vertrauen aufgebaut, Entwicklung angestoßen und wichtige Positionen klug besetzt.“

Was macht das Programm von Sandra Schumann so besonders?

  1. Maßgeschneiderte Umsetzung statt Standardlösung: Trotz gemeinsamer Struktur bleibt Raum für individuelle Anpassungen an die Bedarfe der beteiligten Organisationen.
  2. Ganzheitlicher Ansatz: Die Kombination aus Austausch, Reflexion und Praxisintegration wirkt doppelt: Sie fördert die Teilnehmenden individuell – und bringt sofort spürbaren Nutzen im Arbeitsalltag.
  3. Lernen als Gemeinschaftsaufgabe: Auch die Führungskräfte sind aktiv eingebunden – sie begleiten, reflektieren und entwickeln sich mit.
  4. Vertrauen als Basis: Durch gemeinsame Erfahrungen entsteht ein offenes Miteinander. Man lernt nicht nur Inhalte, sondern auch voneinander.
     
Talente sichtbar machen und fördern - darum geht es!

Kooperation als Gamechanger

Wer in die Entwicklung seiner Mitarbeitenden investiert, legt das Fundament für die Zukunft seines Unternehmens. Doch gerade kleine und mittlere Betriebe kämpfen oft mit knappen Ressourcen.

Kooperation kann hier zum Gamechanger werden: Sie bündelt Kompetenzen, fördert Wissensaustausch und hilft, nachhaltige Strukturen aufzubauen. So wirken Entwicklungsprogramme langfristig – und stärken die Wettbewerbsfähigkeit.

Gleichzeitig zeigt sich: Viele Hürden liegen weniger im Organisatorischen als im Mindset. „Es braucht Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, die eine Leidenschaft für Personalthemen haben. Wenn das nicht vorhanden ist, wird es schwierig. Manche halten immer noch am Konkurrenzdenken fest – dabei ist Zusammenarbeit der Weg in die Zukunft“, so Sandra Schumann von DIE TALENTENTWICKLER.

Auch die wirtschaftliche Perspektive spricht für mehr Investitionen: „Man darf die Kosten nicht isoliert sehen. Eine falsch besetzte Führungsstelle kostet am Ende um ein Vielfaches mehr. Da lohnt es sich, in Talente zu investieren – auch wirtschaftlich“, betont Oliver Schmitzer.
 

“Einfach mal ausprobieren”

Das Ergebnis: Mitarbeitende wachsen, entdecken neue Karrierewege und fühlen sich ihrem Unternehmen stärker verbunden – ein entscheidender Faktor, damit Organisationen auch in einem sich wandelnden Umfeld anpassungsfähig bleiben.

Die Zusammenarbeit hat nicht nur Talente sichtbar gemacht, sondern auch neue Perspektiven eröffnet – Potenziale, die ohne das Programm verborgen geblieben wären. Oliver Schmitzer von der Lebenshilfe Dillenburg bringt es auf den Punkt: „Einfach mal wagen – genau hinschauen, welches Potenzial sich zeigt. Das ist für unsere Organisation von unschätzbarem Wert.“ Sein klarer Rat an andere Unternehmen: „Einfach mal ausprobieren!“

Noch scheuen viele kleine Unternehmen den Schritt. Manche fürchten Konkurrenz oder zusätzlichen Abstimmungsaufwand. Doch für Sandra Schumann von DIE TALENTENTWICKLER steht fest: „Gerade kleine Unternehmen können oft gar nicht anders, wenn sie im Wettbewerb bestehen wollen. Kooperation ist der Weg in die Zukunft.“
 

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Hier erfahren Sie, wie der Einstieg in kooperative Nachwuchsentwicklung gelingt:
So gelingt der Einstieg in kooperative Nachwuchsentwicklung – 7 Tipps aus der Praxis

Zur Person

Sandra Schumann

Sandra Schumann ist Inhaberin der Trainings- und Beratungsfirma Schumann DIE TALENTENTWICKLER. Sie ist Expertin für Nachwuchs- und Führungskräfteentwicklung im Mittelstand. Besonders setzt sie sich für innovative Wege der Personalentwicklung ein – auch in kooperativen Programmen. Leidenschaft ist für sie eine der wichtigsten Voraussetzungen für Erfolg. Sie ist überzeugt, dass echte Weiterentwicklung nur durch den Mut entsteht, Neues zu wagen.

Oliver Schmitzer

Zur Autorin

Luisa Lippert

Referentin Wirtschaft & Politik

0211 200525-38
luisa.lippert@mittelstandsbund.de