14.07.2025

Arbeit & Bildung

Starke Frauen, starke Gründerinnen

Zwei Frauen, eine Vision – und der Mut zur Selbstständigkeit: Die Gründerinnen der Dreiklang GmbH haben 2019 den Schritt in die eigene Agentur gewagt. Mit langjähriger Erfahrung in Kommunikation und PR, einem Gespür für Wandel und einem klaren Fokus auf Flexibilität haben sie sich erfolgreich am Markt etabliert. Im Gespräch teilen sie ihre Strategien für unternehmerischen Erfolg in unsicheren Zeiten und zeigen, warum Selbstständigkeit gerade für Mütter neue Freiheiten und Möglichkeiten schaffen kann.

Frau Dr. Rausch-Rieß, Frau Parunanthu. Sie haben 2019 die Dreiklang GmbH in Nürnberg gegründet. Was hat sie damals zu diesem Schritt bewegt? Und was hat sich seitdem in ihrem Unternehmen verändert?

Dr. Rausch-Rieß: Die Entscheidung zur Gründung der Dreiklang GmbH war ein bewusster Schritt hin zu unternehmerischer Freiheit und Gestaltungsspielraum. Céline Parunanthu und ich haben in unserer langjährigen Arbeit in der Kommunikationsbranche immer wieder erlebt, wie stark der Wunsch nach echter, werteorientierter PR ist – also Kommunikation, die Substanz hat, Haltung zeigt und gleichzeitig auf Augenhöhe stattfindet. Uns war klar: Wenn wir diese Art von Arbeit konsequent umsetzen wollen, müssen wir sie selbst gestalten.

Céline Parunanthu: Seit 2019 hat sich viel verändert, beruflich und auch persönlich: Wir sind gewachsen – personell, strategisch und inhaltlich. Unser Kundenportfolio ist breiter geworden und wir haben viele unterschiedliche Projekte für unsere Kunden umgesetzt, ganz aktuell sogar ein Promi-Kochbuch, das es überall im stationären Buchhandel gibt. Ich bin 2022 zum zweiten Mal Mutter geworden, was als Geschäftsführerin noch einmal eine ganz andere Erfahrung war. Wir arbeiten außerdem immer noch 100% remote und brauchen aktuell – sechs Jahre nach der Gründung – noch immer nicht unbedingt ein Büro.

Die Zahl der Gründerinnen ist in den letzten Jahren zwar gestiegen, aber Frauen sind in der Gründungslandschaft weiterhin unterrepräsentiert. Welche Hürden bestehen ihrer Meinung noch immer, und was braucht es, damit mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen?

Dr. Rausch-Rieß: Ein zentrales Hindernis ist nach wie vor der Zugang zu Kapital. Studien zeigen, dass Gründerinnen bei Investorengesprächen deutlich kritischer befragt werden als ihre männlichen Kollegen. Dazu kommt, dass Frauen oft stärker hinterfragen: Bin ich schon gut genug? Reicht meine Idee wirklich aus? Dieses übermäßige Streben nach Perfektion kann ein Stolperstein sein. Es braucht gezielte Förderprogramme, Mentorinnen und sichtbare Role Models – aber auch eine gesellschaftliche Kultur, in der Frauen ermutigt werden, mutig zu sein, Fehler zuzulassen und dennoch weiterzugehen.

Céline Parunanthu: Darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass Frauen sich oft nicht trauen eine richtige ‚Firma‘ zu gründen, obwohl das gerade für junge Frauen sinnvoll ist. Aktuell wurde der Mutterschutz für Arbeitnehmerinnen ausgeweitet – Selbständige jedoch haben weiterhin keinerlei Anspruch darauf. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: Als GmbH-Gesellschaftergeschäftsführerin kann man gegenüber der GKV sehr viel besser argumentieren, wenn man nach der Entbindung nicht sofort zurück an den Schreibtisch kann.

Sie haben sich bewusst für die Selbstständigkeit entschieden. Wie erleben Sie die Vereinbarkeit von Unternehmertum und Familie? Welche Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit Frauen diesen Schritt gehen können?

Dr. Rausch-Rieß: Vereinbarkeit ist kein Zustand, sondern ein permanentes Austarieren. Ich bin Mutter einer Tochter, die mittlerweile 20 Jahre alt ist. Das Unternehmerinnentum fordert einen täglich heraus. Aber es schenkt mir auch Freiräume: Ich kann Strukturen schaffen, die zu meinem Leben passen. Flexibilität und Eigenverantwortung sind dabei entscheidend. Was es für Mütter mit kleinen Kindern braucht, sind verlässliche Betreuungsangebote, ein gutes Netzwerk und ein gesellschaftliches Umdenken – weg von der Idee, dass Karriere immer linear verläuft und Präsenz gleich Produktivität ist.

Céline Parunanthu: Wir stehen in Deutschland definitiv noch am Anfang der Vereinbarkeit von Elternschaft und Lohnarbeit. Grundsätzlich macht Selbständigkeit frei von äußeren Zwängen, aber es ist auch immer ein Spagat zwischen Privatem und Beruflichem. Ich musste auf meinen Elterngeldanspruch verzichten, da ich meinen Firmenwagen nicht abgeben wollte. Das tat extrem weh, war aber auch eine augenöffnende Erfahrung, wie in Deutschland Care-Arbeit von Lohnarbeit entkoppelt wird. Solange wir akzeptieren, dass Care-Arbeit unbezahlt primär von Frauen geleistet wird, werden wir den Turnaround nicht schaffen – es fehlen uns wertvolle Fachkräfte und wir schlittern in die Altersarmut von Müttern.

Die Arbeitswelt hat sich seit Ihrer Gründung weiterentwickelt – Digitalisierung, KI und veränderte Märkte spielen eine größere Rolle. Welche Fähigkeiten und Strategien sind heute besonders wichtig, um als Gründerin erfolgreich zu sein?

Dr. Rausch-Rieß: Anpassungsfähigkeit ist heute eine der zentralen Kompetenzen. Der technologische Wandel ist rasant – wer erfolgreich gründen und führen will, muss bereit sein, sich stetig weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch, sich mit neuen Tools wie Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, aber gleichzeitig die zwischenmenschliche Kommunikation nicht aus dem Blick zu verlieren. Natürlich nutzen wir beispielsweise ChatGPT – es hat unseren Workflow durchaus beschleunigt. Aber natürlich kann man sich auf keine KI zu 100% verlassen – man muss stets überprüfen, selbst recherchieren, umformulieren. Eine starke Kommunikationsfähigkeit, strategisches Denken und die Fähigkeit zur Selbstreflexion sind aus meiner Sicht heute wichtiger denn je.

Céline Parunanthu: Die technologische Evolution und KI sind wichtige Themen, die grundsätzlich Arbeitsprozesse verbessern können – wenn sie richtig eingesetzt werden. Der Mensch wird aber weiterhin der entscheidende Faktor in diesem Prozess bleiben. Am Ende bleibt immer noch die Beziehung zwischen uns Menschen, weshalb wir Geschäftsbeziehungen eingehen und deren Qualität messen. Auch Veränderungen in den Märkten kann KI m.E. nur schwer einschätzen. Auch in einer echten Krise braucht es mehr als KI, nämlich Verstand und Emotion.

Oft wird betont, wie wichtig ein starkes Netzwerk und weibliche Vorbilder sind. Hat sich die Sichtbarkeit von Gründerinnen in den letzten Jahren verbessert? Welche Netzwerke oder Initiativen können Sie empfehlen?

Dr. Rausch-Rieß: Die Sichtbarkeit von Gründerinnen hat sich verbessert – ja. Aber sie ist längst nicht dort, wo sie sein sollte. Netzwerke wie „nushu“, der „VDU“, bei dem ich selbst zwei Jahre Mitglied war oder die „Global Digital Women“ leisten hier wichtige Arbeit. Auch lokale Gründerinnen-Stammtische oder branchenübergreifende Formate wie die „Working Moms“ sind wertvoll. Was wir brauchen, sind noch mehr Räume, in denen Gründerinnen sichtbar sind – nicht nur auf Panels, sondern auch in Entscheidungspositionen, in der Lehre und in den Medien. Apropos Netzwerke – der DMB ist beispielsweise durchaus zu empfehlen, denn in diesem Verband tummeln sich profunde Unternehmen und man versucht auch diese in die Kommunikation einzubinden.

Céline Parunanthu: Frauen nehmen sich definitiv mehr Raum als noch vor 10 Jahren. Aber auch das kann sich sehr schnell wieder ändern. Mir ist immer wichtig zu betonen, dass wir auch unter uns Frauen sehr unterschiedlich sind: Mütter, kinderlos, mit und ohne Migrationshintergrund, studiert oder nicht… diese Unterschiede können uns stark machen, wenn wir einander zuhören. Wichtig ist deshalb nicht nur die Sichtbarkeit von Frauen per se, sondern auch Sichtbarkeit für unsere Themen, so unterschiedlich sie auch sein mögen.

Wie gut werden junge Frauen heute dabei unterstützt, unternehmerisches Denken zu entwickeln und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen? Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf, um Gründergeist bei jungen Frauen stärker zu fördern?

Dr. Rausch-Rieß: Es gibt gute Ansätze – an Hochschulen, in Gründerzentren oder auch in Unternehmen durch Initiativen wie z.B. den „Girls Day“. Aber der unternehmerische Blick fehlt oft noch im klassischen Bildungssystem. Wir müssten viel früher anfangen – in der Schule, durch Projektarbeit, Planspiele oder den Einblick in Unternehmensrealitäten. Wichtig ist: Es geht nicht nur um BWL-Know-how, sondern auch um Mut, Kreativität und Entscheidungsfreude. Genau das sollte gefördert werden – durch Lehrpläne, durch Vorbilder, durch praktische Erfahrungen.

Céline Parunanthu: Junge Frauen sind emanzipiert, selbständig und unabhängig, gleichzeitig kursieren aber auch weiterhin ausreichend Mythen um die perfekte Frau und Mutter, die einen manchmal glauben lassen, man wäre in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gelandet. Ich würde gerne jungen Frauen mitgeben, dass sie nicht Everybodys Darling sein müssen, um erfolgreich zu sein. Dass sie so, wie sie sind, einfach gut genug sind. Weibliches Unternehmertum hat viele Facetten, wichtig ist m.E. für ein Thema zu brennen und sich bei der Gründung mit unterschiedlichsten Menschen zu besprechen, die einen bei der Gründung voran bringen.

Viele Frauen haben eine Geschäftsidee, aber zögern mit der Umsetzung. Was ist Ihr wichtigster Rat für diejenigen, die in die Selbstständigkeit starten möchten?

Dr. Rausch-Rieß: Nicht warten, bis alles perfekt ist. Viele Frauen möchten alles zu 100 Prozent durchdacht haben, bevor sie starten – das bremst. Mein Rat: Einfach anfangen.Die Idee wird sich mit der Praxis weiterentwickeln. Und: Sucht euch Sparringspartner:innen – Menschen, die Euch ehrlich spiegeln, Euch ermutigen und Euch auch mal den nötigen Schubs geben. Netzwerke, Mentoring und Austausch sind Gold wert. Selbstständigkeit ist ein Abenteuer – aber eines, das sich lohnt.

Céline Parunanthu: Aus meiner Erfahrung heraus braucht es die richtigen Menschen, die einen bei der Geschäftsidee unterstützen. Sobald man sich Klarheit über den Markt und das eigene Angebot geschaffen hat und die Finanzierung geklärt hat, sollte man sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Gerade Frauen neigen dazu, kritischen Stimmen zu viel Gewicht zu verleihen. Deshalb ist es sinnvoll sich Rat zu suchen bei den richtigen Menschen. Und dann wagt man den Sprung ins kalte Wasser und schwimmt einfach! Selbständigkeit ist immer auch ein Risiko, aber eben auch große Freiheit.

Zur Person

Dr. Ulrike Rausch-Rieß

Dr. Ulrike Rausch-Rieß ist Gründerin und Geschäftsführer einer PR-Agentur. Bereits seit über 25 Jahren ist sie im Bereich PR und Kommunikation tätig. Die promovierte Musikwissenschaftlerin, Germanistin und Philosophin begann ihre Karriere als Redakteurin beim SWR, arbeitete als PR-Chefin in zwei mittelständischen Full-Service-Agenturen. Seit 2019 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der Nürnberger Kommunikations-Agentur Dreiklang GmbH und unterrichtet als Gast-Dozentin am Campus M21 in Nürnberg.

Céline Parunanthu

Céline Parunanthu ist Gründerin und Geschäftsführerin der Agentur Dreiklang in Nürnberg. Die studierte Politikwissenschaft arbeitete unter anderem in der Kommunikationslandschaft des politischen Berlins, bevor sie 2011 in den Bereich Werbung und PR wechselte. Zu ihren Kunden gehörten namhafte Hersteller genauso wie wohltätige Organisationen oder die öffentliche Hand. Seit 2019 verantwortet sie mit der Dreiklang GmbH die Kommunikation von Kunden in ganz Deutschland sowie im EU In- und Ausland.

Zur Autorin

Luisa Lippert

Referentin Wirtschaft & Politik

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luisa.lippert@mittelstandsbund.de