19.01.2026

Arbeit & Bildung

Warum die Regierung jetzt unternehmerische Bildung fördern muss

Ein Kommentar von Luisa Lippert, Fachreferentin für den Bereich Arbeit & Bildung

Die Nachfolgelücke im Mittelstand wächst dramatisch. In den kommenden Jahren stehen hunderttausende Unternehmensübergaben an – doch es gibt einfach zu wenige junge Menschen, die etablierte Betriebe übernehmen können. Hinzu kommen Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt: Viele junge Menschen suchen einen Ausbildungsplatz, während gleichzeitig zahlreiche Stellen unbesetzt bleiben. Dies verschärft den Fachkräftemangel.  

Und auch bei den Unternehmensgründungen hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Es gibt also eine Reihe von Herausforderungen. Unternehmerische Bildung kann ein wesentlicher Teil der Lösung sein.  

Ohne Menschen mit unternehmerischer Haltung und Entscheidungskompetenz drohen Betriebsaufgaben, der Verlust regionaler Wertschöpfung und eine Schwächung der wirtschaftlichen Resilienz. Deshalb braucht es jetzt frühzeitige unternehmerische, wirtschaftliche und projektbezogene Bildung.Eine  ifo-Studie (2025) belegt, dass verpflichtender Wirtschaftsunterricht die Wahrscheinlichkeit späterer unternehmerischer Aktivität um etwa vier Prozentpunkte erhöht.  

Unternehmerische Bildung kann Orientierung schaffen, realistische Erwartungen fördern und die Übergänge von Schule in Ausbildung, Selbstständigkeit oder Unternehmensnachfolge erleichtern. Aber damit das gelingt, sind klare strukturelle Weichenstellungen seitens der Politik notwendig. Dazu zählen insbesondere drei Maßnahmen:  

  1. Verbindlicher und länderübergreifender Wirtschaftsunterricht ab der Mittelstufe, praxisorientiert und alltagsrelevant.  
  2. Systematische Kooperationen zwischen Schulen, Unternehmen und Selbstständigen, um Unternehmertum erfahrbar zu machen.  
  3. Gezielte Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften, denn sie sind der entscheidende Hebel für erfolgreiche unternehmerische Bildung.  

Der Internationale Tag der Bildung am 24. Januar sollte Anlass sein, das bildungspolitische Bekenntnis zur Förderung von unternehmerischem Denken nicht nur zu bekräftigen, sondern in konkrete Maßnahmen zu überführen. Denn unternehmerische Bildung ist der Schlüssel sowohl für individuelle Zukunftschancen als auch für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. 

Zur Autorin

Luisa Lippert

Referentin Wirtschaft & Politik

0211 200525-38
luisa.lippert@mittelstandsbund.de