17.09.2026

Digitalisierung

Drei Fragen an DMB-Mitglied Daniel Pieper: „Der AI Act bedeutet mehr Prüfaufwand in jedem Kundenprojekt“

Daniel Pieper, CEO der Second Elements GmbH

Die konkreten Auswirkungen des AI Acts auf die Marketingdienstleistungen für seine Agentur, erläutert Daniel Pieper, CEO der Second Elements GmbH, im DMB-Interview.

DMB: 1. Welche konkreten Auswirkungen hat der AI Act auf Ihre Marketingdienstleistungen?

Daniel Pieper: Der AI Act betrifft uns überall dort, wo wir KI produktiv einsetzen. In unserem Fall etwa bei personalisierter Werbung und automatisch erstellten Content oder unserem Chatbot. Dieser muss zu Beginn ansagen, dass es sich um einen Chatbot handelt, auch wenn das für viele Nutzer ersichtlich ist.

Für unsere Arbeit bedeutet der AI Act konkret: Wir achten vermehrt darauf, KI-Unterstützung kenntlich zu machen. Daraus resultiert, dass wir jedoch mehr Kennzeichnungs- und Dokumentationsaufwand in jedem Kundenprojekt haben.

 

„Der AI Act ist eine gute Idee bei echten Risiken, aber überzogen bei einem einfachen Werbetext.“

Daniel Pieper, CEO der Second Elements GmbH

2. Inwiefern schafft der AI Act aus Ihrer Sicht mehr Transparenz für Verbraucher und wo führt er zu unnötigem Aufwand für Ihr Unternehmen?

Mehr Transparenz im Umgang mit KI begrüße ich ausdrücklich. Verbraucher sollten wissen, wenn sie mit einem Bot sprechen oder wenn ein Video nicht die Realität abbildet.

Allerdings unterscheidet die Regelung nicht ausreichend zwischen Aufwand und Nutzen für eine Agentur mit unter 50 Beschäftigten.

Unnötig wird es, wenn ein simples Marketing-Textmodul für einen Kunden denselben Kennzeichnungsgrad verlangt wie ein virales Video für die breite Öffentlichkeit.

Da der Einsatz von KI in Bewerbungsverfahren strengen Vorgaben der hohen Risikostufe unterliegt, nutzen wir kaum KI im Personalbereich. Die notwendige menschliche Prüfung und Dokumentation kann die durch KI erwartete Zeitersparnis wieder aufzehren.
 

3. Welche politische Maßnahme oder Nachbesserung würde die Umsetzung des AI Act für Ihr Unternehmen spürbar erleichtern?

Eine Bagatellgrenze für risikoarme Standard-Use-Cases, damit einfache Anwendungen wie Textentwürfe oder interne Recherche nicht denselben Dokumentations- und Prüfaufwand auslösen wie sensible Hochrisiko-Anwendungen. Dann brauche ich keine Rechtsprüfung für jedes Textmodul oder unseren Chatbot mehr.

Darüber hinaus wünsche ich mir klare Vorschriften, welche Fälle unter welche Vorgabe fallen. Transparenz ist wichtig, aber die aktuelle Regelung machtunsere Arbeit noch unnötig komplexer.

Sind Sie auch DMB-Mitglied und möchten Ihr Unternehmen in unserem Format ‚Drei Fragen an...‘ vorstellen? Oder haben Sie ein konkretes Praxisbeispiel aus dem Betriebsalltag? Melden Sie sich direkt bei unserem Fachreferenten Patrick Schönowski.

Zum Autor

Patrick Schönowski

Referent Digitalpolitik

Ansprechpartner für den Kompetenzbereich Digitalisierung

patrick.schoenowski@mittelstandsbund.de
030 220048-333