04.08.2026
AI Act: KI-Transparenzpflichten in Kraft – Bund und Länder müssen Informationslücken schließen, um KI-Nutzung nicht auszubremsen
Mit Blick auf die neuen Transparenzpflichten des europäischen AI Act, die am 2. August 2026 in Kraft getreten sind, fordert der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) ein KI-Aktionsprogramm für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Der Verband appelliert an Bund und Länder, die KI-Bildung im Mittelstand zu stärken, die Regulierung insgesamt verständlicher zu kommunizieren und den Wissenstransfer von Forschung in die Praxis zu beschleunigen.
Der DMB unterstützt das gesellschaftspolitische Signal des AI Acts für vertrauenswürdige KI in Europa. Die EU-Regulierung schafft einen harmonisierten Rechtsrahmen im Binnenmarkt und ermöglicht mit Reallaboren innovationsfreundliche Erprobungsräume.
Doch die praktische Umsetzung sorgt jedoch für erhebliche Verunsicherung bei KMU: Zentrale Auslegungshilfen der EU wurden teilweise erst kurz vor den Umsetzungsfristen veröffentlicht und erreichten viele Unternehmen nicht direkt.
Was sich jetzt für KMU ändert
Mit den neuen Transparenzpflichten müssen Unternehmen künftig kennzeichnen, wenn Nutzer mit KI-Systemen interagieren oder wenn KI-generierte bzw. manipulierte Inhalte verbreitet werden. Das fördert zwar einerseits das Vertrauen in überwiegend menschlich erstellte Inhalte.
Anderseits bedeutet es aber für KMU weitere Pflichten und neue Risiken beim Einsatz von KI: Gerade kleinere Unternehmen, die KI einsetzen, stehen vor der zusätzlichen Aufgabe, sich eigenständig über die komplexen Regeln zu informieren und die Anforderungen individuell umzusetzen.
Die neue Regulierung fällt in eine Zeit, in der sich die Nutzung von KI in KMU deutlich dynamisch entwickelt: Der KI-Index Mittelstand des DMB zeigt, dass mehr als jedes zweite mittelständische Unternehmen (51,2 %) KI-Lösungen nutzt oder testet – ein Plus von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gleichzeitig belegt der DMB-Risiko-Report Mittelstand 2026: Nahezu ein Drittel der Befragten (28 Prozent) identifiziert KI-Unkenntnis als das größte Risiko im Bereich Innovation. Technische Unwissenheit führt bereits häufig dazu, dass KI-Projekte gar nicht erst gestartet werden. Kommt rechtliche Unkenntnis hinzu, potenziert sich das Risiko. Viele kleine Unternehmen brechen ihre KI-Vorhaben bei ersten regulatorischen Unklarheiten ab.
Der DMB fordert deshalb die Bundes- und Landesregierungen auf, jetzt zu handeln:
- KI-Bildung stärken: Bund und Länder sollten gezielt KI-Bildungsangebote schaffen: Nicht nur über Förderprogramme für Unternehmen, sondern durch geeignete Weiterbildungen für alle Beschäftigten. Damit nicht jedes Unternehmen ein eigenes Bildungsprogramm konzipieren und umsetzen muss, sollten bestehende Angebote wie die Mittelstands-Digital Zentren intensiviert und finanziell ausgebaut werden.
- Regulierung verständlicher kommunizieren: Die Bundesregierung sollte auf europäischer Ebene weiter darauf hinwirken, dass die KI-Gesetzgebung für den Mittelstand praxisnäher und weniger komplex wird. Wo Regulierung notwendig ist, müssen Unternehmen früh und einfach informiert werden. Leicht verständliche Leitfäden und Handreichungen sollten rechtzeitig vor Inkrafttreten von neuen Regeln veröffentlicht werden. Die Bundesnetzagentur sollte als nationale Aufsichtsbehörde hier noch stärker in den Vordergrund rücken.
- Wissenstransfer zwischen Forschung und Unternehmen ausbauen: Bund und Länder sollten sicherstellen, dass bestehende Transferprojekte im Automatisierungsbereich ausgebaut und neue Anreize für den Praxisbezug geschaffen werden. Damit der Wissenstransfer in der Breite gelingt, müssen mehr aktive Netzwerke im ländlichen Raum auf- und ausgebaut werden.
Ob der AI Act Innovation ermöglicht oder hemmt, entscheidet sich an seiner Umsetzung und an zusätzlichen Unterstützungsmaßnahmen. Wettbewerbsnachteile entstehen vor allem aus unklarer Kommunikation über Vorgaben und mangelnden Informations- und Unterstützungsangeboten. Der Mittelstand darf bei der KI-Transformation nicht allein gelassen werden.



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