11.11.2025

Digitalisierung

Cyberangriffe bremsen das Wirtschaftswachstum

Cyberangriffe treffen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Rund 80 Prozent der gemeldeten Fälle richteten sich gegen sie. Laut dem aktuellen Lagebericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nehmen kleinere, aber häufigere Angriffe zu.

Damit die angespannte IT-Sicherheitslage nicht zur Wachstumsbremse wird, benötigen KMU gezielte Unterstützung.

Viele Unternehmen sind aufgrund begrenzter Ressourcen besonders verwundbar. Das BSI bemängelt in seinem aktuellen Lagebericht, dass kleinen Unternehmen oft das Bewusstsein für ihre Attraktivität als Angriffsziel fehlt und einfache Schutzmaßnahmen oft nicht bekannt sind. Doch selbst gut informierte Unternehmerinnen und Unternehmer stoßen auf Hürden: Der Ausbau technischer Schutzmaßnahmen bindet Investitionsmittel, die aus Wettbewerbsgründen eher in effizientere Maschinen fließen. Gleichzeitig erschwert der Fachkräftemangel die Rekrutierung von IT- und IT-Sicherheitsexperten. Bund und Länder stehen deshalb in der Verantwortung, KMU gezielt bei der Prävention und Stärkung ihrer digitalen Widerstandsfähigkeit zu unterstützen.

Ein häufiger Einwand lautet, Investitionen in IT-Sicherheit steigerten das Wirtschaftswachstum nicht direkt. Das Gegenteil ist der Fall, denn die jährlichen Schäden durch Cyberangriffe in Deutschland sind enorm: Sie entsprechen fast fünf Prozentpunkten des Bruttoinlandsprodukts. Ein Teil dieser verlorenen Mittel ließe sich gezielt in Prävention – wie moderne Technik, Schulungen und Fachkräfte – investieren. So lassen sich nicht nur zukünftige Verluste vermeiden, sondern auch neue Wachstumsimpulse setzen.

Cyberattacke belastet britische Konjunkturprognose

Ein aktuelles Beispiel zeigt die realen wirtschaftlichen Folgen eines Cyberangriffs: Die Bank of England hat ihre Quartalsprognose für das BIP-Wachstum um 0,1 Prozentpunkte nach unten gesenkt. Erstmals begründete sie diese Anpassungen mit den Folgen eines Cyberangriffs, in diesem Fall auf Jaguar Land Rover, sowie einer nachlassenden US-Exportnachfrage.

Staatliche Maßnahmen können IT-Systeme der deutschen Wirtschaft nicht vollständig schützen. Dennoch braucht es mehr politischen Willen, um die wirtschaftlichen Folgen der Cyberkriminalität zu bekämpfen. Notwendig sind gezielte Informationsangebote, Investitionsanreize und eine stärkere Förderung von Fachkräften, damit KMU im Kampf gegen digitale Bedrohungen nicht auf sich allein gestellt bleiben.

Zur Person

Patrick Schönowski

Referent Wirtschaft und Politik