27.05.2026
„Das eigentliche Risiko entsteht, wenn Innovation ohne Strategie eingesetzt wird“

Marco Firll, Geschäftsleitung bei der Kölner Digitalagentur VANCADO AG
KI verändert derzeit ganze Branchen. Besonders stark spürt das die Digital- und Kommunikationswirtschaft. Neue Tools, automatisierte Prozesse und steigender Wettbewerbsdruck sorgen für tiefgreifende Veränderungen. Im Interview spricht Marco Firll von der Kölner Digitalagentur VANCADO über den aktuellen Innovationsdrang und die Risiken, die damit einhergehen.
DMB: Innovationsrisiken werden von KMU eher weniger priorisiert. Welche Rolle spielt Innovation aktuell in Ihrem Unternehmen?
Marco Firll: Innovation gehört für uns seit Jahren zum Alltag. Gerade als Digitalagentur müssen wir Entwicklungen früh erkennen und bewerten. Entscheidend ist dabei nicht, jedem Trend sofort zu folgen, sondern früh zu erkennen, welche Entwicklung für Kunden tatsächlich relevant, sicher und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Beim Thema KI wird dieser Anspruch besonders konkret. Es gilt zu prüfen, welche Chancen sich daraus für Kommunikation, Prozesse und digitale Produkte ergeben - aber auch, wo Grenzen, Risiken und Qualitätsfragen liegen. Der aktuelle Markt zeigt sehr deutlich: Nicht jedes neue Tool ist automatisch ein sinnvoller Fortschritt.
Welche Risiken sehen Sie aktuell beim Thema KI?
Die größte Herausforderung ist die Dynamik. Gefühlt erscheint jeden Tag ein neues Tool, ein Versions-Update oder ein neuer Anbieter. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das einen enormen Aufwand, weil man ständig prüfen muss, was wirklich sinnvoll, sicher und wirtschaftlich tragfähig ist.
Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass KI alles einfacher macht. Genau darin liegt aber auch ein Risiko. Viele Unternehmen starten sehr unkoordiniert. Einzelne Mitarbeitende nutzen plötzlich KI-Tools, ohne ausreichendes Verständnis, klare Regeln oder Strategie.
Welche Folgen kann das haben?
Kurzfristig kann KI Prozesse beschleunigen. Langfristig zählt aber, ob die Ergebnisse auch belastbar sind. Wir sehen immer wieder, dass Inhalte, Kampagnen oder Plattformen schnell entstehen, später aber nicht auf die eigentlichen Marketing- und Vertriebsziele einzahlen. Dann wurde zwar Tempo gewonnen, aber keine nachhaltige Wirkung erzielt.
Das eigentliche Risiko ist aus unserer Sicht nicht die KI selbst. Das Risiko entsteht, wenn Innovation ohne Erfahrung, Qualitätsanspruch und klare Verantwortlichkeiten eingesetzt wird.
Verändert KI auch den Wettbewerb?
Definitiv. Die Einstiegshürden sind deutlich niedriger geworden. Viele Anbieter verkaufen heute KI-Lösungen, obwohl oft gar keine tiefere fachliche Kompetenz vorhanden ist.
Dadurch entsteht enormer Preisdruck. Für Agenturen wie uns ist das herausfordernd, weil wir unseren Kunden weiterhin substanzielle und nachhaltig wirksame Lösungen anbieten wollen.
KI sorgt zwar auch bei uns für klare Effizienzeffekte, wir investieren darüber hinaus jedoch viel Zeit in Beratung und technische Qualitätssicherung. Das ist aufwendiger als schnelle Standardlösungen, aber langfristig der sinnvollere Weg.
Was empfehlen Sie mittelständischen Unternehmen?
Unternehmen sollten Innovationen strategisch organisieren. Es braucht klare Ansprechpartner, Austausch und Verantwortlichkeiten im Unternehmen.
Besonders wichtig ist, dass Wissen gebündelt wird. Sonst entstehen viele Einzellösungen und jeder macht eigene Erfahrungen, ohne dass das Unternehmen insgesamt davon profitiert.
KI kann enorme Chancen bieten. Aber nicht jedes Tool, auf dem KI draufsteht, löst auch ein Problem. Unternehmen sollten Technologie nicht als kurzfristigen Hype betrachten, sondern als langfristige Veränderung, die strukturiert begleitet werden muss.


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