25.09.2025
"Hitzewellen und Dürren kosten die deutsche Wirtschaft schon heute rund 10 Mrd. Euro pro Jahr"

Begrünte Dächer tragen dazu bei, die Umgebungsluft zu kühlen.
Warum kleine und mittlere Unternehmen (KMU) jetzt in den Schutz vor Klimaschäden investieren sollten, erklärt Daniel Schmitz-Remberg im Interview. Er zeigt, wie Klimaanpassung nicht nur Risiken minimiert, sondern echte Wettbewerbsvorteile schafft – mit klaren Zahlen, Beispielen aus der Praxis und konkreten Lösungsansätzen.

Herr Schmitz-Remberg, warum sollten KMU in den Schutz vor Klimaschäden investieren?
Daniel Schmitz-Remberg: Ich weiß, dass gerade viele KMU enorm gefordert sind: Energiepreise, Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten oder neue Regulierungen – die Liste ist lang. Umso verständlicher ist es, dass Klimaanpassung nicht ganz oben auf der Agenda steht. Gleichzeitig gibt es eine bittere Klarheit: Während Handelsabkommen, Zölle oder Märkte volatil bleiben, ist eines ziemlich sicher – die Auswirkungen des Klimawandels werden sich verstärken. Hitzewellen, Dürren und Starkregen sind nicht hypothetisch, sondern planbar. Genau darin liegt die Chance für KMU: Wer sich früh vorbereitet, kann nicht nur Schäden begrenzen, sondern Geschäftskontinuität sichern und im Wettbewerb robuster auftreten. Resilienz ist kein Zusatzthema, sondern ein Kernfaktor für Zukunftsfähigkeit.
Sind Investitionen in Klimaschutz nicht auch ausreichend?
Klimaschutz ist unverzichtbar – aber er reicht nicht aus. Selbst wenn wir morgen klimaneutral wären, nehmen Extremwetter in den nächsten Jahrzehnten weiter zu. Oft hören wir, dass wir mit Green Tech das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen können. Doch die Weltmeteorologie-Organisation hat bestätigt, dass dieses Ziel absehbar verfehlt wird. Darum braucht es eine zweite Ebene: die individuelle Resilienz unserer Unternehmen. Anpassungsstrategien bringen heute schon handfeste Vorteile – von stabileren Lieferketten bis zu gesicherter Produktivität. Um zu zeigen, dass Anpassung konkret machbar ist, kuratiere ich im Adaptation10 Newsletter jeden Monat zehn Technologien, die Unternehmen direkt einsetzen können, um sich entlang der Wertschöpfungskette besser anzupassen.

Wie hoch sind die Schäden und welche Kosten kommen auf Unternehmen zu?
Die Schäden sind längst Realität: In meinem Interview mit dem Harvard Business Manager habe ich aufgezeigt, dass Hitzewellen und Dürren die deutsche Wirtschaft schon heute rund 10 Mrd. Euro pro Jahr kosten – allein durch Produktivitätsverluste und Produktionsausfälle. Noch gravierender sind die indirekten Effekte, wenn Lieferketten stillstehen und ganze Wertschöpfungsketten ins Stocken geraten. Solche Unterbrechungen führen binnen Tagen zu Millionenverlusten. Der Ausblick ist eindeutig: Wir steuern auf deutlich steigende jährliche Schäden zu. Mit dem EHAB Heatwave Economic Impact Forecast haben wir daher ein Instrument entwickelt, das auf Basis eines 15-Tage-Rolling Forecasts die ökonomischen Effekte von Hitzewellen auf das BIP sichtbar macht – und Unternehmen ermöglicht, rechtzeitig gegenzusteuern.

Nach wie viel Jahren amortisieren sich Investitionen in den Schutz vor Klimaschäden?
Anpassungsinvestitionen bringen schnelle und große Wirkung. Laut World Resources Institute (WRI) liefern Investitionen in Klimaanpassung über zehn Jahre einen Ertrag von 10,50$ pro investiertem Dollar - gemessen in vermiedenen Schäden, wirtschaftlichem Mehrwert und gesellschaftlicher Wirkung. Auch die OECD bestätigt: Die durchschnittliche BenefitCostRatio liegt bei über 10:1, je nach Sektor. Die World Bank-GCA-Analyse ergänzt: für jeden US-Dollar in Frühwarnsysteme investiert, können bis zu 16$ zurückfließen – jährlich. Konkret bedeutet das im Mittelstand: Eine technische Maßnahme wie Hochwasserschutz oder smarte Kühlung amortisiert sich meist in 3–7 Jahren – ähnlich wie bei organisierten Abläufen wie Lieferketten-Diversifizierung. Wirtschaftlicher Schutz in Echtzeit. Das ist Resilienz, die sich rechnet – finanziell und strategisch.
Welche Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogramme gibt es?
Natürlich gibt es Förderprogramme: vom BMUV über die KfW bis hin zu Landesmitteln und EU-Programmen wie LIFE. Das hilft, einzelne Maßnahmen leichter umzusetzen. Aber aus meiner Sicht ist die eigentliche Förderung eine andere: Wenn ich meine Wertschöpfungsketten langfristig widerstandsfähiger mache, sichere ich Aufträge, senke Risiken und gewinne im Wettbewerb. Genau das bringt die Rendite – und geht weit über einen Zuschuss hinaus. Banken und Versicherungen bewerten resiliente Unternehmen zunehmend besser, weil sie stabiler sind. So wird Anpassung nicht nur durch Programme gefördert, sondern durch den Markt selbst: als echter Wettbewerbsvorteil.



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