13.08.2025

Energiewende

Warum Klimaanpassung für KMU überlebenswichtig ist

Extreme Wetterereignisse können sehr teuer für KMU werden.

Hitzewellen, Starkregen, Lieferengpässe – der Klimawandel ist längst Realität. Doch viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterschätzen noch immer die konkreten Auswirkungen auf ihr Geschäft. Warum Klimaanpassung keine Kür, sondern Pflicht ist – und welche Chancen sich dabei bieten –, erklärt Klimaanpassungsexpertin Birgit Georgi-Haake in diesem Beitrag.

Die Baubranche ist Wettereinflüssen besonders ausgesetzt.

Leider beobachte ich häufig, dass Unternehmen – gerade im Mittelstand – ihre Verwundbarkeit gegenüber Klimafolgen unterschätzen. Hitze senkt etwa die Leistungsfähigkeit in Innenräumen massiv: Bei 30 Grad Celsius sinkt die Produktivität um rund 9 % im Vergleich zu 24 Grad Celsius. Im Außenbereich, z. B. auf dem Bau oder Dach, wird es noch viel heißer und dort steigt das Unfall- und Gesundheitsrisiko zusätzlich.

Wetterextreme sind keine Zukunftsmusik

Aber es geht weit darüber hinaus. Denken Sie an eine Kaffeerösterei: Die Produktionsprozesse bringen ohnehin schon viel Hitze mit sich – zusätzliche Hitze von außen macht die Arbeitsbedingungen unerträglich und treibt die Kühlkosten in die Höhe. Gleichzeitig führen Extremwetter in Anbauländern zu Ernteausfällen – die Preise für Kaffeebohnen explodieren.

Oder ein anderes Beispiel: Ein Binnenschiff kann bei Niedrigwasser nur noch ein Viertel seiner Ladung transportieren. Wer zahlt dann den vierfachen Preis für den Transport? Wohl kaum der Kunde – der wechselt eher den Anbieter.

Diese Entwicklungen sind keine Zukunftsmusik – sie passieren heute. Doch viele Unternehmen warten noch immer ab, verlassen sich auf Kommunen oder handeln nur im Notfall. Systematische Klimaanpassung ist bisher leider die Ausnahme.

Klimaschutz allein reicht nicht aus

Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass Klimaschutz und Klimaanpassung das Gleiche sind, dabei sind es zwei verschiedene Strategien, mit dem Klimawandel umzugehen. Beide sind wichtig, aber nicht austauschbar. Energiesparmaßnahmen senken CO₂-Emissionen – schützen aber weder vor Überflutungen noch vor hitzebedingten Arbeitsausfällen. 

Wir müssen den Klimawandel eindämmen und uns zugleich an seine unvermeidbaren Folgen anpassen. Dafür braucht es unterschiedliche Strategien und Maßnahmen.
 

Systematisches Vorgehen ist entscheidend

Pauschale Maßnahmen bergen die Gefahr von Fehlinvestitionen. Eine Maßnahme, die bei einem Unternehmen wirksam ist, kann bei der nächsten Firma völlig ins Leere laufen. Viel wichtiger ist ein systematischer Blick auf die spezifischen Risiken:

  • Welche Klimafolgen sind am Standort wahrscheinlich?
  • Welche Prozesse, Standorte, Materialien oder Lieferketten sind besonders verwundbar?
  • Wo ist also der Handlungsdruck am größten?
Dürre und Trockenheit bedrohen die Schifffahrt.
Begrünte Firmenflächen tragen zu einer kühleren Umgebungstemperatur bei.

Klimaanpassung als Chance

Und: Klimaanpassung ist nicht nur Risikovermeidung. Sie bietet auch Chancen! Unternehmen können neue Geschäftsfelder erschließen, etwa mit Produkten, die auch bei Hitze funktionieren, oder energieeffizienter Kühltechnik. Begrünte Firmengelände erhöhen die Standortattraktivität – für Mitarbeitende ebenso wie für Kunden. Einige Unternehmen berichten mir, dass solche Maßnahmen sogar ein entscheidender Faktor bei der Fachkräftegewinnung waren.

Fünf Tipps für KMU, die direkt starten wollen – auch mit begrenzten Ressourcen

  1. Nicht warten! Jede weitere Hitzewelle oder jedes Starkregenereignis ohne Vorbereitung erhöht das Risiko – und die Kosten. Jetzt handeln schafft langfristige Sicherheit.
  2. Systematisch vorgehen statt improvisieren. Statt ad-hoc-Maßnahmen empfiehlt sich eine strukturierte Analyse der eigenen Risiken und Potenziale.
  3. Ressourcen gezielt einsetzen. Identifizieren Sie, wo Sie selbst aktiv werden können – und wo externe Beratung hilft, teure Fehlentscheidungen zu vermeiden.
  4. Belegschaft einbinden. Ihre Mitarbeitenden, Lieferanten oder Kunden haben oft wertvolle Erfahrungen und Ideen. Nutzen Sie dieses Wissen!
  5. Mit Quick-Wins starten. Erste Maßnahmen wie Notfallpläne, Arbeitszeitmodelle bei Hitze oder grüne Pausenflächen lassen sich oft schnell und kostengünstig umsetzen – mit großer Wirkung.
     

Selbsttest

Birgit Georgi-Haake bietet Unternehmen auf ihrer Webseite die Möglichkeit, einen Selbsttest durchzuführen, mit dem sich die eigene Ausgangslage einfach abschätzen lässt.

Zur Autorin

Birgit Georgi-Haake

Birgit Georgi-Haake ist erfahrene Klimaanpassungsexpertin und berät Unternehmen sowie Kommunen europaweit bei der Entwicklung wirksamer Strategien zum Umgang mit Klimafolgen. Über ein Jahrzehnt prägte sie das Thema Klimaanpassung bei der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen. Seit 2017 begleitet sie mit ihrem Beratungsunternehmen „Strong in a changing climate“ Organisationen dabei, ihre Resilienz zu stärken und neue Chancen zu erschließen. Birgit Georgi-Haake hat zudem erfolgreich den Zertifikat-Lehrgang Klima.Profit.NRW-Beraterin absolviert, einer Initiative des Landes NRW zur Unterstützung von Unternehmen bei der Klimaanpassung.

Foto: Mikko Seppinen