08.09.2025
Der richtige Zeitpunkt ist jetzt – Investition in Digitalisierung und Innovation – KfW-Abteilungsleiter Produktmanagement Daniel Rode im Gespräch
Wer wartet, verliert Zeit – und Wettbewerbsvorteile. Wie KMU gezielt investieren, Fördermittel effektiv nutzen und bürokratische Hürden meistern, erläutert Daniel Rode, Abteilungsleiter Produktmanagement Mittelstandsbank bei der der KfW.

Daniel Rode, KfW
»Mein wichtigster Tipp ist, zukunftsorientiert zu handeln und notwendige Investitionen nicht aufzuschieben.«
DMB: Wie bewerten Sie aktuell das Investitionsverhalten des deutschen Mittelstands? Welche Entwicklungen beobachten Sie insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen?
Daniel Rode:Das Investitionsverhalten von Unternehmen zeigt ein gemischtes Bild. Die aktuell schwierigen Rahmenbedingungen schmälern die Investitionsbereitschaft des Mittelstands. Der Anteil der Unternehmen mit Investitionsprojekten lag zuletzt bei 39 Prozent und kratzt damit knapp am Allzeittief.
Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen. Der deutsche Mittelstand bewegt sich im Bereich der Digitalisierung in die richtige Richtung. Der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die bereits Digitalisierungsvorhaben abgeschlossen haben, ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Das zeigt, dass viele Unternehmen bereit sind, in ihre digitale Zukunft zu investieren. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands ist das ein ermutigendes Zeichen.
Im Interview erfahren Sie unter anderem:
- → Was sind die größten Neuerungen der ERP-Förderkredite Digitalisiserung und Innovation?
- → Was bringt der neue Digitalisierungs-Check konkret – und für wen ist er Pflicht?
- →Welche Zuschüsse sind möglich – und wie holt man das Maximum raus?
- → Ist der neue ERP-Förderkredit ein Wendepunkt für den Mittelstand?
- → Worauf sollten KMU bei der Antragstellung besonders achten?
Wo sehen Sie die größten Hürden und Hemmnisse für Investitionen im Mittelstand? Sind es eher finanzielle, regulatorische Hindernisse oder eher Informationsdefizite bzw. Unsicherheit?
Die derzeit größten Hürden für Investitionen im Mittelstand sind die hohen Energie-, Material- und Lohnkosten sowie die schwierige konjunkturelle Lage. Diese Faktoren stehen ganz oben auf der Liste der Investitionshemmnisse und belasten die Unternehmen erheblich. Hinzu kommen gesetzliche Vorgaben bzw. bürokratische Hürden.
Auch die Finanzierung ist häufig ein Grund für Zurückhaltung bei Investitionen. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten dabei, ihre Innovations- und Digitalisierungsvorhaben zu finanzieren, da diese oft mit Unsicherheiten und Risiken verbunden sind. Die Kombination dieser verschiedenen Faktoren macht deutlich, dass gezielte Maßnahmen erforderlich sind, um die Investitions- und Innovationsbereitschaft im Mittelstand zu fördern.
Seit dem 1. Juli 2025 bietet die KfW die neuen Programme ,ERP Förderkredit Digitalisierung‘ und ,ERP Förderkredit Innovation‘ an. Was sind die größten Neuerungen im Vergleich zu den bisherigen Krediten – und für wen eignet sich welches Programm?
Die beiden neuen Kreditprogramme bringen einige Neuerungen mit sich. Die Höhe der Förderung ist in drei Stufen unterteilt. Diese richten sich nach dem Digitalisierungs- oder Innovationsgrad sowie der Größe des Vorhabens.
Mit der neuen Basisförderung bieten wir einen niedrigschwelligen Zugang zu günstigen Finanzierungsmöglichkeiten. Die höheren Förderstufen LevelUp und HighEnd ermöglichen die Finanzierung anspruchsvoller Vorhaben zu noch günstigeren Konditionen und ergänzen diese durch einen Zuschuss.
Da es keinen Mindestkreditbetrag gibt, können Unternehmen auch mit kleineren Beträgen gezielt in Digitalisierung und Innovationen investieren. Die Programme eignen sich aufgrund der vielfältigen Finanzierungsmöglichkeiten sowohl für den Handwerksbetrieb um die Ecke als auch für den großen Mittelständler. Hinzu kommt der neu entwickelte Digitalisierungs-Check.
Was genau versteht man unter dem ,Digitalisierungs Check‘? Wie läuft dieser ab und ist er eine Voraussetzung für die Förderung im Rahmen des Digital-Kredits?
Der KfW Digitalisierungs-Check ist ein Tool zur Selbsteinschätzung, das auch unabhängig vom Kreditangebot genutzt werden kann. Er unterstützt Unternehmen dabei, ihren aktuellen Digitalisierungsstand zu ermitteln. Der Check bietet einen kostenlosen Überblick über den Status quo der Digitalisierung im eigenen Unternehmen und liefert konkrete Vorschläge, wie diese weiter vorangetrieben werden kann. Zusätzlich stellen wir Praxisbeispiele anderer Unternehmen zur Verfügung, die bereits erfolgreich in ihre Digitalisierung investiert haben. Die Beantwortung der Fragen dauert etwa 20 Minuten und erfolgt anonym. Der Check ist für kleine und mittlere Unternehmen verpflichtend, um die Basisförderung des ERP-Förderkredits Digitalisierung in Anspruch nehmen zu können.
Können Sie praktische Tipps geben, wie KMU ihre Erfolgschancen und den Förderumfang konkret maximieren? Gibt es Kombinationen mit anderen öffentlichen Finanzierungsquellen, die Sie empfehlen?
Bei anspruchsvolleren Vorhaben profitieren sie von höheren Förderstufen mit größeren Kreditbeträgen und attraktiveren Zuschüssen. Der ERP-Förderkredit Digitalisierung bietet bereits für einfache IT-Vorhaben eine günstige Finanzierung. Bei ambitionierteren Vorhaben, wie der digitalen Transformation oder der IT-Sicherheit, sinken die Zinsen und Unternehmen erhalten einen ergänzenden Zuschuss. Dabei gilt: Je größer das Vorhaben im Verhältnis zum Unternehmensumsatz ist, desto höher fällt die Förderung aus. Gleiches gilt auch für den ERP-Förderkredit Innovation.
Die KfW bietet einen Stufencheck an. Mit wenigen Klicks zeigt dieser auf, von welcher Förderung das Vorhaben profitieren kann. Die KfW-Kreditprogramme können im Rahmen der zulässigen Beihilfeobergrenzen mit anderen Förderprogrammen kombiniert werden.
Ist der ,ERP Förderkredit Digitalisierung‘ ein echter Game Changer für den Mittelstand? Oder sehen Sie weiterhin strukturellen Reformbedarf, um Investitionen in Digitalisierung und Innovation wirklich nachhaltig zu stärken?
Der ERP-Förderkredit Digitalisierung bietet dem Mittelstand eine wichtige Unterstützung bei der Finanzierung von Digitalisierungs- und Innovationsprojekten. Da diese Vorhaben oft kostenintensiv sind, ist das Angebot ein wichtiger Baustein, damit sich der deutsche Mittelstand auch in Zukunft wettbewerbsfähig aufstellen kann.
Allerdings gibt es weiterhin strukturellen Reformbedarf. Um die Rahmenbedingungen für Investitionen in Digitalisierung und Innovation nachhaltig zu verbessern, müssen wir die Bürokratie vereinfachen, die digitale Infrastruktur ausbauen und die digitale Kompetenz in den Unternehmen stärken. Damit stellen wir sicher, dass die Investitionen langfristig wirken und der Mittelstand im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig bleibt.
Wie aufwändig ist die Antragstellung in der Praxis? Wo sehen Sie Stolpersteine und wie können Unternehmen diese vermeiden?
Die Antragstellung erfolgt relativ unkompliziert über die Hausbank. Dabei ist zu beachten, dass der Antrag vor Beginn des Vorhabens bei der Hausbank gestellt werden muss. Der Zuschuss kann zusammen mit dem Kredit oder bis zu drei Monate danach beantragt werden und steht nach Auszahlung des Kredits zur Verfügung. Vor der Antragsstellung für die Basisförderung des ERP-Förderkredits Digitalisierung muss der Digitalisierungs-Check durchgeführt werden.
Ich empfehle, sich über die genaue Vorgehensweise bei der Hausbank vor Ort beraten zu lassen bzw. sich vorab selbst zu informieren. So stellen Unternehmen sicher, dass sie alle erforderlichen Unterlagen bereit haben und die Antragsstellung reibungslos verläuft.
Was ist Ihr wichtigster Tipp an mittelständische Unternehmen, die jetzt investieren wollen – aber noch zögern?
Mein wichtigster Tipp ist, zukunftsorientiert zu handeln und notwendige Investitionen nicht aufzuschieben. Nehmen Sie sich die Zeit, die aktuelle Situation zu analysieren und Bereiche zu identifizieren, in denen eine Digitalisierung sinnvoll wäre. Der KfW Digitalisierungs-Check kann Ihnen dabei helfen, klare Ziele zu setzen und den richtigen Fokus zu finden. Sprechen Sie auch mit Ihrer Hausbank über die verfügbaren Fördermöglichkeiten. Wichtig ist: Investitionen in Digitalisierung und Innovation stärken nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern können auch langfristig zu Kosteneinsparungen und mehr Effizienz führen.


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