10.11.2017
Gerettet in letzter Minute: Wie ein Investor Hartmut Tenglers Lebenswerk bewahrte

Vor zwei Jahren stand Hartmut Tengler vor dem Albtraum jedes erfahrenen Unternehmers: Die Bank verweigerte dem damals 70-Jährigen einen dringend benötigten Kredit. Wobei „dringend benötigt“ fast eine Untertreibung war – der Fortbestand seines Lebenswerks hing an der Bewilligung von 300.000 Euro. Ein Großkunde hatte wiederholt nicht gezahlt und Tengler damit in eine existenzbedrohende Lage gebracht.
Umso härter traf ihn das Kopfschütteln des Bankangestellten. Auf Tenglers Nachfrage, warum er plötzlich nicht mehr kreditwürdig sei, kam die ernüchternde Gegenfrage: „Wie steht es mit der Nachfolge?“ Tengler antwortete ehrlich: Einen Nachfolger gebe es nicht mehr. Seine beiden Söhne hatten andere berufliche Wege eingeschlagen. Für die Bank bedeutete das: kein Nachfolger, kein Kredit. Damit blieb nur der Gang in die Insolvenz – ein bitterer Moment nach über vier Jahrzehnten erfolgreicher Unternehmensgeschichte.
Vom Kuhstall zur Präzisionstechnik
Die Geschichte der heutigen Tengler & Co. Präzisionstechnik GmbH begann 1978 im Sauerland – genauer gesagt im ehemaligen Kuhstall seiner Großeltern. Wo einst Milchkühe standen, entwickelte der junge Drehermeister Hartmut Tengler erste Dreh- und Frästeile. Der Durchbruch gelang mit einem drehbaren Monitorträger für Bildschirmarbeitsplätze, dem bald innovative Komponenten für den Textilmaschinenbau folgten. Mehrere Patente ebneten den Weg zu neuen Kunden und stabilen Aufträgen.
Heute fertigt Tengler & Co. auf einer Produktionsfläche von 2.000 Quadratmetern mit 21 CNC-Maschinen Präzisionsteile für Kunden aus Automobil-, Hydraulik-, Medizin- und Elektrotechnik. 22 Mitarbeitende bilden das Rückgrat des mittelständischen Betriebs – viele von ihnen seit Jahrzehnten.
Zum Unternehmen
Der Wendepunkt: Ein Investor mit Weitblick
Doch die Erfolge der Vergangenheit halfen in der Krise wenig. Mit der Insolvenz drohte die moderne Produktionsstätte Teil der Konkursmasse zu werden. Tengler brauchte Kapital – und zwar sofort.
Die Rettung kam unerwartet: Der Unternehmensberater Andreas Piechotta wurde auf die Insolvenz aufmerksam und erkannte das Potenzial des Betriebs. Beeindruckt vom Engagement des Inhabers und der Loyalität seiner Mannschaft, stellte er den Kontakt zu Hans-Dieter Kettwig, einem erfahrenen Investor, her.

„Wir haben uns auf Anhieb verstanden“, erinnert sich Tengler schmunzelnd.
„Erst später stellte sich heraus, dass wir schon früher indirekt zusammengearbeitet hatten – ich hatte Bauteile für eines seiner Unternehmen geliefert.“
Mit Kettwigs Einstieg gelang es, die Liquidität kurzfristig zu sichern, Produktionsrückstände aufzuholen und die Fertigungsstätte zurückzuerwerben. Sogar Investitionen in neue Maschinen und Personal wurden möglich. Schritt für Schritt gewann Tengler das Vertrauen seiner Kunden zurück. „Heute können wir wieder an die starke Marktposition vergangener Jahre anknüpfen“, sagt er – hörbar stolz und erleichtert.
Treue Mitarbeiter als Fundament des Erfolgs
Rückblickend ist sich Tengler sicher: Ohne seine Belegschaft hätte das Unternehmen den Neustart nicht geschafft. „Meine Mitarbeiter sind wie eine zweite Familie. Viele habe ich selbst ausgebildet – sie sind unser größter Schatz“, betont er.
Auch Berater Piechotta bestätigt: „In Tenglers Betrieb spürt man sofort Respekt, Loyalität und Professionalität. Diese Kultur macht in Krisenzeiten den Unterschied.“
Blick nach vorn: Wachstum und Nachfolge
An Ruhestand denkt der Unternehmer noch lange nicht. Die wachsende Nachfrage aus der Rüstungs- und Medizintechnikbranche eröffnet neue Chancen. „Wir müssen weiter investieren – in Entwicklung, Maschinen und Köpfe. Die Technik schläft nicht, und die Märkte verändern sich rasant“, sagt Tengler. Förderprogramme, etwa der KfW, sollen dabei unterstützen.
Die größte Herausforderung aber steht noch bevor: die Übergabe seines Lebenswerks an einen geeigneten Nachfolger. Eine ursprünglich geplante familiäre Nachfolge ließ sich aus internen Gründen nicht umsetzen.
Dass die Bank ihm damals wegen fehlender Nachfolge den Kredit verweigerte, war für ihn eine bittere, aber lehrreiche Erfahrung. „Unternehmer sollten den Nachfolgeprozess frühzeitig anstoßen“, mahnt Piechotta, „denn das stärkt Vertrauen bei Banken und Investoren gleichermaßen.“
Hartmut Tengler sucht weiter – mit Zuversicht. Und eines steht für ihn fest: Beim nächsten Gespräch mit einem Bankberater wird es kein Kopfschütteln mehr geben, sondern ein Lächeln.





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