19.09.2025

Digitalisierung

Investitionen in die digitale Transformation im Mittelstand: eine Bestandsaufnahme

Der deutsche Mittelstand hat in den vergangenen Jahren kräftig in die digitale Transformation investiert – und doch bleibt die Bilanz zwiespältig. Während größere Unternehmen digitale Vorhaben massiv vorantreiben, drohen viele kleinere Betriebe abgehängt zu werden. Der DMB hat die aktuellen Entwicklungen im Blick. 

Ein Markt in Bewegung: von 20 auf über 30 Milliarden Euro

Die Investitionen der KMU in digitale Technologien sind seit der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Laut KfW Research lag das Volumen 2020 bei rund 20 Milliarden Euro, 2021 bei 23 Milliarden, 2022 bei 29,3 Milliarden und 2023 schließlich bei 31,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Jahr 2017 haben sich die Digitalisierungsausgaben im Mittelstand mehr als verdoppelt (von 14,9 Mrd. Euro in 2017 zu 31,9 Mrd. Euro in 2023).  

Auch die durchschnittlichen Ausgaben pro Unternehmen legten in diesem Zeitraum deutlich zu. 2023 investierte ein mittelständisches Unternehmen im Schnitt etwa 25.000 Euro in digitale Projekte – rund ein Viertel mehr als noch vor der Pandemie. 

Wer investiert – und wer nicht?

Trotz steigender Summen zeigt sich: Noch immer setzt nur ein Teil der KMU tatsächlich Digitalisierungsprojekte um. Laut KfW-Research führen große Mittelständler (50 und mehr Beschäftigte) Digitalisierungsvorhaben aktuell 2,1-Mal häufiger durch als kleine (unter 5 Beschäftigte). Besonders deutlich werden die Unterschiede nach Unternehmensgröße ebenfalls bei den durchschnittlichen Investitionen:

  • Mittelständler mit über 50 Beschäftigten investieren im Schnitt über 200.000 Euro pro Jahr.
  • Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern kommen im Schnitt gerade einmal auf 8.000 Euro.

So tragen nur 2 % der Unternehmen (die großen Mittelständler) mehr als 40 % der gesamten Digitalausgaben.

Auch nach Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. Forschungsintensive Industrieunternehmen und wissensbasierte Dienstleister zählen zu den Vorreitern. Im Baugewerbe oder klassischen Handwerk dagegen setzen bislang nur rund ein Viertel der Unternehmen auf digitale Projekte. 

Staatliche Impulse: Fördermittel und Kredite

Neben Eigeninvestitionen greifen viele KMU auch auf staatliche Unterstützung zurück. Das Bundesprogramm „Digital Jetzt“ hat bis Ende 2023 rund 200 Millionen Euro an Zuschüssen bereitgestellt, von denen mehr als 5.000 Unternehmen profitiert haben. Auch das Beratungsprogramm „go-digital“ war beliebt: Laut BMWK wurden bis 2024 über 7.200 Projekte gefördert. Neue Förderlinien für KMU werden aktuell entwickelt. Und wenn Sie auf der Suche nach einem passenden Förderprogramm sind, schauen Sie doch mal in die Förderhilfe plus.

Noch wichtiger – zumindest was das Volumen angeht – sind jedoch (günstige) Förderkredite. Die neuen Programme „ERP-Förderkredit Digitalisierung“ und „ERP-Förderkredit Innovation“ sind in diesem Sommer gestartet. Grundlage ist das ERP-Sondervermögen (European Recovery Program), das zur Mittelstandsförderung in das Eigenkapital der KfW eingebracht wurde. Die neu eingeführte Stufe „Basisförderung“ richtet sich übrigens gezielt an kleinere Unternehmen, die einfache Digitalisierungsmaßnahmen oder Produkt- oder Prozessinnovationen umsetzen wollen. 

Hürden und Bremsklötze

Trotz Investitionsschub in den vergangenen Jahren bleibt die digitale Transformation insbesondere für kleinere Unternehmen ein steiniger Weg. Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt:

  • Datenschutz gilt für 88 % der Unternehmen als stärkste Bremse.
  • Fachkräftemangel betrifft drei von vier Betriebe.
  • Zeit- und Geldmangel: 60 % fehlt es an Kapazitäten im Tagesgeschäft, 55 % an finanziellen Mitteln.

Bemerkenswert: Nur noch 5 % der Unternehmen zweifeln grundsätzlich am Nutzen von Digitalisierung. Der Wille ist da – die Umsetzung scheitert jedoch zu oft an fehlenden Ressourcen.  

Dies entspricht auch in etwa den Ergebnissen des „KI-Index Mittelstand“, den der DMB gemeinsam mit dem Software-Anbieter Salesforce Anfang 2025 vorgestellt hat. Hier dominierten ähnliche Hindernisse (hier allerdings mit nur einer Antwortoption), wie etwa:  

  • Wissen: Vielen Unternehmen fehlt es an Hintergrundwissen zu konkreten Einsatzgebieten von KI (27,4 %),  
  • Unsicherheitsfaktor Regulierung: mehr als jedes fünfte Unternehmen (20,6) sieht in der unklare Gesetzeslage zur KI-Nutzung ein Hindernis.  
  • Fachkräftemangel: es fehlt an Know-how beziehungsweise an entsprechend versierten Fachkräfte (13,7 %).  

Fazit: Der Mittelstand investiert in seine digitale Transformation – aber sehr ungleich

Der Mittelstand hat in den letzten fünf Jahren einen deutlichen Investitionsschub beim Thema digitale Transformation erlebt. Doch die Zahlen zeigen auch: Vor allem große Unternehmen profitieren, während kleine und kleinste Betriebe weiter ins Hintertreffen geraten.  

Im DMB weisen wir seit Jahren darauf hin: Damit der Aufholprozess gelingt, braucht es neben dem Engagement der Unternehmen selbst auch passende politische Rahmenbedingungen – weniger Bürokratie, mehr digitaler Staat, mehr digitale Bildung und praxisnahe und niedrigschwellige Förderangebote für KMU. Dafür engagiert sich der DMB unter anderem in der Partnerschaft für Finanzdigitalisierung, da die Digitalisierung der finanziellen Geschäftsprozesse oft ein vergleichsweise einfach umzusetzendes und ressourcenschonendes Digitalisierungsprojekt darstellt und in aller Regel mit direkt sichtbaren Effekten die Grundlage für eine umfassendere digitale Transformation legt.  Nur wenn die digitale Transformation in der breite gelingt, bleibt der Mittelstand als Ganzes wettbewerbsfähig.

Zum Themenschwerpunkt Investitionen im Mittelstand

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