10.09.2025

Finanzen

Investitionen im Mittelstand: Zwischen Unsicherheit und Hoffnung

Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand befindet sich auf einem historischen Tiefstand.

Politische Unsicherheiten, steigende Kosten und schwache Nachfrage bremsen die Investitionsbereitschaft im Mittelstand deutlich. Wenn investiert wird, dann verstärkt in die Effizienzsteigerung, angetrieben wird dieser Trend von der Digitalisierung und Automatisierung. Die Zurückhaltung hat viele Ursachen – doch es gibt auch zahlreiche positive Signale und neue Chancen.

Laut der Auskunftei Creditreform planen nur 42 Prozent der Unternehmen neue Investitionen – der niedrigste Stand seit der Finanzkrise 2009. Die Hauptgründe für die Investitionszurückhaltung sind: 

  • Bürokratie:
    Für 94 Prozent der Mittelständler ist die Bürokratielast das größte Investitionshemmnis – ein Rekordwert. Durchschnittlich sieben Prozent der Arbeitszeit, etwa 32 Stunden pro Monat, entfallen allein auf bürokratische Aufgaben.
  • Hohe Kosten:
    Steigende Ausgaben für Löhne, Energie und Material erschweren die Investitionsplanung. Besonders hohe Energiepreise und Sozialabgaben – letztere machen inzwischen ein Drittel der Gesamtkosten aus – belasten zwei Drittel der Unternehmen weiterhin spürbar.
  • Schwache Nachfrage:
    31 Prozent der Mittelständler melden laut Creditreform Umsatzrückgänge, nur 20 % berichten von Zuwächsen. Bei Überkapazitäten wird auf Erweiterungsinvestitionen verzichtet, um flexibel auf die anhaltende Unsicherheit reagieren zu können.
  • Fachkräftemangel:
    30 Prozent der Unternehmen sehen ihre Geschäftstätigkeit durch fehlendes Personal behindert. Das hemmt nicht nur Investitionen, sondern auch das langfristige Wachstum.
  • Demographischer Wandel und ungeklärte Nachfolgen:
    Mehr als die Hälfte der Inhaber ist über 55 Jahre alt – das sind dreimal so viele als noch vor 20 Jahren. Mit steigendem Alter sinken Investitionsbereitschaft und Innovationsmut, besonders wenn die Nachfolge ungeklärt ist: Dabei fällt das jährliche Investitionsvolumen laut der KfW-Bank im Schnitt um ein Drittel.

Finanzierung: Kreditverhandlungen restriktiver, Eigenkapital wichtiger

Die Finanzierungssituation ist angespannt. Über 35 Prozent der KMU erleben laut einer Studie der KfW und des –ifo-Instituts -derzeit restriktive Kreditverhandlungen, besonders wegen konjunktureller Unsicherheit. Auch das ist ein Rekordwert und sogar der dritte in Folge seit Einführung der Befragung 2017. Eine Entspannung beim Zugang zu Bankkrediten wird der Mittelstand erst dann spüren, wenn sich die Wirtschaftslage verbessert und die globalen Unsicherheiten weniger werden.

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der Unternehmen verzichteten 2023 auf Fremdfinanzierung (2017 waren es nur 15 %)

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Durchschnittliche Eigentkapitalquote von KMU in 2023 (2000 lag sie noch bei 11,9 %)

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Jeder zweite Wirtschaftstreibe ist 55 Jahre oder älter

Aus den Zahlen lässt sich ableiten, dass der deutsche Mittelstand zunehmend auf Eigenkapitalfinanzierung setzt. Dies reduziert die Abhängigkeit von Banken und verbessert die finanzielle Stabilität. Die Eigenkapitalfinanzierung ist eine Antwort auf strengere Bankenregeln und erschwerte Kreditvergaben. Gleichzeitig steht sie auch für den Wunsch, sich unabhängiger zu machen.

Was Hoffnung macht

Die Bundesregierung schafft mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur neue finanzielle Spielräume. Damit setzt die Koalition entscheidende Mittel frei, um Investitionen in Verkehrswege, Energie, Digitalisierung und öffentliche Einrichtungen voranzutreiben. Diese Investitionen werden in der gesamten Wirtschaft und auch bei mittelständischen Unternehmen positive Effekte entfalten.  

Beispielsweise eröffnet Künstliche Intelligenz (KI) dem Mittelstand enorme Potenziale, die Produktivität nachhaltig zu steigern. Bereits ein Drittel der mittelständischen Unternehmen setzt diese laut DMB KI-Index bereits ein, und viele sehen darin den Schlüssel zu effizienteren Prozessen, Kostensenkungen und neuen Geschäftsmodellen. Studien zeigen, dass Unternehmen mit etablierten KI-Anwendungen rund 40 Prozent Produktivitätssteigerung erzielen.

Neue Kredite und Zuschüsse zur Digitalisierung und Innovation – wie die Programme „ERP-Förderkredit Digitalisierung“ und „ERP-Förderkredit Innovation“ – bieten kleine und mittlere Unternehmen niedrigschwellige Finanzierungsmöglichkeiten mit Zinsvergünstigungen und Förderzuschüssen. Zudem sind steuerliche Anreize wie die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung und die Senkung des Körperschaftsteuersatzes ab 2028 wichtige Impulse, um Investitionen rentabler zu machen.

Erfolgsgeschichten aus dem Mittelstand

Im Rahmen des neuen DMB-Themenschwerpunkts „Investitionen im Mittelstand“ berichten erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, wie sie die Herausforderungen der Transformation aktiv gestalten. Zwei Beispiele zeigen, wie Innovationsgeist und Investitionen in Technologie und Menschen Hand in Hand gehen:

André von Bargen

Geschäftsführer WIKO-TECHNIK

„Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit Robotik bei höheren Stückzahlen – eine Herausforderung für uns als Manufaktur.”

Das Hamburger Unternehmen investiert gezielt in neue Produktionsverfahren und schult seine Mitarbeitenden, um die eigene Effizienz zu steigern.

Dr. Martin Wenderoth

Geschäftsführer THOR GmbH

„Gerade die Automatisierung ist für Unternehmen essenziell, um als Standort in Deutschland wettbewerbsfähig zu bleiben.“ 

Der Chemiespezialist investiert in Prozessmodernisierung, Ressourceneffizienz und Mitarbeiterentwicklung – aus eigener Kraft und mit klarem Bekenntnis zur Ausbildung.

Diese und weitere Erfolgsgeschichten werden in den kommenden Wochen in voller Länge im neuen Themenschwerpunkt des DMB veröffentlicht – mit vielen Praxis-Tipps und innovativen Ansätzen aus dem Mittelstand. 

Was wird für mehr Investitionen benötigt wird

Um die Standortbedingungen in Deutschland wieder attraktiv für Investitionen zu machen, sind vor allem verlässliche und langfristig planbare politische Rahmenbedingungen entscheidend. Dazu gehören stabile und transparente Gesetzgebungen, die Planungssicherheit für Unternehmen bieten und häufige, kurzfristige Änderungen vermeiden. 

DMB-Mitglied Martin Wenderoth betont: „Gerade in Deutschland ist der Aufwand, regulatorische Vorgaben zu erfüllen, enorm – das bindet Personal und verzögert wichtige Entscheidungen.“ Um Investitionen im Mittelstand zu stärken, muss ein konsequenter Bürokratieabbau erfolgen, der Unternehmen von zeitaufwändigen Reporting-Pflichten befreit und mehr Raum für Investitionsplanung schafft. Digitalminister Karsten Wildberger will diesen Abbau vorantreiben. DMB-Mitglieder können unnötige Bürokratie über die aktuelle Mitgliederbefragung melden; die gesammelten Erkenntnisse werden direkt ans Digitalministerium weitergegeben.

Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die gezielte Fachkräftesicherung: Neben der Stärkung von Aus- und Weiterbildung sowie der dualen Ausbildung ist eine erleichterte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte notwendig, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. 

Darüber hinaus sind Investitionen in die Infrastruktur – vor allem in Verkehr, Energie und digitale Netze – essenziell, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auch Investoren anzuziehen. Deshalb ist es entscheidend, dass die 500 Milliarden Euro für eine bessere Infrastruktur zielgerichtet und effizient eingesetzt werden.

Fazit:  

Trotz vielfältiger Herausforderungen bleibt der deutsche Mittelstand grundsätzlich investitionsbereit. Die größten Hemmnisse – Bürokratie, hohe Kosten und Fachkräftemangel – müssen zügig durch Reformen abgebaut werden, um die Investitionsbereitschaft zu stärken. Neue technologische Chancen, etwa durch Künstliche Intelligenz, und finanzielle Impulse wie das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur eröffnen Perspektiven. Damit der Mittelstand seine zentrale Rolle als Innovations- und Wirtschaftsmotor weiter ausbauen kann, sind günstige Rahmenbedingungen und gezielte Fördermaßnahmen unerlässlich. Politik und Wirtschaft sind gefordert, jetzt gemeinsam den Aufbruch einzuleiten. 

Zum Themenschwerpunkt Investitionen im Mittelstand

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Zum Autor

Benjamin Schöfer

Referent Wirtschaft und Politik

Ansprechpartner für die Kompetenzbereiche Finanzen und Nachfolge

benjamin.schoefer@mittelstandsbund.de
0211 200525-37