13.01.2026
Nach der Insolvenz: Wie dem Fensterbauer Müllers der Neustart gelang

Geschäftsführer Markus Müllers (l.) mit Insolvenzberater Jörn Emons von improve consult.
Die Geschichte des Unternehmens Rolladen Müllers GmbH & Co. KG aus Wickrath in Mönchengladbach zeigt exemplarisch, wie ein Schritt zurück – eine strategische Konsolidierung – Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft sein kann. Das Traditionsunternehmen mit einer über 70-jährigen Geschichte hat eine Insolvenz in Eigenverwaltung bewältigt und eine Nachfolge mit einigen Hürden überwunden. Erfahren Sie, welche Chancen, die in einer fundierten Sanierung und klarer strategischer Neuaufstellung liegen.

“Die erste Generation baut es auf, die zweite führt es fort, die dritte macht es kaputt.”
Die Nachfolgeregelung war für das Familienunternehmen ein echter Knackpunkt – eine Situation, die viele mittelständische Unternehmen kennen. Geschäftsführer Markus Müllers, der den Betrieb in dritter Genration führt, beschreibt es mit Nachdruck: „Die emotionale Bindung, die an einem Lebenswerk dieser Größe und Tradition hängen, sind enorm. Mein Vater hat immer gesagt: Die erste Generation baut es auf, die zweite führt es fort, die dritte macht es kaputt.“ Tatsächlich sah es vor einem Jahr danach aus, als würde das Lebenswerk von Müllers’ Vater nicht fortgeführt werden können.
Müllers Senior hatte bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2022 Unternehmensentscheidungen vom Krankenbett aus getätigt. Sein Sohn verdeutlicht, wie schwierig es sein kann, die Verantwortung zwischen den Generationen wirksam zu übergeben und wie wichtig klare Kommunikation dabei ist: „Auch wenn die ältere Generation bis ins hohe Alter alle Entscheidungen treffen will, ist das okay und hat seine Berechtigung, jedoch muss es dann auch entsprechend klar an alle Beteiligten kommuniziert werden.“ Als Müllers nach dem Tod seines Vaters die Geschäftsführung übernahm, stand er vor einer großen Aufgabe.
Am Generationswechsel gescheitert
„Die vergangenen Monate waren herausfordernd – für unser Team, für unsere Kunden, für mich ganz persönlich,“ beschreibt Müllers. Ab 2023 geriet das Unternehmen in eine schwierige wirtschaftliche Lage. Die Baubranche kämpfte mit Zinsanstiegen, Lieferengpässen und dem Fachkräftemangel – Herausforderungen, die auch der Betrieb am Niederrhein spürte. Doch nicht nur äußere Faktoren setzten dem Unternehmen zu: „Wir hatten die falschen Weichen gestellt und den Generationenwechsel nicht geschafft.“ Trotz eines Corona-bedingten Aufschwungs in der Branche konnten keine ausreichenden Rücklagen gebildet werden, um die nachfolgenden Schwierigkeiten abzufedern. So kam es, dass das Unternehmen im März 2024 Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden musste, um handlungsfähig zu bleiben und den Turnaround selbst zu steuern.

Konsolidierung als Schlüssel zum Turnaround
In der Sanierungsphase stand für Müllers ein klares Ziel im Fokus: „Wir schauten uns an, welchen Umsatz wir sicher generieren können – unser Hauptziel war es, nicht mehr unrealistischen Umsatzprognosen hinterherlaufen zu müssen.“ Großprojekte wurden bewusst zurückgefahren, während das Unternehmen verstärkt auf kleine und mittlere Projekte sowie Bestandskunden setzte. Auch die Personaldecke wurde konsequent reduziert: „Wir brauchten als Konsequenz nicht mehr 100 Mitarbeiter, sondern haben uns dann im Rahmen einer Sozialauswahl leider von 50 Personen trennen müssen.“
Bei der Konsolidierung setzte Müllers auf externe Unterstützung durch Jörn Emons von improve consult, der das Unternehmen mit seinem Team während der Insolvenz in Eigenverwaltung begleitete. Emons erklärt: „Ein entscheidender Hebel war die Nutzung der verschiedenen Instrumente des Insolvenzrechts, da im Verfahren die sogenannte Masseunzulänglichkeit erklärt werden musste. Das bedeutet, dass das vorhandene Vermögen des Unternehmens nicht mehr ausreichte, um alle laufenden Verbindlichkeiten vollständig zu erfüllen.“

Aber auch operativ wurden massive Veränderungen vorgenommen wie z.B. die Anpassung des Geschäftsmodells mit der damit einhergehenden Optimierung der Aufbau- und Ablauforganisation sowie den Ausbau der Vertriebsaktivitäten. Darüber hinaus wurde eine tagesgenaue Liquiditätsplanung aufgesetzt und regelmäßig mit den Verantwortlichen besprochen.
Nach erfolgreicher Durchführung des Asset Deals startet die neue Fenster und Rollladen Müllers GmbH & Co. KG seit dem 01. August 2025 durch. Ein Asset Deal bezeichnet eine Transaktion, bei der gezielt einzelne Vermögenswerte wie Maschinen, Immobilien oder Kundenverträge aus einem Unternehmen herausgekauft und auf eine neue Gesellschaft übertragen werden, ohne dass die Verbindlichkeiten und Altlasten des alten Unternehmens übernommen werden müssen. Von großer Bedeutung für den Sanierungserfolg war dabei auch, dass alle Beteiligten – von der Geschäftsführung bis zu Kunden, Lieferanten und Banken – eng zusammenarbeiteten: „Der Fokus lag auf Teamarbeit, offener Kommunikation und vor allem Vertrauen. Die professionelle Unterstützung durch Herrn Emons und sein erfahrenes Team hat uns in dieser emotionalen Situation geholfen, Ruhe zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen“, so Müllers.
Vertrauen spielte Schlüsselrolle
Herr Müllers betont, dass während der Krise neben der kaufmännischen Expertise auch die menschliche Komponente zählt: „Der Dialog mit unseren Mitarbeitern war extrem wertvoll, gerade wenn die Belastung hoch ist und ein gemeinsamer Turnaround geschaffen werden muss.“ So ließ sich die innerbetriebliche Motivation aufrechthalten.
Im operativen Alltag hieß es für die Geschäftsführung, gemeinsam mit seinem Vertriebsleiter und Berater Emons „in der Dreier-Kombo“ zu Kunden, Lieferanten und Banken zu fahren: „Wir mussten das Vertrauen bei allen Beteiligten in die Zukunfts- und Handlungsfähigkeit des Unternehmens wiederherstellen“, berichtet Müllers. Um dieses Vertrauen abzusichern, wurde u.a. ein Treuhandkonto eingerichtet. Dabei zahlen Kunden ihre Anzahlungen und fortlaufenden Zahlungsverpflichtungen nicht direkt auf das Geschäftskonto des Unternehmens, sondern auf ein von einem neutralen Treuhänder verwaltetes Konto. Diese Gelder werden erst freigegeben, wenn die vereinbarten Leistungen erbracht wurden.
»Fazit: Manchmal braucht es einen Schritt zurück
Das Beispiel Rolladen Müllers GmbH & Co KG zeigt eindrücklich: Eine unternehmerische Krise ist nicht das Ende, sondern kann ein Ausgangspunkt für eine ehrliche Bestandsaufnahme und einen echten Neustart sein. Der Geschäftsführer bringt es auf den Punkt: „Es lohnt sich, lieber einmal zurückzugehen, sich zu sammeln, und dann gestärkt die Zukunft zu gestalten.“ Emons ergänzt: „Es braucht alle am Tisch, ehrliche Kommunikation und Mut, Altlasten hinter sich zu lassen. Ein klarer Fokus auf Ertragskraft, ein realistisches Geschäftsmodell und mutige Entscheidungen zur Geschäftsausrichtung sind dabei unerlässlich.“
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