15.09.2026

Finanzen

"Wir tragen Verantwortung für unsere Region" - Drei Fragen an DMB-Mitglied Patrick Weimer

Patrick Weimer, Geschäftsführer der ATEC GmbH & Co. KG und der LQ4 GmbH

Patrick Weimer, Geschäftsführer der ATEC GmbH & Co. KG aus Kreuzwertheim, spricht im DMB-Interview über verzerrte Unternehmerbilder in der Öffentlichkeit, bürokratische Bau-Stopps im Betrieb und die Frage, warum der Mittelstand in Berlin eine lautere Stimme braucht.

Über das Unternehmen:

  • ATEC GmbH & Co. KG / LQ4
  • Standort: Kreuzwertheim (Bayern)
  • Team: 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Branche: Präzisionstechnik, Metallverarbeitung & Spezial-Fahrzeugbau
  • Was ATEC macht: Einerseits gefertigte Hüllen, Skelette und Verkleidungen für den Sondermaschinenbau, andererseits der individuelle Bau von robusten 4x4-Expeditionsmobilen.

DMB: 1. Herr Weimer, wie nimmt die Gesellschaft das Unternehmertum heute wahr?

Patrick Weimer: Wenn man Medien oder Schulbücher aufschlägt, ist der Unternehmer oft der raffgierige Typ, der symbolisch eine Pferdefarm plattmacht, um seine Fabrik zu bauen. Das betrifft vielleicht ein Prozent, geht aber an der Realität völlig vorbei. Die Realität bei uns heißt: Soziale Verantwortung für 55 Familien, lange Arbeitstage bis abends um acht und das permanente Abwägen von Risiken. Meine Kinder haben von klein auf miterlebt, wie viel Herzblut, Verzicht auf Feierabend und Kraft in einem eigenen Betrieb steckt. Wir tragen Verantwortung für unsere Region und genau dieses Bild des hart arbeitenden, nahbaren Mittelständlers muss in der Gesellschaft wieder viel stärkere Anerkennung finden.“
 

“Die Realität bei uns heißt: Soziale Verantwortung für 55 Familien, lange Arbeitstage bis abends um acht und das permanente Abwägen von Risiken.”

Patrick Weimer, Geschäftsführer der ATEC GmbH & Co. KG

2. Wo bremst die aktuelle Politik und Verwaltung bodenständige Betriebe wie ATEC im Alltag am meisten aus? 

Vor allem beim Thema Bürokratie und Vorschriften-Irrgarten. Ein konkretes Beispiel: Wir haben fünf Jahre lang versucht, eine neue Halle zu bauen. Am Ende sind wir an abstrusen Vorgaben zu Kaminhöhen und Feinstaub-Regeln gescheitert wegen Anwohnern, die 200 Meter Luftlinie entfernt wohnen. Ich habe das Projekt letztlich komplett abgeblasen. Ich habe dem Bürgermeister gesagt: ‚Ich bleibe jetzt so groß, wie ich bin‘. Das ist bitter, denn hier wird echtes Wachstum im Mittelstand einfach gelähmt. Wenn man den Sumpf der Bürokratie trockenlegen will, darf man halt nicht den Frosch fragen.

3. Warum haben Sie sich für eine Mitgliedschaft im DMB entschieden haben? 

Weil die einzelnen Betriebe in Berlin sonst nicht gehört werden. Der DMB bündelt zehntausende Stimmen aus der Praxis. Wir müssen der Politik klar machen, wo die Entscheidungen völlig an der Betriebswirklichkeit vorbeilaufen. Gleichzeitig freue ich mich riesig auf das Netzwerken auf Augenhöhe mit anderen Unternehmern, zum Beispiel bei der DMB Veranstaltung impact SUMMIT in Düsseldorf.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Weimer!

Einblicke aus der Praxis

Sind Sie auch DMB-Mitglied und möchten Ihr Unternehmen in unserem Format ‚Drei Fragen an...‘ vorstellen? Oder haben Sie ein konkretes Praxisbeispiel aus dem Betriebsalltag? Melden Sie sich direkt bei unserem Fachreferenten Benjamin Schöfer.

Zum Autor

Benjamin Schöfer

Leitender Referent Finanzpolitik

Ansprechpartner für die Kompetenzbereiche Finanzen und Nachfolge

benjamin.schoefer@mittelstandsbund.de
030 220048-337