12.08.2025

Internationalisierung

Zukunftssicher durch globale Fachkräfte

Unternehmen stehen in den kommenden Jahren vor vielfältigen Herausforderungen – vom demografischen Wandel bis zu geopolitischen Krisen. Besonders der Fachkräftemangel wird zur zentralen Hürde für Wachstum und Stabilität. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert, dass Deutschland im Jahr 2028 rund 768.000 Fachkräfte fehlen werden. Die Folge: offene Stellen bleiben unbesetzt. 

Grund dafür ist der demografische Wandel. Das altersbedingte Ausscheiden der Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben ist ein absehbarer Einschnitt in den deutschen Arbeitsmarkt. Doch wie können Unternehmen diesen Engpass meistern? Ein entscheidender Schlüssel liegt in der gezielten Integration internationaler Fachkräfte.

Internationales Potenzial bleibt oft ungenutzt

Die Fachkräftelücke betrifft schon heute sehr viele Unternehmen. In einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2024, gaben 67,5 Prozent der befragten Unternehmer an, Fachkräfteengpässe zu haben. Trotz dessen suchen lediglich 18 Prozent der befragten Unternehmen aktiv im Ausland nach Fachkräften. Eigene Ausbildungsinitiativen (50,8 %) oder Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf (45,7 %) wurden als deutlich wirksamere Mittel gegen den Fachkräftemangel eingeschätzt.

Ausländische Fachkräfte prägen schon heute

Dabei gibt es schon heute Branchen, die ohne ausländische Fachkräfte nicht auskommen würden. In einer IW-Studie wurden die 15 Engpassberufe mit der höchsten Anzahl ausländischer Fachkräfte zusammengetragen:

Vor allem im deutschen Güter- und LKW Verkehr, aber auch im Verkauf und der Lagerwirtschaft arbeiten schon heute viele internationale Fachkräfte. Die Daten verdeutlichen nicht nur die aktuelle Abhängigkeit zahlreicher Branchen von internationalen Fachkräften, sondern auch deren wachsende Bedeutung für die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes.

Mit Offenheit durch die Krise 

Die Daten der Bertelsmann Stiftung offenbaren eine bisherige Verschlossenheit vieler Unternehmer gegenüber ausländischen Fachkräften. Wer sein Unternehmen sicher durch die Fachkräftekrise führen möchte, könnte sich damit aber selbst im Weg stehen. Es fordert eine langfristige Personalplanung, um sich dem Fachkräftemangel entgegenzustellen. Dabei braucht es einen selbstbewussten und lösungsorientierten Umgang mit der Problematik seitens der Führungskräfte. Die gezielte Suche nach Fachkräften im Ausland verschafft Unternehmen einen klaren Vorteil: Wer frühzeitig international rekrutiert, steuert resilient und zukunftssicher durch die Fachkräftekrise. Unternehmen, die frühzeitig internationale Talente integrieren, verschaffen sich nicht nur personelle Stabilität, sondern stärken auch ihre Innovationskraft durch kulturelle Vielfalt.

Aufräumen mit falschen Hemmnissen

Gerade im Mittelstand gibt es jedoch nach wie vor zahlreiche Vorbehalte gegenüber der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte. Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stellen bürokratische Hürden oder Unsicherheiten im Umgang mit Anerkennungsverfahren oft größere Herausforderungen dar als für große Unternehmen. Das unterstreicht eine KOFA-Studie, die außerdem die größten Hindernisse für Unternehmen bei der Fachkräfterekrutierung darstellt. Hemmnisse laut KOFA 2023:

Neben den mittelständischen Unternehmen ist auch die Politik gefordert, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehören unter anderem praxistaugliche Regelungen zu Aufenthaltserlaubnissen, zur Beschäftigung sowie zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Gleichzeitig kann eine vorausschauende Personalstrategie, die den Umgang mit internationalen Fachkräften berücksichtigt, dazu beitragen, langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern und den Auswirkungen des Fachkräftemangels wirksam zu begegnen.

Beratungsangebote können helfen

Da die Suche nach Fachkräften im Ausland gerade für KMU, die weniger personelle und finanzielle Ressourcen haben als große Unternehmen, schwierig ist, gibt es verschiedene externe Angebote, die unterstützend sein können.

  • Beratungsangebot der Bundesagentur für Arbeit

    Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt KMU bei der Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland durch individuelle Beratungsangebote. Sie begleitet Betriebe im gesamten Prozess, von der Veröffentlichung der Stellenangebote bis zur Auswahl geeigneter Kandidaten. Zusätzlich bietet sie Unterstützung bei Anerkennungsverfahren, Visa-Anträgen und der Integration neuer Mitarbeiter in den Betrieb.

    Weitere Informationen

  • Anerkennung in Deutschland

    Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) betreibt das Portal „Anerkennung in Deutschland“, das Fachkräften aus dem Ausland und Betrieben Informationen und Hilfestellungen rund um die Anerkennung ihrer Berufsqualifikationen bietet. Über das Portal können Antragsstellende passende Anerkennungsverfahren finden, sich zu Anforderungen informieren und erhalten Unterstützung bei der Vorbereitung der Antragsunterlagen.

    Weitere Informationen

  • EURES

    EURES (European Employment Services) ist ein europaweites Netzwerk, das Unternehmen bei der Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland unterstützt. Es bietet eine Vielzahl von Dienstleistungen an, darunter die Veröffentlichung von Stellenangeboten, die Suche nach geeigneten Bewerbern in einer europaweiten Datenbank, die Teilnahme an länderübergreifenden Einstellungsveranstaltungen sowie Unterstützung bei der Integration neuer Mitarbeitender. Über die EURES Datenbank können Unternehmer nach der Anlage des Unternehmensprofils auf 1.000.000 Lebensläufe zugreifen.

    Weitere Informationen

  • "Make it in Germany"

    “Make it in Germany” unterstützt durch Informationen zu Visa, Arbeits- und Aufenthaltserlaubnissen sowie zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Außerdem bietet das Portal Unternehmen die Möglichkeit, Stellenangebote in der integrierten Jobbörse zu veröffentlichen und gezielt nach passenden Fachkräften zu suchen. Die Initiative bietet außerdem ein breites Angebot für Fachkräfte im Ausland, die sich vorstellen können in den deutschen Arbeitsmarkt zu wechseln.

    Weitere Informationen