18.08.2025

Nachfolge

Warum Investitionen im Mittelstand vom Generationswechsel abhängen

Ein entscheidender, bislang stark unterschätzter Einflussfaktor ist die ungeklärte Unternehmensnachfolge.

Hintergrund

Die Konjunktur in Deutschland schwächelt. Der wirtschaftliche Aufschwung bleibt aus – obwohl viele Voraussetzungen vorhanden wären: insbesondere ausreichend Liquidität in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Ein wesentlicher Grund für die Stagnation: Die Investitionen im Mittelstand sind auf einem historischen Tiefstand. Nur noch 39 % der KMU investieren überhaupt. Das gefährdet nicht nur Wachstum und Innovation, sondern auch die Zukunftsfähigkeit ganzer Regionen. 

Ein unterschätzter Einflussfaktor: Unternehmensnachfolge 

Ein entscheidender, bislang stark unterschätzter Einflussfaktor ist die ungeklärte Unternehmensnachfolge. Dieses Thema wird in der öffentlichen Diskussion bislang kaum berücksichtigt – dabei hängen viele Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Regionen daran. 

Zum Vergleich: 
2023 investierten KMU in Deutschland 219 Milliarden Euro. Das zeigt: Der Mittelstand ist und bleibt der Erfolgsmotor der deutschen Wirtschaft. 

Kernaussagen der Studie KfW-Studie “Alterung: unterschätztes Hemmnis von Investitionen im Mittelstand”

  • Unternehmen mit älteren Inhabern investieren 20 Prozentpunkte seltener. 
  • Über 50% der Inhaber sind 55 Jahre oder älter. Tendenz steigend. 
  • Bei ungeklärter Nachfolge sinkt das Investitionsvolumen um 32 %. 
  • Bei geregelter Nachfolge steigen die Investitionen um bis zu 270 %. 
     

Was das bedeutet 

Die Nachfolge ist kein Nischenthema. Sie ist eng mit der Investitions- und Innovationskraft des Mittelstands verbunden.  

Wer Zukunft sichern will, muss Nachfolge ermöglichen – strukturiert, begleitet und frühzeitig.

Denn: 
Bei geregelter Nachfolge steigen die Investitionen laut Studie um bis zu 270 %. Das bedeutet im Klartext: Die Investitionen verdreifachen sich nahezu! 

Einen solchen Hebel findet man bei wirtschaftspolitischen Maßnahmen äußerst selten. Das unterstreicht das enorme Potenzial gezielter Nachfolgestrategien – für Betriebe, Beschäftigte und ganze Regionen. 
 

Was jetzt zu tun ist 

Die Unternehmensnachfolge gehört in den Fokus aller relevanten Akteure – vor allem: 

  • Banken als Finanzierungspartner, 
  • Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern als Lotsen, 
  • Wirtschaftsverbände und Förderinstitutionen als Multiplikatoren.

Diese Institutionen leisten bereits heute wichtige Beiträge – durch Beratung, Information und Sensibilisierung. 

Doch viele Verantwortliche wissen selbst: Die Wirkung bestehender Maßnahmen ist begrenzt. Förderprogramme sind oft zu eng gefasst oder zu bürokratisch – und stehen einer umfassenden, sys temischen Nachfolgeberatung im Weg. 

Negativbeispiel: Nachfolge-Coaching in Bayern 

In Bayern wurde das bewährte Nachfolge-Coaching für mittelständische Unternehmen eingestellt – ohne Ersatz. 

Der Aufwand für Antragstellung, Dokumentation und Abrechnung war so hoch, dass Unternehmen, Berater und auch die Kammern als genehmigende Stellen erhebliche Zeitressourcen aufbringen mussten. Bei einem Beratungsauftrag von rund fünf Tagen war es durchaus möglich, dass dafür ein bis eineinhalb Manntage erforderlich waren. Aufwand und Wirkung standen dabei in keinem ver nünftigen Verhältnis. 

Rolle der Banken 

Auch Banken spielen eine zentrale Rolle – nicht nur als Kreditgeber, sondern auch als erste Ansprechstelle, wenn Unternehmer:innen Nachfolgefragen konkret werden lassen. Viele Häuser sensibilisieren ihre Kundschaft bereits heute. Doch gerade bei komplexeren Fällen braucht es eine aktive Begleitung, eine deutlichere Ansprache sowie klare Zuständigkeiten – und eine stärkere Vernetzung mit anderen Akteuren. 

Herausforderungen in der Zusammenarbeit 

In der Zusammenarbeit zwischen Banken, Kammern, Verbänden und Beratungsstellen zeigen sich systemische Herausforderungen: 

  • Abstimmungen sind oft komplex, 
  • Zuständigkeiten überlappen sich, 
  • Ressourcen sind knapp. 

Viele Institutionen verfolgen den Anspruch, möglichst vieles intern zu leisten. Das führt – trotz Enga gement – zu Engpässen. n Beispiel Kammern: Gute Ansätze, aber enge Grenzen Die Kammern leisten mit eigenem, teils öffentlich gefördertem Personal wertvolle Beiträge. Doch die Förderbedingungen begrenzen den Beratungsumfang pro Betrieb stark. Eine tiefgreifende Begleitung, wie sie in Nachfolgeprozessen erforderlich wäre, ist so kaum möglich. Das ist kein Vorwurf – sondern Ausdruck einer politischen Rahmenbedingung, die dringend über prüft werden sollte. 

Was jetzt gebraucht wird

Es braucht:

  • einen ganzheitlichen Ansatz, 
  • praxisnahe Förderkulissen, 
  • klare Zuständigkeiten,
  • und echte Systempartnerschaften zwischen Unternehmen, Kammern, Banken, Politik und Beratern.

Finanzielle Hürde für Unternehmen 

Viele Unternehmen können sich qualifizierte Nachfolgeberatung nicht leisten – oder scheuen den Aufwand. Statt symbolischer Programme braucht es zielgerichtete finanzielle Unterstützung, die Substanz hat. 

Nachfolge ist ein Prozess – kein Projekt 

Nachfolge ist kein kurzfristiges Thema. Sie ist ein mehrjähriger Prozess, der wirtschaftliche, persönliche und familiäre Fragen miteinander verbindet. Erfahrungsgemäß dauert er zwei bis fünf Jahre – mit Phasen der Orientierung, Planung und Umset zung. 

Fazit: Jetzt handeln – gemeinsam 

Nachfolge entscheidet über Investitionen. Und Investitionen sichern Zukunft. Wenn es gelingt, Nachfolge als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen – zwischen Unternehmen, Beratern, Kammern, Banken, Verbänden und der Politik – dann wird daraus ein Investitionsimpuls, der ganze Regionen stärken kann.

Quelle: KfW-Bank

Zum Autor

Christian Schönberger

Christian Schönberger ist Berater und Moderator mit dem Schwerpunkt auf Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen. Er begleitet Unternehmerfamilien bei der Entwicklung tragfähiger Nachfolgelösungen – mit einem ganzheitlichen Ansatz, der wirtschaftliche und zwischenmenschliche Aspekte vereint.

Er stammt selbst aus einem Familienunternehmen, in dem er über viele Jahre als Geschäftsführer tätig war – und kennt die Dynamiken und Herausforderungen von Familienunternehmern aus eigener Erfahrung.