Maßnahmenpapier Juli 2026

 MITTELSTAND STÄRKEN

  Für eine zukunftsfähige duale Ausbildung

Zukunft der dualen Ausbildung

Rahmenbedingungen verbessern, Ausbildungsbereitschaft stärken, Fachkräfte sichern

Die duale Ausbildung ist das Fundament der Fachkräftesicherung und ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Gerade kleine und mittlere Unternehmen investieren mit großem Engagement in die Ausbildung junger Menschen und übernehmen damit Verantwortung für ihre eigene Zukunft ebenso wie für die Leistungsfähigkeit der gesamten Wirtschaft.

Gleichzeitig erschweren ein zunehmendes Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt, Defizite bei der Ausbildungsreife vieler Schulabgänger, fehlende Berufsorientierung sowie hohe bürokratische Belastungen, die Gewinnung und Ausbildung von Nachwuchskräften.

Der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) sieht insbesondere in fünf Bereichen dringenden politischen Handlungsbedarf:

  • 1. Praxisnahe Berufsorientierung ausbauen

    Viele Unternehmen berichten, dass Jugendliche die Vielfalt der Ausbildungsberufe und die Chancen einer dualen Ausbildung kaum kennen. Berufsorientierung muss deshalb früher beginnen und stärker an der betrieblichen Praxis ausgerichtet werden.

    Der DMB fordert:

    • Praxisnahe Berufsorientierung verbindlich und frühzeitig in allen Schulformen verankern.
    • Kooperationen zwischen Schulen und regionalen Ausbildungsbetrieben ausbauen und langfristig unterstützen.
    • Erfolgreiche regionale Berufsorientierungsnetzwerke organisatorisch und finanziell absichern.
  • 2. Bildung und Ausbildungsreife stärken

    Die größte Herausforderung vieler Unternehmen besteht nicht in der Ausbildungsbereitschaft, sondern darin, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Häufig fehlen grundlegende schulische Kompetenzen, Sprachkenntnisse oder soziale Fähigkeiten.

    Der DMB fordert:

    • Die Qualität schulischer Bildung als Grundlage erfolgreicher dualer Ausbildung stärken und Basiskompetenzen in Deutsch, Mathematik und digitalen Fähigkeiten gezielt fördern.
    • Frühzeitige Sprachförderung und individuelle Unterstützung bereits im Vorschul- und Schulalter ausbauen.
    • Wirtschaftliche Grundbildung durch die verbindliche Einführung eines Schulfachs Wirtschaft stärken.
    • Schlüsselkompetenzen wie Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Selbstorganisation stärker im Schulalltag vermitteln.
  • 3. Ausbildungsbedingungen praxisnah gestalten

    Der Ausbildungserfolg hängt nicht nur vom Engagement der Betriebe ab, sondern auch von Rahmenbedingungen, die sich im betrieblichen Alltag bewähren. Unpraktische Berufsschulmodelle, hohe organisatorische Aufwände oder fehlende Mobilität erschweren insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen die Ausbildung. Politik sollte die betriebliche Praxis stärker in den Mittelpunkt stellen.

    Der DMB fordert:

    • Dokumentations- und Nachweispflichten für Ausbildungsbetriebe auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen, vereinfachen und weiter digitalisieren.
    • Die Berufsschulen stärker an den betrieblichen Anforderungen ausrichten und Block-unterricht dort ausbauen, wo er die betriebliche Ausbildung erleichtert.
    • Den Zugang zu Ausbildungsplätzen durch bessere Mobilitätsangebote erleichtern. Dazu gehören insbesondere ein bedarfsgerechter ÖPNV im ländlichen Raum sowie Unterstützungsangebote beim Führerscheinerwerb in Berufen, in denen dieser Voraussetzung für die Ausbildung ist.
    • Die Qualifizierung von Ausbilderinnen und Ausbildern stärken und kontinuierliche Weiterbildungsangebote fördern.
  • 4. Ausbildungsmatching verbessern

    Obwohl viele Unternehmen ausbilden möchten, bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Gleichzeitig finden zahlreiche junge Menschen keinen passenden Ausbildungsplatz. Ziel muss es sein, Angebot und Nachfrage besser zusammenzuführen.

    Der DMB fordert:

    • Unterstützungsangebote für Ausbildungsbetriebe, wie beispielsweise die “Assistierte Ausbildung”, bekannter machen und den Zugang vereinfachen.
    • Die Vermittlung zwischen Ausbildungsbetrieben und Bewerberinnen und Bewerbern durch digitale Matching-Plattformen und eine stärkere Begleitung durch die Bundesagentur für  Arbeit verbessern.
    • Bestehende Vermittlungsangebote stärker an den Bedürfnissen kleiner und mittlerer Unternehmen ausrichten.
    • Regionale Vermittlungs- und Netzwerkstrukturen zwischen Schulen, Unternehmen, Kammern und den Jobcentern ausbauen und fördern, um Jugendliche frühzeitig mit Ausbildungsbetrieben zusammenbringen.
  • 5. Berufliche Bildung gesellschaftlich aufwerten

    Die duale Berufsausbildung ist ein wesentlicher Standortvorteil Deutschlands und eine tragende Säule der Fachkräftesicherung. Dennoch wird sie gesellschaftlich häufig weniger attraktiv wahrgenommen als ein Studium.

    Der DMB fordert:

    • Die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildungswege durch bundesweite Maßnahmen stärker sichtbar machen.
    • Erfolgreiche Ausbildungs- und Karrierewege sowie Aufstiegsmöglichkeiten über die berufliche Bildung stärker in der Berufsorientierung kommunizieren.
    • Die berufliche Bildung als gleichwertigen Bildungsweg dauerhaft stärker in bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Strategien verankern.

Kontakt

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Leiter Public Affairs


matthias.bianchi@mittelstandsbund.de
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Inhaltliche Ansprechpartnerin

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Referentin Wirtschaft & Politik
Fachbereich Arbeit & Bildung


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