Förderinstrumente der EU für KMU:
Forschung über Horizont 2020 und Horizont Europa

Horizont 2020

Horizont 2020 ist ein EU-Programm zur Forschungsförderung, dessen Laufzeit 2014 begann und 2020 enden wird. Das Horizont-Programm soll die Innovationskraft der europäischen Unternehmen und Universitäten nachhaltig verbessern. Die Vorgängerprogramme im „Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP)“ sowie die Programme des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT)  wurden hier unter einen Deckmantel gebracht. Das Haushaltsvolumen des Programms beläuft sich auf ca. 70 Mrd. Euro. [1]

Drei Schwerpunktthemen gliedern den Aufbau des Programms:

Schwerpunkt 1 „Wissenschaftsexzellenz“ – Fokus Wissenschaft

Der europäische Forschungsrat (ERC) vergibt Zuwendungen an Forschungsprojekte. Mit den Future and Emerging Technologies (FET) werden neu entstehende Technologien durch Verbundforschungsprojekte gefördert. Durch Nutzung möglichst vieler Synergien des Horizont 2020-Programms sollen neue Technologiefelder erschlossen werden. Hierzu werden junge Forschende und KMU angesprochen.

Ferner wird die Vernetzung von Beteiligten der Forschung unterstützt. Das Ziel ist es, einen europäischen Zugang zu nationalen Forschungseinrichtungen zu generieren. Die gesamteuropäische Forschung soll vermehrt in den Vordergrund rücken.

Schwerpunkt 2 „Führende Rolle der Industrie“ – Fokus Industrie

Hier werden Fördergelder ausgeschüttet, die grundlegende und industrielle Technologien inklusive Schlüsseltechnologien fördern sollen. Folgende Bereiche werden besonders unterstützt: Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), Nanotechnologien, Fortgeschrittene Werkstoffe, Biotechnologie, Fortgeschrittene Fertigung und Verarbeitung, Raumfahrt.

Ein besonderes Augenmerkt wird laut EU auf die gezielte Förderung von KMU gelegt. Die Unterstützung wird in die Bereiche Machbarkeitsstudien, Forschungsförderung und Vernetzungsangebote gegliedert. Außerdem soll der Zugang zur Risikofinanzierung für Forschungsprojekte vereinfacht werden.

Schwerpunkt 3 „Gesellschaftliche Herausforderungen“ – Fokus Politik

Dieser Schwerpunkt besteht aus sieben Herausforderungen, die im Zusammenschluss der europäischen Staaten gemeinsam gelöst bzw. angegangen werden sollen:

  1. Gesundheit, demografischer Wandel und Wohlergehen;
  2. Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, marine, maritime und limnologische Forschung und Biowirtschaft;
  3. Sichere, saubere und effiziente Energie;
  4. Intelligenter, umweltfreundlicher und integrierter Verkehr;
  5. Klimaschutz, Umwelt, Ressourceneffizienz und Rohstoffe;
  6. Europa in einer sich verändernden Welt: integrative, innovative und reflektierende Gesellschaften;
  7. Sichere Gesellschaften – Schutz der Freiheit und Sicherheit Europas und seiner Bürger

Wer kann teilnehmen?

Alle Rechtspersonen, die in einem EU-Mitgliedsstaat, einem verbundenen Staat oder einem Drittstaat („open to the world“-Prinzip) angesiedelt sind, können sich beteiligen.[2] Juristische Personen der EU-Mitgliedsstaaten und verbundener Staaten zahlen indirekt in das Horizont 2020-Programm ein und erhalten höhere Förderquoten als Beteiligte von Drittstaaten.

Wichtig ist, dass mindestens drei voneinander unabhängige Organisationen (Unternehmen, Universität, Hochschule, Forschungseinrichtung, Behörde oder Verband) aus drei verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten oder verbundenen Staaten an einem Forschungsprojekt zusammenarbeiten.[3] Die Kommission weist jedoch auf ihrer Internetseite daraufhin, dass erfolgreiche Projektanträge oft weitaus mehr Partnereinrichtungen vorweisen können.

Einzelheiten zur Förderung

Ansprechpartner

Horizont Europa

„Horizont Europa“ wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Nachfolgeprogramm von „Horizont 2020“ sein. Die Europäische Kommission will auf dem Vorgängerprogramm aufbauen, viele Teile übernehmen und ausbauen. Dazu werden ca. 100 Mrd. Euro für die Jahre 2021 bis 2027 eingeplant.[4]

Die drei Schwerpunkte werden zum Teil neu gegliedert.

Der erste Schwerpunkt soll in „Offene Wissenschaft“ umbenannt aber im gleichen Maße wie vorher fortgesetzt werden.

Die Themen im zweiten Schwerpunkt „Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit“ werden in fünf Sparten aufgeteilt: "Gesundheit", "Inklusive und sichere Gesellschaften", "Digitales und Industrie", "Klima, Energie und Mobilität" sowie "Nahrungsmittel und natürliche Ressourcen". Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (Joint Research Cente, JRC) wird die fünf Themenbereiche beaufsichtigen. Ein großer Unterschied im neuen Programm soll hier die stärkere Fokussierung auf konkrete europäische und globale Herausforderungen sein. Sogenannte „Missionen“ sollen zum Beispiel plastikfreie Meere oder CO2-freie Stahlproduktion als Ziel haben.

Im dritten Schwerpunkt „Offene Innovationen“ sollen zukunftsträchtige und risikoreiche Innovationen sowie deren praxisnahe Umsetzung gefördert werden. Diese Arbeit sollen der Europäische Innovationsrat (EIC), ein Netzwerk für Unternehmen und Wissenschaftler im Innovationsbereich, und das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT) angehen.

Neue Instrumente der Förderung sollen im EIC die Projekte „Pathfinder“ und „Accelerator“ entstehen. Das Projekt „Pathfinder“ soll Forschungsprojekte fördern, die  Zukunftstechnologien zum Ziel haben. Im „Accelerator“ Projekt soll erstmals eine Mischfinanzierung für KMU möglich sein. Neben nicht rückzuzahlenden Zuwendungen können die Unternehmen gleichzeitig auch mit Krediten ausgestattet werden.

Wie geht es weiter?

Die Europäische Kommission hat „Horizont Europa“ bereits offiziell vorgeschlagen. Damit beginnt das Gesetzgebungsverfahren. Der Europäische Rat und das Europäische Parlament werden in den kommenden Monaten dazu verhandeln. Es ist zu erwarten, dass noch einige Änderungen gegenüber dem Vorschlag der Europäischen Kommission entstehen werden.