Themenbeobachtung
Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen

Kurz zusammengefasst

Mit einer Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen soll die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung betont werden. Umgesetzt wird das Vorhaben im Rahmen einer Gesamtstrategie: dem sogenannten Berufsbildungspakt.

Der DMB verfolgt die Entwicklung dieses Vorhabens und stellt alle relevanten Informationen bereit.

12.03.2018: Ausstattungsoffensive der beruflichen Schulen steht im Koalitionsvertrag

Union und SPD halten im Koalitionsvertrag fest, dass sie eine Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen planen. Dies soll vor dem Hintergrund der neuen Anforderungen durch die Digitalisierung geschehen.

27.09.2018: Bildung der Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt"

Im September 2018 hat sich die Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" gebildet. Ziel der Kommission ist es, Modernisierungspotenziale in der beruflichen Bildung zu ermitteln. Der Vorsitz liegt bei dem CDU-Abgeordneten Stefan Kaufmann.

17.05.2019: Start des DigitalPakts

Der DigitalPakt umfasst Mittel des Bundes in Höhe von fünf Milliarden Euro, die für den Zeitraum von 2019 bis 2024 vorgesehen sind. Die Verabschiedung des DigitalPakts war ein Kraftakt der deutschen Politik, da für die Mittelvergabe an die Länder eine Grundgesetzänderung des Artikels 104c notwendig war. Nach ersten Startschwierigkeiten profitieren die Berufsschulen inzwischen von den Geldern.

11.06.2019: Gesetzesentwurf zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung

Von der Bundesregierung wurde im Juni 2019 ein Gesetzesentwurf zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung im Rahmen des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) vorgelegt. Darin heißt es, das Ziel der Novelle sei "die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der dualen beruflichen Bildung bei potentiellen Auszubildenden und Betrieben gleichermaßen".

24.10.2019: Gesetzesnovelle BBiG im Bundestag beschlossen

Im Bundestag wurde die Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) beschlossen. Viel Aufmerksamkeit erfuhr die Gesetzesnovelle aufgrund der beschlossenen Mindestausbildungsvergütung und Ausweitung von Teilzeitausbildung.

Sommer 2021: Abschlussbericht der Enquete-Kommission

Die zum Thema "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" eingesetzte Enquete-Kommission legt bis zum Sommer 2021 ihren Abschlussbericht vor. Der Abschlussbericht soll konkrete Vorschläge und Handlungsempfehlungen enthalten.

Worum geht es?

Das Vorhaben der Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen verfolgt das Ziel, das bestehende Fachkräftepotential besser auszunutzen. Die Bundesregierung betont die Vorteile des dualen Ausbildungssystems in Deutschland. Allgemein bestehe jedoch ein grundsätzliches Problem darin, dass die berufliche und akademische Ausbildung nicht als gleichwertig betrachtet werden. Darum soll die Attraktivität der dualen Ausbildung gesteigert werden.

Unabhängig davon müssen die Berufsschulen auch im Rahmen der Digitalisierung besser ausgestattet werden. Dies betrifft – neben den Materialkosten für eine digitale Infrastruktur – insbesondere die Schulung von Berufsschullehrern.

Die Stärkung der beruflichen Bildung soll vorrangig über einen sogenannten Berufsbildungspakt erfolgen. Für die Umsetzung ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) federführend zuständig.

Im Koalitionsvertrag steht dazu:

"Die berufliche Bildung werden wir mit einem Berufsbildungspakt modernisieren und stärken. Dazu gehören eine Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen vor dem Hintergrund der Digitalisierung [...]. Wir wollen die digitalen Kompetenzen in der beruflichen Bildung stärken. Notwendig ist eine schnellere Modernisierung der Ausbildungsordnungen und Berufsbilder."

(Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, Seite 64 im März 2018)

Auch in der Mittelstandsstrategie wird die Notwendigkeit einer modernen Ausbildungsordnung betont:

"Gemeinsam mit der Wirtschaft und unter Beteiligung der Sozialpartner passen wir die Ausbildungsordnungen in über 300 Berufen kontinuierlich an die Erfordernisse in den Betrieben an. Derzeit laufen die Modernisierungsverfahren u.a. für die 19 Berufe des Bauhauptgewerbes und für die vier Berufe des Elektrohandwerks. Gleiches gilt für die Modernisierung und den Neuerlass von Meisterprüfungsverordnungen und Fortbildungsordnungen."

(Mittelstandsstrategie des BMWi, S. 12 im Oktober 2019)

Umsetzung und nächste Schritte

Umsetzung geplant bis: 2021

Nächste Schritte: Der Berufsbildungspakt muss nun angegangen werden.

Warum relevant für den Mittelstand?

Für den Mittelstand stellt der Fachkräftemangel ein zunehmendes Problem dar. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor der Herauforderung, dass ihnen qualifiziertes Personal fehlt. Der steigende Bedarf an digitalen Kompetenzen verschärft diese Problematik. Bei der Ausbildung von angehenden Mitarbeitern sind KMU darum auf ein staatliches Bildungssystem angewiesen, welches sich dem Wandel am Arbeitsmarkt stellt. Betriebliche Schulen besser auszustatten ist eine wichtige Voraussetzung, um das inländische Fachkräftepotenzial für KMU besser nutzen zu können.

Die DMB-Bewertung

Der DMB begrüßt die Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen: Denn berufliche Schulen zu stärken ist nicht nur notwendig, sondern dringend überfällig. Die Ziele sind hochgesteckt – von der Umsetzung durch die Regierung ist jedoch noch zu wenig zu sehen. Die Investitionen vom Digitalpakt allein sind nicht ausreichend, um die Attraktivität der dualen Ausbildung hinreichend zu steigern. Damit in Zukunft ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen, müssen weitere Investitionen getätigt werden und neue Anreize für Auszubildende geschaffen werden.