Themenbeobachtung
Nationale Weiterbildungsstrategie

Kurz zusammengefasst

Im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie plant die Bundesregierung eine neue Weiterbildungskultur in Deutschland zu etablieren. Berufliche Weiterbildung wird als wichtiger Schlüssel betrachtet, um in Zukunft die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmern und die Innovationsfähigkeit von Arbeitgebern zu sichern.

Der DMB verfolgt die Entwicklung dieses Vorhabens und stellt alle relevanten Informationen bereit.

12.03.2018: Nationale Weiterbildungsstrategie steht im Koalitionsvertrag

Die Erarbeitung einer nationalen Weiterbildungsstrategie wurde von CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag verankert. Das Vorhaben gilt als wichtiger Schwerpunkt der Strategie von der Bundesregierung zur Fachkräftesicherung.

12.11.2018: Beginn der Beratungen über die Nationale Weiterbildungsstrategie

Im November 2018 starteten die Beratungen über die Nationale Weiterbildungsstrategie. Beteiligt an der Erstellung des Strategiepapiers sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die Erarbeitung der Nationalen Weiterbildungsstrategie erfolgt zusammen mit den Sozialpartnern, Ländern, Kammern und der Bundesagentur für Arbeit.

01.01.2019: Qualifizierungschancengesetz tritt in Kraft

Zum Jahresbeginn 2019 ist das Qualifizierungschancengesetz in Kraft getreten. Dadurch erhalten Beschäftigte einen Anspruch auf Weiterbildungsberatung. Zudem werden die Möglichkeiten der Übernahme von Weiterbildungskosten erweitert, um Anreize zur Qualifizierung von Beschäftigten zu schaffen. Damit stellt das Qualifizierungschancengesetz eine wichtige Grundlage für die Nationale Weiterbildungsstrategie dar.

12.06.2019: Beschluss der Nationalen Weiterbildungsstrategie

Im Juni 2019 wurde die Nationale Weiterbildungsstrategie beschlossen. Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, bezeichnet dies als "Meilenstein für die berufliche Weiterbildung in Deutschland". Ein umfassendes Strategiepapier erläutert die Ziele und den Prozess zur Umsetzung der Nationalen Weiterbildungsstrategie. Die OECD wurde beauftragt die Umsetzung zu begleiten.

2021: Gemeinsamer Bericht der Partner zum Umsetzungsstand

Laut Strategiepapier der Nationalen Weiterbildungsstrategie wird im Jahr 2021 ein gemeinsamer Bericht der beteiligten Akteure und Sozialpartner zum Stand der Umsetzung vorgelegt. Es gilt zu prüfen, inwieweit die gesetzten Handlungsziele bereits erreicht wurden und an welchen Stellen Bedarf zur Änderung der Handlungsziele bestehen.

Worum geht es?

Weiterbildung in Betrieben ist notwendig, um dem Fachkräftemangel und dem digitalen Wandel auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen. Die Idee des lebensbegleitenden Lernens soll mit der Strategie schrittweise in den Arbeitsmarkt integriert werden. Damit baut die Nationale Weiterbildungsstrategie auf dem Qualifizierungschancengesetz auf, welches bereits ein Recht auf Weiterbildungsberatung für Unternehmen umfasst.

Im Koalitionsvertrag heißt es dazu:

"Mit dem Ziel, breiten Bevölkerungsteilen einen beruflichen Aufstieg zu erleichtern, die Fachkräftebasis zu stärken und die Beschäftigungsfähigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt nachhaltig zu fördern, wollen wir gemeinsam mit den Sozialpartnern und in enger Abstimmung mit den Ländern (und allen anderen Akteuren) eine Nationale Weiterbildungsstrategie entwickeln. Ein Ziel ist, alle Weiterbildungsprogramme des Bundes und der Länder zu bündeln, sie entlang der Bedarfe der Beschäftigten und der Unternehmen auszurichten und eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren."

(Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, Seite 49 im März 2018)

Folgendes sind die Kernpunkte der Nationalen Weiterbildungsstrategie:

  • Erhöhung der Transparenz von Weiterbildungsangeboten.
  • Förderlücken schließen und Fördersystem anpasssen.
  • Vernetzung der Weiterbildungsberatung und Intensivierung von Qualifizierungsangeboten.
  • Stärkung der Verantwortung der Sozialpartnern.
  • Kompetenzen von Arbeitnehmern sichtbar machen.
  • Weiterentwicklung von Fortbildungsabschlüssen und Weiterbildungsangeboten.
  • Förderung von Bildungseinrichtungen als Kompetenzzentren für berufliche Bildung.
  • Stärkung des Fachpersonals der Weiterbildung.

Das gesamte Strategiepapier der Nationalen Weiterbildungsstrategie findet sich zum Nachlesen hier.

Umsetzung und nächste Schritte

November 2019: Verständigung über verbindliche Zeitpläne.

Nächste Schritte: Die Nationale Weiterbildungsstrategie ist seit Juni 2019 beschlossen, sodass die Vorhaben nun angegangen werden können. Dabei wird die Umsetzung der Nationalen Weiterbildungsstrategie als kontinuierlicher Prozess betrachtet. Im Jahr 2021 soll ein erstes Zwischenfazit gezogen werden, um gegebenenfalls Handlungsziele anpassen zu können.

Warum relevant für den Mittelstand?

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt die Entwicklung eines Weiterbildungskonzepts eine große Herausforderung dar, da sie nur selten über eigene Personalabteilungen verfügen. Eine sinnvolle Einbindung von Weiterbildungsmaßnahmen in den Betrieb ist jedoch eine wichtige Voraussetzung, um dem Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Mithilfe der Nationalen Weiterbildungsstrategie sollen KMU in Zukunft zielgerichteter und effektiver bei dem Thema Fort- und Weiterbildung unterstützt werden.

Die DMB-Bewertung

Eine Bereitschaft der Koalition, sich intensiv und langfristig mit der Thematik auseinanderzusetzen, scheint vorhanden zu sein. Der DMB begrüßt es, dass beteiligte Akteure und Sozialpartner stärker eingebunden werden. Schließlich darf berufliche Weiterbildung nicht allein von den Unternehmen geschultert werden müssen. Mit welchem Erfolg die Nationale Weiterbildungsstrategie schlussendlich umgesetzt werden kann, muss abgewartet werden. Die Transparenz der Fördermaßnahmen – wie z.B. die vielfältigen Förderprogramme – ist für Unternehmen und Beschäftigte aktuell noch nicht ausreichend. Einen Überblick im Förderdschungel verschafft der DMB beispielsweise mit dem Themenschwerpunkt Förderprogramme.