Themenbeobachtung
Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung

Kurz zusammengefasst

Die Bundesregierung will eine Qualifizierungsoffensive initiieren, um die Weiterbildung von Beschäftigten voranzutreiben und sie auf die zukünftigen Anfoderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten.

Der DMB verfolgt die Entwicklung dieses Vorhabens und stellt alle relevanten Informationen zum Gesetz bereit.

12.03.2018: Eine Weiterbildungsstrategie und ein Recht auf Weiterbildungsberatung stehen im Koalitionsvertrag

Die Spitzen von CDU, CSU und SPD unterzeichnen in Berlin den Koalitionsvertrag. Darin findet sich auch die von der SPD im Wahlkampf geforderte Nationale Weiterbildungsstrategie und ein Recht auf Weiterbildungsberatung wieder. 

30.05.2018: Vorstellung der Qualifizierungsoffensive "Wissen und Sicherheit für den Wandel"

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil stellt seine Qualifizierungsoffensive "Wissen und Sicherheit für den Wandel" vor. Diese beinhaltet mehrere Vorschläge, um die Weiterbildung von Beschäftigten zu fördern.

30.08.2018: Veröffentlichung des Referentenentwurfs

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlicht den Referentenentwurf des Qualifizierungschancengesetzes.

19.09.2018: Verabschiedung im Bundeskabinett

Das Bundeskabinett verabschiedet den Regierungsentwurf des Qualifizierungschancengesetzes.

12.11.2018: Start der Nationalen Weiterbildungsstrategie

Der Start der Nationalen Weiterbildungsstrategie erfolgt am 12. November 2018.

Worum geht es?

Die Bundesregierung will die systematische Weiterentwicklung der Fähigkeiten von Beschäftigten gezielt fördern, damit sie sich Qualifikationen und Kompetenzen aneignen, die auch auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt sind. Dafür will sie eine nationale Weiterbildungsstrategie umsetzten und ein Recht auf Weiterbildungsberatung einführen. Zudem sollen Weiterbildungsmaßnahmen finanziell gefördert werden.   

Im Koalitionsvertrag heißt es dazu:

„Wir werden mit allen Akteuren eine Nationale Weiterbildungsstrategie für Arbeitnehmer und Arbeitssuchende entwickeln, um alle Weiterbildungsprogramme des Bundes und der Länder zu bündeln und eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren. Über die Bundesagentur für Arbeit erhalten alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Recht auf Weiterbildungsberatung. Wird ein Weiterbildungsbedarf jenseits der betrieblichen Weiterbildung festgestellt, sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen in der Verantwortung, diesem zu entsprechen. Dies wollen wir fördern, indem zukünftig Zuschüsse des Arbeitgebers zur Weiterbildung generell dann keinen Lohn oder geldwerten Vorteil darstellen, wenn sie der allgemeinen Beschäftigungsfähigkeit dienen.”

(Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, Seite 40)
 

Der Regierungsentwurf sieht vor, dass Beschäftigte zukünftig unabhängig von Qualifikation, Lebensalter und Betriebsgröße Zugang zur Weiterbildungsförderung erhalten sollen, wenn sie als Folge des digitalen Strukturwandels Weiterbildungsbedarf haben oder in sonstiger Weise von Strukturwandel betroffen sind. Der Ausbau der Förderung richtet sich auch an diejenigen, die eine Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben. Zusätzlich zur Übernahme von Weiterbildungskosten soll die finanzielle Förderung künftig auch den weiterbezahlten Lohn während der Qualifizierung umfassen können, wenn diese länger als einen Monat dauert.  Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern sollen die Lehrgangskosten voll und die Lohnfortzahlung zu 75 Prozent bezahlt bekommen. Kleine und mittlere Unternehmen (bis 250 Mitarbeiter) beides zu jeweils 50 Prozent und größere Unternehmen beides zu jeweils 25 Prozent.

Umsetzung und nächste Schritte

Umsetzung geplant bis: 1. September 2021

Nächste Schritte: Die beschlossenen Maßnahmen können nun umgesetzt werden.

Warum relevant für den Mittelstand?

Der Mittelstand braucht dringend Fachkräfte. Oftmals passen die Qualifikationen von Bewerber jedoch nicht zur Nachfrage von KMU. Automatisierung und der digitaler Wandel führen dazu, dass sich das Anforderungsprofil an Arbeitnehmer ständig verändert. Hier können Weiterbildungsmaßnahmen ansetzten, um die Kompetenzen der Arbeitnehmer an die Anforderungen der Arbeitgeber anzupassen. Die Weiterbildungsoffensive ist deshalb wichtig für mittelständische Unternehmen, weil sie einen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leistet und die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften erhöht.   

Die DMB-Bewertung

Die OECD geht davon aus, dass sich mehr als 35 Prozent aller Berufe bis 2030 grundlegend wandeln werden. Auf diese Entwicklung der Tätigkeitsprofile muss mit einer entsprechenden Weiterbildung und Qualifizierung der Arbeitnehmer reagiert werden. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben es im Wettbewerb mit Konzernen schwer, passende Fachkräfte zu gewinnen. Diese sind aber für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum des Mittelstands unerlässlich. Die Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung ist deshalb begrüßenswert. Besonders positiv ist, dass bei den finanziellen Zuschüssen zur Weiterbildungsmaßnahme und Lohnfortzahlung auf die Größe und Finanzkraft des Unternehmens Rücksicht genommen wird, wodurch KMU eine entsprechend höhere Förderung erhalten.