Themenbeobachtung
Künstliche Intelligenz | KI | AI

Kurz zusammengefasst

Im Koalitionsvertrag wurde ein Masterplan „Künstliche Intelligenz“ (KI) auf nationaler Ebene angekündigt. Ende 2018 hat die Bundesregierung dann ihre „Nationale Strategie für Künstliche Intelligenz“ vorgestellt. Die Zielsetzung: Deutschland zu einem führenden KI-Standort machen. Das Innovationspotential von künstlicher Intelligenz soll auch und insbesondere dem deutschen Mittelstand zugutekommen.

März 2018: Masterplan „Künstliche Intelligenz“ wird im Koalitionsvertrag angekündigt

Insgesamt 13 Mal findet der Begriff „künstliche Intelligenz“ Eingang in den Koalitionsvetrag zwischen den Unionsparteien und der SPD. Dem Dokument kann auch entnommen das ambitionierte Ziel werden, Deutschland zu einem weltweit führenden Standort bei der Erforschung von künstlicher Intelligenz machen zu wollen. Angekündigt wird erstmals ein nationaler „Masterplan für Künstliche Intelligenz“ (S.43).

26.6.2018: Einberufung der KI-Enquete-Kommission

Der Deutsche  Bundestag  setzt  eine  Enquete-Kommission  „Künstliche  Intelligenz  –Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ ein. Vorsitzende ist die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe. Die Kommission soll Handlungsempfehlungen im Umgang mit künstlicher Intelligenz erarbeiten und in einem Abschlussbericht im Sommer 2020 zusammenfassen.  

18.7.2018: Bundesregierung stellt Eckpunktepapier zur KI-Strategie vor

Im Juli 2018 stellt die Bundesregierung ihre „Eckpunkte für eine Strategie Künstliche Intelligenz“. Darin wird einerseits ein Umsetzungszeitplan festgelegt – auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung in Nürnberg (3. und 4. Dezember 2018) soll die Strategie Künstliche Intelligenz öffentlich vorgestellt werden – und anderseits werden die ambitionierten Ziele der Strategie untermauert: Deutschland soll zum weltweit führenden Standort für KI werden.

30.11.2018: Die Nationale KI-Strategie wird veröffentlicht

Wenige Tage vor dem Digitalgipfel wird die „Nationale Strategie für Künstliche Intelligenz“ veröffentlicht. Als eines von insgesamt 12 Handlungsfeldern wird „Transfer in die Wirtschaft, Mittelstand stärken“ benannt. Die Bunderegierung will mittelständische Unternehmen gezielt bei KI-Themen fördern und unterstützen. Auch KMU sollen „dazu befähigt werden, KI-Anwendungen nicht nur zu nutzen, sondern auch zu entwickeln und in ihre Geschäftsprozesse einzubeziehen“. Bis einschließlich 2025 will der Bund insgesamt etwa 3 Mrd. Euro für die Umsetzung der Strategie zur Verfügung stellen.

23.5.2019: Ressorts stellen erste Förderschwerpunkte vor

Die ersten konkreten Vorschläge zur Umsetzung der KI-Strategie kommen von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sowie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Ein besonderer Fokus wird auf den Transfer von der Forschung in die Praxis gelegt.

01.06.2019: Erste KI-Trainer unterstützen KMU bei KI-Anwendungen

Am 1. Juni 2019 haben die ersten „KI-Trainer für den Mittelstand“ ihre Arbeit im Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Saarbrücken aufgenommen. Die KI-Trainer sollen KMU beim Umgang mit KI beraten und unterstützen. Zukünftig sollen mindestens 20 KI-Trainer im ganzen Bundesgebiet über die Mittelstand 4.0-Kompetenzzenten jährlich mindestens 1.000 Unternehmen unterstützen.

01.8.2019: Stabsstelle Künstliche Intelligenz wird im Bundeswirtschaftsministerium eingerichtet

Marco-Alexander Breit leitet seit dem 1. August die "Stabstelle KI" im Bundeswirtschaftsministerium. Die Stabstelle soll das Schwerpunktthema Künstliche Intelligenz im Ministerium vorantreiben.

Sommer 2020: Abschlussbericht der KI-Enquete-Kommission

Die Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ wird dem Bundestag voraussichtlich im Anschluss an die parlamentarische Sommerpause ihren Abschlussbericht vorlegen. 

Umsetzung und nächste Schritte

Umsetzung geplant bis spätestens:

Die KI-Strategie orientiert sich bisweilen an einem Zeitrahmen bis einschließlich 2025 und wird ggf. durch ergänzende Maßnahmen – auch im Rahmen der High-Tech-Strategie – ausgeweitet.

Im Sommer 2020 wird der Abschlussbericht der KI-Enquete-Kommission erwartet.

Warum relevant für den Mittelstand?

Ob Automatisierung, Produktinnovation oder neue Wertschöpfungsmodelle – KI bietet großes Potential für kleine und mittelständische Unternehmen. Mit der nationalen KI-Strategie soll Deutschland zu dem führenden Standort für künstliche Intelligenz weltweit gemacht werden. Laut der Strategie sollen dafür u.a. 100 Hochschulprofessuren eingerichtet und „KI-spezifische Unterstützung“ für kleine und mittelständische Unternehmen ausgeweitet werden. Bis einschließlich 2025 sollen dafür insgesamt etwa 3 Mrd. Euro für die Umsetzung der Strategie zur Verfügung gestellt werden.

Die DMB-Bewertung

Die Nationale KI-Strategie geht weit über die ursprünglichen Ankündigungen im Koalitionsvertrag hinaus und ist inhaltlich grundsätzlich positiv zu bewerten: Der Fokus auf den Wissens- und Anwendungstransfer hin zu kleinen und mittleren Unternehmen ist richtig.

Doch der Umsetzung der Strategie fehlt momentan das nötige Tempo – und die finanzielle Ausstattung. An der Einrichtung der Professuren hapert es zum Beispiel. Und im Finanzplan bis 2023 (S.6) sind bislang lediglich 1 Mrd. Euro vorgesehen. In ausgewählten „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren“ haben die ersten sogenannten „KI-Trainer“ ihre Tätigkeit aufgenommen. Die KI-Trainer sollen konkrete Hilfe und Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen im Umgang mit künstlicher Intelligenz bieten. Doch 20 KI-Trainer mit insgesamt geschätzten 1000 Unternehmenskontakten im Jahr werden kaum ausreichen, um KI-Anwendungen in der Breite des Mittelstandes zugänglich zu machen.