Themenbeobachtung
Handelskonflikt

Kurz zusammengefasst

Nach der Einführung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte durch die USA haben zahlreiche Staaten wie die EU und China mit Gegenmaßnahmen reagiert. So hat sich ein weltweiter Handelsstreit entwickelt, der weiter zu eskalieren droht. Betroffen sind alle außenwirtschaftlich aktiven Unternehmen, die in globale Handelsketten eingebunden sind.

Der DMB verfolgt die Entwicklung des Handelskonflikts und stellt alle relevanten Hintergrundinformationen bereit.

01.03.2018: Ankündigung von Strafzöllen durch US-Präsident Trump

US-Präsident Trump kündigt an zeitnah Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte einzuführen, um die heimische Wirtschaft zu schützen.

08.03.2018: Unterzeichnung eines Dekrets zur Einführung von Zöllen durch Trump

Trump unterzeichnet ein Dekret mit dem Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahlimporte und von 10 Prozent auf Aluminiumimporte erhoben werden.  Die EU, Kanada, Mexiko, Australien, Argentinien, Brasilien und Südkorea sind vorerst von diesen Zöllen ausgenommen.

01.06.2018: Strafzölle gelten auch für EU, Kanada und Mexiko

Die Ausnahmeregelung für die EU, Kanada und Mexiko ist abgelaufen. Ab dem 1. Juni verhängen die USA auch für sie Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Dauerhaft von den Zöllen ausgenommen bleiben lediglich Argentinien, Australien, Brasilien und Südkorea.

01.06.2018: EU reicht Klage bei WTO und kündigt Gegenmaßnahmen an

Als Reaktion auf Erhebung von Strafzöllen gegen EU-Importe, reicht die Europäische Kommission Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) gegen das Vorgehen der US-Regierung ein und kündigt Gegenmaßnahmen an.

22.06.2018: EU führt Zölle auf US-Produkte ein

Als Gegenmaßnahme verhängt die EU Strafzölle auf mehrere „klassische“ US-Produkte wie Bourbon-Whisky, Erdnussbutter und Harley-Davidson-Motorräder.

22.06.2018: Trump droht mit Strafzöllen auf Autos

Nach den Vergeltungsmaßnahmen der EU droht US-Präsident Trump Europa mit der Einführung von Strafzölle auf Autos in Höhe von 20 Prozent.

06.07.2018: USA verhängen weitere Strafzölle auf mehrere chinesische Produkte

Die USA führen zusätzliche Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf mehrere Waren aus China im Wert von 34 Milliarden Dollar ein. Darunter befinden sich unter anderem Autos, Flugzeugteile und Festplatten. Die chinesische Regierung kündigt umgehend Gegenmaßnahmen in gleicher Höhe an.

26.07.2018: Annäherung zwischen Trump und Juncker

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker trifft US-Präsident Donald Trump in Washington und erreicht eine Annäherung im Handelsstreit. Beide Präsidenten einigen sich in einer gemeinsamen Erklärung darauf, vorerst keine weiteren Zölle einzuführen und bestehende Industriezölle in Verhandlungen gegenseitig abzubauen. Die von Trump angedrohten Autozölle werden damit zunächst nicht umgesetzt. Weiterhin bekundet die EU ihre Absicht mehr Produkte wie Sojabohnen und Flüssiggas aus den USA zu importieren, um den eigenen Handelsüberschuss abzubauen und die Energieabhängigkeit von Russland zu verringern.

23.08.2018: USA verhängen erneut Strafzölle gegen China – Peking reagiert mit Gegenmaßnahmen

Die USA führen zusätzliche Strafzölle auf chinesische Produkte im Wert von 16 Milliarden Dollar ein, darunter Plastik, Chemikalien und Motorräder. Die chinesische Regierung setzt daraufhin weitere Zölle auf amerikanische Produkte in Kraft und kündigt eine Klage bei der WTO an.

30.11.2018: Kanada, Mexiko und die USA unterzeichnen USMCA-Abkommen

US-Präsident Donald Trump, der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto und Kanadas Premier Justin Trudeau unterzeichnen am 30.11.2018 das Handelsabkommen USMCA, das im Laufe des Jahres 2019 anstelle des Nafta-Abkommens auch ratifiziert werden soll.

Die Ablehnung gegenüber dem Nafta-Abkommen war ein wichtiger Bestandteil in Donald Tumps Präsidentschaftswahlkampf. Im neuen USMCA-Abkommen wurden auf Drängen der US-Regierung viele protektionistische Regeln festgelegt, die die US-Wirtschaft schützen sollen. Zum Beispiel müssen zu importierende Autos aus Mexiko einen Mindestanteil von US-Teilen besitzen, um zollfrei importiert werden zu können.

02.12.2018: USA und China erklären vorläufigen "Waffenstillstand"

Am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires einigen sich US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege auf eine vorläufige Aussetzung neuer Strafzölle. Innerhalb der nächsten 30 Tage sollen die Handelsstreitigkeiten beider Weltmächte geklärt werden.

Diese Frist wird im Nachhinein noch einmal verlängert. Am 30. April 2019 treffen sich Vertreter beider Nationen zu neuen Gesprächen.

08.04.2019: USA plant neue Strafzölle gegenüber der EU, EU droht mit Vergeltung

US-Handelsbeauftragter Robert Lighthizer veröffentlicht eine vorläufige Liste von geplanten Einfuhrzöllen gegenüber der EU im Wert von rund 11 Mrd. Dollar. Grund für diese Drohung sind Streitigkeiten bezüglich Subventionsvorwürfen, die nach Meinung der USA illegal von der EU an den europäischen Flugzeugbauer Airbus geleistet wurden. Umgekehrt wirft die EU den USA illegale Subventionen für den amerikanischen Hersteller Boeing vor. Beide Seiten kritisieren die andere Seite in Bezug auf unfairen Wettbewerb. Donald Trump betonte in diesem Zusammenhang auf Twitter, dass die EU die USA zu lange ausgenutzt hätte. Dem würde er nun ein Ende setzen.

 

09.04.2019: EU droht mit Vergeltung

Die EU kündigte Vergeltungsmaßnahmen an, falls die Amerikaner die Drohung vom 08.04.2019 in die Tat umsetzen würden.

30.04.2019: Start von neuen Verhandlungen zwischen den USA und China

Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und US-Finanzminister Steven Mnuchin werden am 30. April 2019 in Peking zur nächsten Runde der Handelsgespräche erwartet.

Die chinesische Seite wird von Vizeregierungschef Liu He vertreten. Am 8.Mai folgen weitere Gespräche in Washington. US-Präsident Donald Trump und sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow zeigen sich im Vorfeld der Gespräche "vorsichtig optimistisch" den Handelsstreit beenden zu können.

Worum geht es?

Aufgrund des hohen Außenhandelsdefizits der USA hat US-Präsident Donald Trump im März 2018 Einfuhrzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte verhängt. Zahlreiche von den Strafzöllen betroffene Handelspartner wie die EU und China haben Gegenmaßnahmen eingeleitet und ihrerseits Zölle auf US-Produkte eingeführt. So hat sich ein globaler Handelsstreit entwickelt. Präsident Trump hat bereits mehrfach mit weiteren Zölle - unter anderen auf deutsche Autos – gedroht, was zu einer Eskalation des Handelskonfliktes führen könnte.

Nächste Schritte

Die EU-Kommission will mit der US-Regierung über einen schrittweisen gegenseitigen Abbau von Zöllen und über eine Reform der WTO verhandeln.

Warum relevant für den Mittelstand?

44 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind als Exporteure oder als Zulieferer an außenwirtschaftlichen Aktivitäten beteiligt. Die derzeitigen Strafzölle auf Stahl und Aluminium sind für den Mittelstand eher vernachlässigbar, da kaum KMU in den entsprechenden Branchen aktiv sind. Sollte sich die Spirale der Strafzölle allerdings weiterdrehen und auf andere Produkte ausweiten, wären nicht nur exportierende KMU betroffen, sondern auch solche, die als Zulieferer zu Exporten beitragen. Ebenfalls betroffen wären Mittelständler, die Vorprodukte aus den USA beziehen, da diese durch Vergeltungszölle der EU teurer werden könnten.

Die DMB-Bewertung

In einer globalisierten Weltwirtschaft kann es bei einem Handelskonflikt nur Verlierer geben. Denn letztendlich ist jedes Unternehmen durch Strafzölle betroffen, das seine Produkte exportiert oder in internationale Lieferketten eingebunden ist. So leiden beispielsweise auch deutsche Unternehmen, die ihre Produkte in den USA produzieren und nach China exportieren unter dem Handelsstreit. Derzeit ist der Mittelstand zwar noch kaum von den aktuellen Zöllen betroffen, doch das könnte sich schnell ändern. Sollte US-Präsident Trump Importzölle auf Autos einführen, würde das neben den großen Autokonzernen auch die mittelständische Zuliefererindustrie hart treffen.

Bevor es dazu kommt, muss eine Lösung her. Die Verhandlungen zwischen Juncker und Trump in Washington waren dabei ein erster wichtiger Schritt durch den eine weitere Verschärfung des Konfliktes vorerst abgewendet werden konnte. Langfristig müssen beide Seiten ihre Handelsbarrieren gegenseitig abbauen, um freien und fairen Handel zwischen den USA und der EU zu gewährleisten.

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