18.01.2023Hintergrund

Mittelstand in Zahlen: Widerstandsfähigkeit von Unternehmen

Der Mittelstand ist der Wirtschaftsmotor Deutschlands. Doch wie ist dieser aufgestellt? Was steckt dahinter? Was bewegt KMU? Der DMB stellt mit "Mittelstand in Zahlen" regelmäßig interessante Fakten und Studienergebnisse vor.

In den letzten Jahren sind Unternehmen zunehmend exogenen Schocks ausgesetzt. Um erfolgreich bestehen und langfristig überleben zu können, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Die Unternehmensberatung Atreus GmbH aus München fragte in einer eigenen Studie „Restrukturierung und Transformation 2022“ 1.000 Führungskräfte aus Unternehmen u.a. nach der Betroffenheit einzelner Wirtschaftszweige durch exogene Faktoren wie Lieferengpässe, Anstieg von Rohstoffpreisen und den Ukraine-Krieg.

Die Antwortgebenden stuften die Branchen „Automotive“ und „Industriegüter, Anlagen- und Maschinenbau“ besonders häufig als stark oder sehr stark betroffen ein. Danach folgten der Energiesektor, die Tourismusbranche, der Handel, die Chemie- und Pharmaindustrie und die IT-Branche.

 

 

Doch welche sollten betroffene Unternehmen einleiten, um widerstandsfähiger zu werden? Für die „Restrukturierungsstudie 2022“ fragte die Unternehmensberatung Roland Berger 650 Restrukturierungsexperten u.a. welche Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Unternehmen bei exogenen Schocks als besonders geeignet eingestuft werden.

Fast 50 Prozent der Befragten nannten die Errichtung eines Risikomanagements als besonders geeignet, gefolgt von der Diversifizierung des Zuliefernetzwerks und der Erhöhung der Liquiditätsreserven oder Refinanzierungsmöglichkeiten. Doch was bedeuten diese drei Maßnahmen genau?

 

Risikomanagement

Ein wichtiger Bestandteil für die Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens bei exogenen Schocks ist die Errichtung eines Risikomanagements. Dies beinhalten die Identifizierung, Bewertung und Behandlung von Risiken, die das Unternehmen beeinträchtigen können. Ein effektives Risikomanagement ermöglicht es Unternehmen, schnell auf potenzielle Gefahren zu reagieren und diese zu minimieren oder zu vermeiden.

Ein effizientes Risikomanagement beginnt mit der Identifizierung von Risiken, die das Unternehmen beeinträchtigen können. Dies können interne Risiken wie Prozessfehler oder Personalprobleme sein, oder externe Risiken wie wirtschaftliche Rezessionen, politische Unruhen oder Pandemien sein. Nach der Identifizierung der Risiken, werden diese analysiert, um das Ausmaß ihrer Bedrohung und die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens zu bestimmen.

Nach der Analyse von Risiken, müssen Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um diese Risiken zu minimieren oder zu vermeiden. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die regelmäßige Überwachung und Überprüfung der Risiken und der implementierten Maßnahmen. Dies ermöglicht es Unternehmen, schnell auf Veränderungen in den Risiken und in der Geschäftsumgebung zu reagieren und ihre Risikostrategie gegebenenfalls anzupassen.

 

Diversifizierung des Zuliefernetzwerks

Die Diversifizierung des Zuliefernetzwerks bei Unternehmen bedeutet die Verteilung des Risikos durch die Verringerung der Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern. Eine gute Diversifizierung bei Lieferanten hat mehrere Vorteile. Zunächst einmal kann es das Risiko von Lieferausfällen oder -verzögerungen reduzieren. Zudem können Unternehmen oft bessere Preise und Bedingungen von ihren Zulieferern erhalten, da sie sich nicht in der Position befinden, von einzelnen Lieferanten abhängig zu sein.

Eine Diversifizierung des Zuliefernetzwerks erfordert jedoch auch eine gründliche Planung und eine regelmäßige Überwachung. Unternehmen müssen sicherstellen, dass die neuen Zulieferer in der Lage sind, die benötigten Produkte oder Dienstleistungen zu einem angemessenen Preis und in einer angemessenen Qualität zu liefern.

 

Erhöhung der Liquiditätsreserven

Liquiditätsreserven sind die Mittel, die ein Unternehmen schnell für Zahlungen einsetzen oder in Geld umwandeln kann, um seine Finanzverpflichtungen zu erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel Bargeld, Bankguthaben und kurzfristige Kapitalanlagen. Die Erhöhung der Liquiditätsreserven bei Unternehmen ist von großer Bedeutung, da es ihnen ermöglicht, auf unvorhergesehene Ausgaben und Verluste vorbereitet zu sein.

Mit ausreichenden Liquiditätsreserven kann schnell auf plötzliche Ausgaben reagiert werden, wie zum Beispiel unerwartete Reparaturen oder den Verlust eines wichtigen Kunden. Es kann auch flexibel auf Veränderungen in der Geschäftsumgebung reagiert werden, wie zum Beispiel auf eine Rezession oder hohe Energiepreise.

Eine Erhöhung der Liquiditätsreserven kann beispielsweise durch die Reduzierung von Schulden, durch den Verkauf von nicht benötigten Vermögenswerten oder durch die Erhöhung von Eigenkapital erreicht werden. Unternehmen sollten auch ihre Finanzplanung regelmäßig überprüfen, um sicherzustellen, dass sie ausreichende Liquiditätsreserven haben, um ihre Finanzverpflichtungen zu erfüllen.

 

Quellen: Roland Berger Restrukturierungsstudie 2022: Krisenstimmung in Deutschland; Atreus Studie Restrukturierung und Transformation 2022

Mehr zu diesen Themen