10.06.2020Nachricht

Bundeskabinett beschließt "Nationale Wasserstoffstrategie"

Das Bundeskabinett hat am 10.06.2020 die Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft und als Hoffnung für klimafreundliche Verfahren. Für die Dekarbonisierung deutscher Kernbranchen gilt Wasserstoff als eine Schlüsseltechnologie.

Mit der beschlossenen Energiewende steht Deutschland vor einem fundamentalen Wandel. Bis 2022 werden alle Atomkraftwerke vom Netz gehen, das Ende der Kohlekraftwerke ist ebenfalls beschlossene Sache. Die Umstellungen auf erneuerbare Energien sowie die Sicherstellung von Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft stellen eine enorme Herausforderung dar.

Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für eine klimaneutrale Wirtschaft. Wird Wasserstoff verbrannt, entstehen keine Treibhausgase wie bei herkömmlichen Energieträgern. Das Problem: Es muss sichergestellt werden, dass bei der Herstellung von Wasserstoff kein CO2 ausgestoßen wird. Bisher ist die Herstellung sowie Nutzung von Wasserstoff noch nicht wirtschaftlich. Mit der nationalen Wasserstoffstrategie stellt die Bundesregierung die Weichen, das Potenzial von Wasserstoff zu erschließen.

Das erklärte Ziel der Bundesregierung: Deutschland soll bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt werden. Dafür werden insgesamt 7 Milliarden Euro für den Ausbau der Wasserstofftechnologie in Deutschland bereitgestellt. Weitere 2 Milliarden Euro stehen für den Aufbau internationaler Wasserstoff-Partnerschaften bereit.

Die vorgelegte Strategie sieht eine Stärkung des Heimatmarktes vor. Mit Investitionen in Forschung und Entwicklung soll die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen forciert und die Grundlage für den Technologieexport gelegt werden. Darin besteht auch eine Chance für den Mittelstand als Innovationstreiber und Abnehmer von Wasserstofftechnologien.

Bis 2030 ist der Aufbau von bis zu 5 Gigawatt Elektrolyse-Leistung vorgesehen. Elektrolyse bezeichnet den Vorgang der Herstellung von Wasserstoff. Wasser wird mithilfe von Strom in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Die Bundesregierung setzt damit auf grünen Wasserstoff. Das bedeutet: Der für die Produktion von Wasserstoff nötige Strom stammt aus erneuerbaren Energien. Für 5 Gigawatt Elektrolyse-Leistung werden 20 Terawattstunden aus Wind- und Photovoltaik-Anlagen benötigt.

Die Bundesregierung geht von einem Wasserstoffbedarf von bis zu 110 Terawattstunden im Jahr 2030 aus. Der Bedarf übersteigt die bis dahin geplanten Produktionsleistungen. Daher setzt die Bundesregierung auf internationale Kooperationen und Importe. Des Weiteren sollen die Produktionsanlagen von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage befreit werden.

Im Verkehrsbereich sieht die Strategie eine feste Verankerung von grünem Wasserstoff als Energieträger vor. Als Basisprodukt für synthetische Kraftstoffe soll nachhaltig produzierte Wasserstoff nicht nur in der Luft- und Schifffahrt Anwendung finden, sondern auch im Automobilsektor.

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