08.10.2020Hintergrund

Die Zukunft des Bezahlens

Die Corona-Pandemie hat weltweit enormen Einfluss auf nahezu alle Lebensbereiche der Menschen. Auch beim Bezahlen ist eine kollektive Verhaltensveränderung sichtbar. Selbst bei kleinsten Beträgen ist bargeldlose Zahlung heute allseits gewünscht. Ist das nur eine aktuelle Hygienemaßnahme oder der längst absehbare Wandel?

Deutschland im Jahr 2060: Erzählungen von Papierlappen und Kupferstücken, sogenanntem „Bargeld“, das bis zu 20 Jahre im Umlauf war und durch zig Hände wanderte, sind für junge Menschen nur noch Relikte aus einer prädigitalen Epoche. Eine Vision, die zumindest aus aktueller Sicht sehr wahrscheinlich ist. Denn die aktuelle Krise beschleunigt die Entwicklung bargeldlosen Zahlens in einem bisher ungeahnten Maß.

Zurück ins Jahr 2020: Immer mehr Händler bitten ihre Kunden, mit der Bankkarte und im besten Fall sogar kontaktlos zu bezahlen. Einer Erhebung des Bundesverbandes deutscher Banken zufolge sind elektronische Transaktionen im Mai 2020 um 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Im internationalen Vergleich sind deutsche Unternehmen beim Angebot bargeldloser Zahlungsoptionen allerdings noch immer zurückhaltend. In Deutschland gab es im Jahr 2019 laut Europäischer Zentralbank (EZB) 856.000 bargeldlose Verkaufsstellen, was gerade einmal etwas mehr als zwei Terminals pro Quadratkilometer (2,4) entspricht. Zum Vergleich: im Vereinigten Königreich sind es mehr als elf (11,1).


Die Kosten in der Übersicht

Viele Unternehmer schrecken vor den Kosten bei der Zahlungsabwicklung zurück. Für eine Kreditkartenzahlung zahlt der Händler maximal 0,3 Prozent, für eine Zahlung mit Girokarte maximal 0,2 Prozent des Kundenpreises. Diese maximalen Kosten gelten in der gesamten Europäischen Union und sind vom Gesetzgeber festgelegt. Um Kartenzahlungen zu ermöglichen, muss der Händler über das entsprechende Equipment verfügen. Vor allem für kleine Geschäfte ist das oft ein relevanter Kostenfaktor. Zusätzlich zahlt der Händler für die entsprechende Software, Integration und Zahlungsabwicklung. Bargeld-Einzahlungen bei der Bank verursachen allerdings ebenfalls Kosten.

„Insgesamt weisen Barzahlungen nach wie vor die geringsten Kosten pro Transaktion auf“, erklärt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht Juni 2019. Bezogen auf den Umsatz kehrt sich das Verhältnis jedoch um: Hier verursachen kontaktlose Girokartenzahlungen die geringsten Kosten – Bargeldzahlungen sind aufgrund des höheren Abwicklungsaufwands am teuersten.


Neue Bezahlsysteme auf dem Vormarsch

DMB-Mitglied und Unternehmer Burkhard Fuhrmann berichtet von einem Anstieg der bargeldlosen Zahlungen in seinem stationären Reifenhandel während der Corona-Krise auf über 80 Prozent: „Die Krise sehe ich – neben all den Schwierigkeiten, die sie mitbringt – auch als Chance, Betriebsabläufe weiter zu digitalisieren und sich den Wünschen der Kunden damit anzupassen.“

Moderne Technologien verändern das Bezahlverhalten der Menschen immer stärker: Das kontaktlose Bezahlen per Smartphone und Smartwatch, selbstzahlende Autos an Tankstellen, Einzelhandelsgeschäfte ohne Kassen sowie das Zahlen per Fingerabdruck und Stimme sind da nur einige Beispiele, die auch in Deutschland mehr an Bedeutung gewinnen.

Auch bei den Bezahlsystemen zeichnet sich ein evolutionärer Wettbewerb ab: Je mehr Anwender – z.B. Händler oder Kunden – die Vorteile des digitalen Bezahlens gegenüber dem Bargeld erkennen, umso stärker werden sich einzelne Bezahlmethoden durchsetzen. Vor der Entscheidung, ein modernes Bezahlverfahren einzuführen, sollten jedoch die Chancen bei der Schnelligkeit des Arbeitsablaufs, der hinzugewonnene Komfort und die bessere Hygiene wie auch die Herausforderungen bei der Sicherheit und die Kosten bedacht werden.

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