14.03.2019Fachbeitrag

Fazit: Warum lohnt sich ein Markteinstieg in der Ukraine?

Beitragsserie "Markteinstieg in der Ukraine"

Rund 8 Prozent aller deutschen kleinen und mittleren Unternehmen erzielen derzeit Umsätze auf außereuropäischen Märkten. Im Fokus stehen dabei natürlich oftmals die großen nicht-europäischen Handelspartner – allen voran China, die USA oder Japan. Doch auch auf Märkten in direkter geographischer Nachbarschaft zur Europäischen Union bieten sich spannende Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten für deutschen Unternehmen.

Spannende Perspektiven bietet unter anderem die Ukraine. Seit 2004 wurde im Zuge der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) die wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit zwischen der EU und dem Land im Osten des europäischen Kontinents intensiviert. Die Ukraine befindet sich heute in einer Phase mit großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Dynamik. Nach den sich überschlagenden Entwicklungen im Jahr 2013, ausgelöst durch die Majdan-Proteste, hat die Ukraine ihre Staats- und Wirtschaftskrise überstanden und sich in den vergangenen Jahren mit guten Wachstums- und Außenhandelszahlen zunehmend erholt.

Die Handelsbeziehungen mit der Ukraine entwickeln sich schwungvoll

Ein maßgeblicher Treiber für die guten Entwicklungen im Außenhandel zwischen der EU und der Ukraine stellt das seit 2016 angewandte Assoziierungsabkommen dar, mit dem das Land enger an die Europäische Union und somit auch an Deutschland angebunden wird. Deutschland ist nach Russland und China inzwischen der drittgrößte Warenlieferant für die Ukraine. Der Außenhandelsumsatz zwischen Deutschland und der Ukraine belief sich im Jahr 2017 auf rund 6,6 Mrd. Euro – in dieser Größenordnung rangiert die Ukraine auf Rang 45 der wichtigsten Handelspartner der Bundesrepublik, knapp hinter EU-Mitgliedsstaaten wie Bulgarien oder Griechenland. Laut Statistischem Bundesamt sind die deutschen Exporte in die Ukraine von Januar bis August 2018 um 2,2 Prozent gestiegen. Die Importe legten in diesem Zeitraum gar um 19,9 Prozent zu.  

Der ukrainische Reformkurs ist im vollen Gange

In den vergangenen fünf Jahren hat die ukrainische Regierung einen beispiellosen Reformkurs eingeschlagen, der den Weg in Richtung Europa weiter öffnen soll. Einzelne Aspekte dieses Modernisierungskurses sind in der vorliegenden Beitragsserie umfassenden benannt, eingeordnet und honoriert worden – etwa in den Beiträgen zur „Wahl der richtigen Rechtsform“ zu Aspekten des „Kartellrechts“ oder des „Steuerrechts“ in der Ukraine. Die Harmonisierung mit europäischem Recht ist ein dynamischer Prozess, was aber nicht bedeutet, dass die Ukraine heue weniger interessant ist als morgen. Im Gegenteil: wenig erschlossene Märkte bieten enormes Potential und durch wichtige Reformen z.B. im Steuerrecht oder im Investitionsschutz kann die Ukraine bereits heute weitreichende unternehmerische Planungssicherheit bieten. Spannend wird die Frage sein, wie der bisherige Reformkurs im Anschluss an die Ende März 2019 anstehenden Präsidentschaftswahlen und die Parlamentswahlen im Oktober 2019 weiter ausgestaltet wird.  

Wirtschaftsbereiche im Aufschwung: große Potentiale in mehreren Sektoren

Ungeachtet des Superwahljahres 2019 hat sich das Land am Dnepr in den vergangenen Jahren modernisiert und wirtschaftlich diversifiziert. Neben den traditionell starken Wirtschaftssektoren wie Bergbau & Industrie, Handel, Agrarwirtschaft & Lebensmittelproduktion sowie Transport & Logistik hat sich die Ukraine zu einem interessanten und international beachteten Tech-Standort entwickelt. Es entstehen immer mehr hochspezialisierte Tech-Unternehmen, die nicht selten mehrere Hundert Spezialisten beschäftigen. Der IT- und Digitalisierungsbereich könnte in den kommenden Jahren sogar zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Ukraine heranwachsen.

Großes Potential bieten die ukrainischen Arbeitskräfte mit vergleichsweise niedrigen Lohnkosten bei sehr gutem Ausbildungs- und Qualifikationsniveau. Hier müssen jedoch die Unterschiede zum deutschen Arbeitsrecht berücksichtigt werden. Im Bereich der Lohnveredelung sind durch das niedrige Lohnniveau interessante Ansatzpunkte für Investitionen zu finden.

Ein weiterer interessanter Wachstumsmarkt sind erneuerbare Energien. Projekte mit einer Gesamtkapazität von ca. 745 MW, meist im Bereich der Solar-, Wind- und Biogas-Energieanlagen, wurden im Jahre 2018 in der Ukraine fertiggestellt. Die meisten dieser Projekte wurden von ausländischen Investoren oder unter ausländischer Beteiligung realisiert. Die hohe Einspeisevergütung ist hier eine Hauptattraktion für Investoren.

Richtige Strategie und gute Beratung führt zum erfolgreichen Markeintritt

Unternehmer, die über den Aufbau von Auslandsaktivitäten nachdenken, sollten den Markteintritt gut vorausplanen. Dies gilt natürlich auch für die Ukraine, wo gute Planung und Beratung unerlässlich sind. Die in Kooperation zwischen DMB und den DLF-Rechtsanwälten entstandene Beitragsserie „Markteinstieg in der Ukraine“ soll Unternehmern dabei helfen, Orientierungswissen aufzubauen. Die Beitragsserie ist eine der umfassendsten deutschsprachigen Publikationen zu verschiedenen, branchenübergreifenden Aspekten der ukrainischen Wirtschaft. Die vierzehn Beiträge bieten sich daher insbesondere als Informationsgrundlage und Wegweiser für erste geschäftliche Aktivitäten in der Ukraine von kleinen und mittleren Unternehmen an.

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