28.04.2017Nachricht

ifo Institut: Ein harter Brexit würde Arbeitsplätze in Deutschland gefährden

"Es muss daher bei den Brexit-Verhandlungen darum gehen, unnötigen Schaden abzuwenden. Es gibt kein vernünftiges Szenario, bei dem der Brexit auch für die Briten per Saldo vorteilhaft wäre. Es braucht daher keine extra Bestrafung, die zwangsläufig auch für Deutschland kostspielig wäre", sagte Felbermayr weiter.

Umgekehrt stecke auch ein Teil der britischen Wertschöpfung in der Nachfrage der 27 restlichen EU-Länder, erklärte Felbermayr. Dies biete ebenfalls Beschäftigung für viele Menschen im Vereinigten Königreich. Industrie und Dienstleistungen seien stark verflochten über den Ärmelkanal. So machten britische Vorleistungen, vor allem Dienstleistungen, für die deutsche Wirtschaft viel aus. Und die Wertschöpfung aus der EU umfasse einen erklecklichen Teil des Produktionswertes der britischen Autobranche.

Selbst wenn nun als Ersatz ein umfassendes EU-Freihandelsabkommen abgeschlossen würde wie mit Südkorea, würde Deutschland Wertschöpfung verlieren, plus Nettobeiträge zur EU. Das Vereinigte Königreich würde ebenfalls viel Wertschöpfung verlieren, sparte sich aber seinen Nettobeitrag zur EU.

"Wenn jedoch keine vertragliche Lösung gefunden wird, verlieren Deutschland und das Vereinigte Königreich deutlich mehr", sagte Felbermayr. Bei einem harten Brexit könnte zwar der deutsche Finanzplatz Wertschöpfung aus London anziehen; dieser Gewinn aber wäre für Deutschland sehr teuer erkauft. "Die EU sollte sich daher beim Aufbau von Drohkulissen zurückhalten, damit es nicht zu vorwegnehmenden Anpassungen der Wirtschaft kommt, die in zwei Jahren einen harten Brexit rechtfertigen, den eigentlich keiner wollen kann", sagte Felbermayr. Dogmatische Ansagen zum Thema "Rosinenpicken" oder zur "Untrennbarkeit der vier Freiheiten" seien zu vermeiden. Jedes Freihandelsabkommen werde gewisse Freiheiten gewähren, andere verweigern. Wichtig sei aber die Gegenseitigkeit.

Felbermayr kritisierte, die Trennung der Verhandlungen in Scheidung einerseits und neues Freihandelsabkommen andererseits sei problematisch. "Wenigstens zum Schluss sollten alle Themen gemeinsam auf den Tisch, um eine Paketlösung zu ermöglichen. Je größer die Themenpalette, umso leichter fallen Kompromisse; das ist eine Lehre der Spieltheorie", sagte Felbermayr. Ein Abschluss von Teilabkommen führe wahrscheinlich nicht zu guten Ergebnissen.

Quelle: CESifo Group München, Pressemitteilung vom 28.04.2017

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