18.02.2015Fachbeitrag

Internationaler Rechtskommentar:
Versteuerung von Dividenden in Frankreich

Rechtskommentar:

In Frankreich ausgeschüttete Dividenden werden sowohl der Einkommenssteuer als auch den Sozialabgaben unterworfen. Verschiedene Reformen haben in den vergangenen Jahren in Frankreich zu einer gewissen Unsicherheit geführt, was die steuerliche und soziale Last in diesem Bereich angeht. Nun scheint sich die Lage etwas stabilisiert zu haben, obgleich noch einige Ungewissheiten für die Zukunft bestehen.

Einkommenssteuer auf Dividenden

In Frankreich werden Dividenden im Rahmen der globalen Einkommenssteuer versteuert. Demnach hängt der Steuersatz der Dividenden von dem Gesamteinkommen eines Haushaltes ab. Für in Frankreich steuerlich ansässige Gesellschafter (natürliche Personen) werden die ausgeschütteten Dividenden, nach einem pauschalen Abschlag von 40%, im Rahmen der Einkommenssteuererklärung des jeweiligen Ausschüttungsjahres angemeldet.

Die Einkommenssteuer ist nach jährlichem Bruttoeinkommen derzeit wie folgt gestaffelt:

Bis zu 9.690 Euro: 0%
Von 9.691 bis 26.764 Euro: 14,00%
Von 26.765 bis 71.754 Euro: 30,00%
Von 71.755 bis 151.956 Euro: 41,00%
Über 151.956 Euro: 45%

In Frankreich erfolgt die Versteuerung des Einkommens nicht durch Quellenbesteuerung, sondern wird einmal jährlich anhand der Angaben über das zu versteuernde Einkommen eines Haushaltes im Laufe des vergangenen Kalenderjahrs erhoben.

Seit 2014 gibt es für Dividenden diesbezüglich jedoch eine Besonderheit: eine Gesellschaft, welche die Ausschüttung von Dividenden vornimmt, leistet sofort eine obligatorische Anzahlung auf die Einkommenssteuer seiner Gesellschafter in Höhe von 21% des ausbezahlten Betrages. Gesellschafter, welche im Jahre N-1 über ein Einkommen von weniger als 50.000 Euro verfügen, können jedoch von der Zahlung dieses Vorschusses befreit werden.

Bei der Berechnung der Einkommenssteuer, jeweils im Oktober des Folgejahres, wird dieser Betrag als Vorschuss auf die globale Einkommenssteuer verbucht. Für in Frankreich steuerrechtlich nicht ansässige Gesellschafter ist der oben erwähnte Abschlag von 40% nicht anwendbar. Die an sie ausgeschütteten Dividenden sind einer Quellenbesteuerung unterworfen, deren Steuersatz unter anderem von den Doppelbesteuerungsabkommen abhängig ist.

Sozialabgaben auf Dividenden

Hier unterscheidet das französische Gesetz zwischen den verschiedenen Gesellschaftsformen sowie der eventuellen Führungsposition der jeweiligen Gesellschafter und deren finanziellen Beteiligung am Gesellschaftskapital. Dies führt zu einer Ungleichbehandlung, wie anhand eines Beispiels mit dem Geschäftsführer einer SARL (GmbH) und dem Geschäftsführer einer SA (AG) oder SAS (vereinfachte Aktiengesellschaft) kurz
erläutert werden soll:

Fall des Geschäftsführers einer SARL (GmbH), welcher ebenfalls mehrheitlicher Gesellschafter ist: Lediglich Dividenden, welche 10% der von diesem Geschäftsführer in die Gesellschaft eingebrachten Beträge darstellen, unterliegen den Sozialabgaben von 15,5%. Alle darüber hinausgehenden Dividenden werden zu durchschnittlich 38% versteuert (der genaue Prozentsatz hängt von dem Gesamteinkommen der Person ab und kann von 30% bis 60% variieren).

In der Annahme, der Geschäftsführer hält 60% des Kapitals der Gesellschaft, deren Stammkapital 100.000 Euro beträgt, und er der Gesellschaft zudem 100.000 Euro im Rahmen eines Gesellschafterkontos zur Verfügung gestellt hat, betragen seine Gesamteinlagen 160.000 Euro. In diesem Fall werden nur 16.000 Euro (also 10%) der Dividenden den Sozialabgaben in Höhe von 15,5% unterworfen, bei allen darüber hinausgehenden Beträgen sind es durschnittliche Abgaben in Höhe von 38%.

Fall des Gesellschafters einer SA (AG) oder SAS (vereinfachte Aktiengesellschaft): alle ausgeschütteten Dividenden unterliegen den Sozialabgaben in Höhe von 15,5%, unabhängig davon, ob der Gesellschafter ebenfalls eine Führungsposition besitzt oder nicht.

Zahlen diese beiden Gesellschaftsformen Dividenden in Höhe von 100.000 Euro an ihren Gesellschafter aus, werden die Auswirkungen dieses Unterschiedes deutlich:

Gesellschafter / Geschäftsführer der SARL

100.000 Euro brutto Dividende
- 16.000 Euro à 15,5% = 2.480 Euro
- 84.000 Euro à 38% = 31.920 Euro
GESAMT = 34.400 Euro

Netto Dividende
(vor Einkommenssteuer) : 65.600 Euro



Gesellschafter der SA /SAS : 100.000 Euro brutto Dividende

- 100.000 Euro à 15,5% = 15.500 Euro
GESAMT = 15.000 Euro

Netto Dividende
(vor Einkommenssteuer): 84.500 Euro


Die oben erläuterte Einkommenssteuer wird selbstverständlich auf den Brutto- und nicht auf den Nettobetrag berechnet. Der französische Gesetzgeber wollte diese Situation im Rahmen des letzten Steuergesetzes harmonisieren und die Regel der SARL für alle Gesellschaftsformen anwenden. Dies hat jedoch zu solchen Ablehnungen und Protesten geführt, dass die Gesetzeslage für 2015 unverändert bleibt. Wie lange dies jedoch noch der Fall sein wird, ist unklar.

Autorin: Natalie Parnière | Avocat

Kanzlei BIA Avocats, Montpellier/Frankreich

www.bia-avocats.eu

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