02.08.2016Fachbeitrag

Marken-ABC: Diese Marken sind nicht mehr "deutsch“

Rechtskommentar:

Hört man Marken wie Beck’s, Penaten oder Langnese denkt man automatisch an eine deutsche Qualitäts- und Traditionsmarke. Doch wussten Sie, dass keine dieser drei Marken mehr nur in deutscher Hand liegen? Wir zeigen anhand von prominenten Beispielen welche Marken noch "deutsch" sind.

Würden Sie sagen, dass Marken wie "Knorr", "Leitz" oder "Penaten" typisch deutsche Marken sind? Das stimmt. Doch wer glaubt, dass es noch immer die gleichen Inhaber und Investoren wie vor Jahrzehnten sind, der irrt. Längst haben Großkonzerne bekannte deutsche Marken übernommen, oftmals sehr erfolgreich und mit Vorteilen für alle Beteiligten. Machen Sie mal den Test – welche dieser Marken wäre für Sie noch "deutsch" gewesen?

Beck’s

Die "Nummer 1 unter den deutschen Bieren" ist bereits seit fast 15 Jahren schon nicht mehr in deutscher Hand. Die Bremer Brauerei wurde 2002 von der belgischen Interbrew-Gruppe (Stella Artois, Hoegaarden) aufgekauft, die heute als Anheuser-Busch InBev firmiert. Die Übernahme soll knapp zwei Milliarden Euro gekostet haben.

FLEX

"Wussten Sie eigentlich, dass FLEX das "Flexen" erfunden hat?" Die Firma Flex beschäftigt sich seit 1922 mit handgeführten (Elektro-)Werkzeugen und gehört heute zu den führenden Anbietern. Vor allem die FLEX Winkelschleifer sind auch weiterhin DAS Aushängeschild des Unternehmens. FLEX war lange Zeit Teil des US-Konzerns Stanley Black & Decker bis es 2013 von der chinesischen Chervon Holding übernommen wurde.

Langnese

Spätestens seit dem 1980er Jahre Hit „"ike Ice in the Sunshine" ist die deutsche Eiscreme-Sorte weit über Deutschlands Grenzen hinweg bekannt. Sorten wie das "Capri"-Eis (1959), "Nogger" (1964), "Viennetta"(1981) oder das "Magnum"-Eis (1988) haben Kultstatus. Produziert wird in Heppenheim, wo nach Firmenangaben die größte Eisfabrik Europas steht, doch schon ein Jahr nachdem das erste Eis nach Deutschland importiert wurde -und das war im Jahre 1935- gehört die Marke zum niederländisch-britischen Global Player "Unilever".

Leitz

Auch die Aktenordner des traditionsreichen Stuttgarter Unternehmens sind nicht mehr "deutsch". In den 1990er Jahren wurde die Firma von der schwedischen Firma "Esselte" aufgekauft, die wiederum um die Jahrtausendwende von US-amerikanischen Investoren gekauft wurde. Seit ca. einem Jahr ist man auch produktionstechnisch nicht mehr "Made in Germany". Der Bedarf an physischer, "offline" Lagerung ist gesunken, die Digitalisierung macht dem Unternehmen zu schaffen. Auch hohe Lohnkosten haben die Stuttgarter zur Auslagerung ins niedersächsischen Uelzen, als auch Polen und Tschechien gezwungen.

Knorr

Der für seine Fertigsuppen, Speisewürzen, Saucen und sonstigen Kochzutaten bekannte Lebensmittelhersteller aus Heilbronn ist seit 2000 Teil von Unilever. Es ist aber noch nicht alles ausgelagert, deutsche Knorr-Standorte gibt es noch in Auerbach (Sachsen) und in der Geburtsstätte Heilbronn (Baden-Württemberg).

Penaten

Ja, auch die bekannte Haut- und Wundschutzcreme Penaten ist keine rein "deutsche" Firma mehr. 1904 gelang dem Drogisten Max Riese eine aus Schafswolle gewonnenen Fett endlich eine Lösung zum Schutz der Babyhaut zu finden. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich das Unternehmen zu einem der führenden Babypflege-Hersteller. Mehr als 80 Jahre später übernahm der US-amerikanische Konzern Johnson & Johnson die Firma. Ende 2000 verlagerte Johnson & Johnson die Produktion der Penaten-Creme nach Italien und Frankreich. Der Originalstandort Bad Honnef wurde geschlossen.

Autor:
Dr. Tim Meyer-Dulheuer, LL.M. | Patentanwalt

Dr. Meyer-Dulheuer & Partners LLP, Frankfurt a. Main
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